Der Mann, der Reinhold Würth sein soll, macht ein unschlagbares Angebot: Geld, das sich quasi von selbst vermehrt. Mit einer Einlage von nur 250 Euro könne man mithilfe der Software, die sein Team entwickelt habe, am Finanzmarkt 1000 Euro verdienen – und das jeden Tag. Macht 7000 Euro in der Woche und 365 000 im Jahr. „Heute ist eben dein Glückstag“, sagt der Mann in dem Video, das Nutzern in den vergangenen Tagen auf Facebook angezeigt wurde.
Die Gesichtszüge stimmen, der Mann sieht Würth, 90, ziemlich ähnlich, und er klingt auch fast wie der Unternehmer aus Künzelsau, der aus einem Drei-Mann-Schraubenhandel einen Konzern mit 87 000 Angestellten und einem Jahresumsatz von zuletzt mehr als 20 Milliarden Euro gemacht hat. Und dann sitzt er auch noch vor einem Regal mit Schraubenpackungen, auf dem das Firmenlogo prangt.
Doch natürlich ist das Video eine Fälschung, ein sogenannter Deepfake. Erstellt haben es Betrüger mit künstlicher Intelligenz, die Videos täuschend echt erzeugen kann. Mit welchem Inhalt auch immer, da steht einem eigentlich alles offen. Der „Schraubenkönig“ soll wohl Glaubwürdigkeit vermitteln, schließlich hat sein Wort Gewicht. Wer wird ihm nicht vertrauen?
Nun, da sind Unstimmigkeiten im Video: Würth bietet keine Finanzdienstleistungen an, sondern Schrauben, Befestigungsmaterial und Maschinen, so etwas. Und er würde sein Publikum niemals duzen.

Exklusiv Reinhold Würth:"Die Ampelkoalition läuft durcheinander wie ein Hühnerhaufen"
Der Unternehmer Reinhold Würth hat aus einer Zwei-Mann-Firma ein Weltunternehmen gemacht. Jetzt fürchtet er Krieg, ist mit der Regierung in Berlin sehr unzufrieden - und erklärt den für ihn gefährlichen Erfolg der AfD.
Die Masche mit gefälschten Bild- oder Video-Testimonials von Prominenten, die zu „Investments“ auf betrügerischen Anlageplattformen locken, beobachtet Thomas Goger, stellvertretender Leiter der Zentralstelle Cybercrime Bayern in Bamberg, seit mehreren Jahren „massiv“, sagt er. „Es wurden und werden hierzu eine Vielzahl von Prominenten ‚missbraucht‘.“
Vor dem Bamberger Landgericht muss sich dieser Tage ein Mann verantworten, der mit Cybertrading-Betrug allein in Deutschland einen Schaden von 100 Millionen Euro verursacht haben soll, weltweit geht es um Milliardenbetrug. Über gefälschte Nachrichten-Webseiten hat seine Gruppe laut Anklage Geschichten von Prominenten verbreitet, die angeblich mit Online-Anlagegeschäften reich geworden sind. Da ist diese Schein-Exklusivität, die überzeugen soll: Laut den Betrügern verhinderten Regierung, Finanzwelt und Medien, dass diese Geschichten bekannt würden. Im Fake-Video sagt Reinhold Würth, dass nur einhundert Deutsche es zu sehen bekämen. „Wenn du diese Seite verlässt, kannst du nicht zurückkehren, weil dein Link mit deinem Gewinn abläuft.“
Bei der Würth-Gruppe weiß man von dem Deepfake-Video, das den Ehrenvorsitzenden ihres Stiftungsaufsichtsrats zeigen soll. Name und Bild von Würth würden „zu angeblichen Investitionsmöglichkeiten missbräuchlich verwendet“, heißt es in einem Statement. Reinhold Würth stehe in keinerlei Verbindung zu derartigen Angeboten. „Das Unternehmen verurteilt diese Vorgehensweise aufs Schärfste und distanziert sich klar von den darin verbreiteten Inhalten.“ Gegen die Verbreitung des Videos gehe man konsequent vor und arbeite mit den Strafverfolgungsbehörden zusammen. Über die eigenen Social-Media-Kanäle warnte die Würth-Gruppe vor dem Fake-Video. Nutzer, die darauf hereingefallen seien, sollten ihre Bank informieren und Anzeige erstatten. Der Polizei Heilbronn ist bisher ein Betrugsfall bekannt, bei dem eine Frau aus Sachsen um Geld gebracht wurde.
„Wenn es zu gut klingt, um wahr zu sein, dann ist es meistens nicht wahr“, sagt Thomas Goger, der Cybercrime-Staatsanwalt. Er rät, besonders misstrauisch zu sein, wenn auf Social Media Anlageversprechen mit hohen Renditen angepriesen werden. Bei Fake-Videos könne man zum Beispiel recherchieren, ob der Prominente wirklich bestimmte Sachen gesagt hat, etwa in einer Talkshow in den Mediatheken der Öffentlich-Rechtlichen. Im Zweifel könne man bei „Anlageempfehlungen“ von Politikern und Promis davon ausgehen, dass sie manipuliert seien. Webseiten wie Watchlist Internet und die der Finanzaufsicht Bafin warnen vor aktuell zirkulierenden Deepfake-Videos und Betrugsplattformen. Dort kann man sich umschauen, um nicht auf Betrüger hereinzufallen.
