ReisebrancheFTI trennt sich von Außendienstlern

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Das Münchner Reiseunternehmen reagiert damit auf die gravierenden Folgen der Pandemie für die Branche, erhält aber wieder zunehmende Buchungen.

Von Lea Hampel, München

Der Reiseanbieter FTI hat allen seinen Außendienstmitarbeitern gekündigt. Bereits Anfang der Woche hatte das drittgrößte Reiseunternehmen Europas bekannt gegeben, die Sprachreisensparte nicht mehr weiter zu betreiben und zum 1. November den Betrieb des Kreuzfahrtschiffes MS Berlin, das seit dem Jahr 2011 für FTI Cruises unterwegs ist, einzustellen. Auch das Portal fly.de sowie das Berliner Beratungscenter Touristic24 sollen aufgegeben werden.

Das Münchner Unternehmen begründete insbesondere die Entlassung der Außendienstmitarbeiter damit, dass sich in den vergangenen Monaten die Anforderungen aus dem Reisebürovertrieb an die Veranstalter stark verändert hätten. Der Kunde erwarte sofort eine Hilfestellung oder Lösung, deshalb sei es wichtig, dass Anliegen "nicht erst am Ende eines langen Außendiensttages beziehungsweise am Folgetag" geklärt werden können.

Künftig sollen sich Reisebüros mit Anliegen ihrer Kunden deshalb direkt an die Zentrale wenden können. Während in Fachmedien von 360 gestrichenen Stellen die Rede ist, hieß es vom FTI, man wolle die deutschen Personalkosten um 20 Prozent senken. Ob auch welche der rund 10 000 Arbeitsplätze in anderen Ländern bedroht sind, blieb offen.

Der Sparkurs ist ein weiteres Beispiel für die massiven Folgen der Corona-Pandemie für die Touristikbranche. Beim 1983 von Dietmar Gunz gegründeten FTI-Konzern hatte es in den vergangenen Monaten schon Kurzarbeit gegeben, zudem hatten Mitarbeiter auf ihr Gehalt verzichtet. Im April hatte dann der ägyptische Investor Samih Sawiris, der bereits seit 2014 am Konzern beteiligt ist und eine immer wichtigere Figur in der deutschen Reisebranche wird, eine Mehrheit von 75,1 Prozent übernommen. Er hatte es dadurch überhaupt erst ermöglicht, dass unter anderem Bayern, der Bund und die Hausbank ebenfalls Hilfen bereitstellten.

Beim Konzern zeigte man sich optimistisch, und das, obwohl beispielsweise auch noch keineswegs geklärt ist, wann deutsche Urlauber wieder in die traditionell oft über FTI gebuchte Türkei reisen können: "Die Nachfrage zieht wieder an, und wir haben gesehen, dass das besonders für Länder gilt, die Lockerungen kommuniziert haben", sagt eine FTI-Sprecherin. Griechenland, die Kanaren und die Balearen würden wieder gut gebucht. "Wir blicken zuversichtlich in die Zukunft."

© SZ vom 31.07.2020 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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