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Erneuerung gebrauchter Produkte:Hersteller haben wenig Interesse an Refurbishment

Dabei spielt nicht nur die Ökologie eine Rolle, sondern auch das Geschäft. Die Fraunhofer-Experten betont zwar, dass sich Geld mit dem Aufarbeiten verdienen lässt. Aber es liegt nicht im Interesse der Hersteller und Händler, die Lebensdauer von Handys oder Computern zu verlängern. Kilian Kaminski, 28, der Gründer der Handelsplattform Refurbed, kennt das genau. Er war früher Manager beim Onlinekonzern Amazon in München und dort zuständig für den Bereich Refurbishment. "Weil Amazon mit Neuware mehr Geld verdient, haben sie den Bereich nicht wachsen lassen", sagt Kaminski.

Er machte sich schließlich selbständig und gründete vor zwei Jahren mit einem österreichischen Partner in Wien die Firma Refurbed. Er sagt, dass Geschäft wachse monatlich um zehn bis zwanzig Prozent. Aber von einer kleinen Basis: Die Firma hat in den vergangenen knapp zwei Jahren 30 000 Geräte verkauft. Das US-Wirtschaftsmagazin Forbes zählt Kaminski und seinen Kollegen angesichts des Potenzials zu den 30 spannendsten Gründern unter 30 Jahren in Europa. Asgoodasnew, einer der Pioniere im Onlinegeschäft mit gebrauchten IT-Geräten, macht bereits einen Umsatz im zweistelligen Millionenbereich.

Belastbare Zahlen darüber, wie viele Geräte generalüberholt wiederverkauft werden, gibt es wenige. Der gewerbliche Markt ist riesig, in ganz Europa beschäftigen sich über einhunderttausend Menschen mit dem Aufarbeiten von Eisenbahnen, Baumaschinen oder Fabrikanlagen.Bei den Konsumentenprodukten ist das anders: auf der Homepage des Mobilfunkbetreibers Telefonica/O2 ist ein Video zu sehen, in dem es heißt, es würden jährlich 10 000 Smartphones wiederverwendet. Darüber kann Asgoodasnew-Geschäftsführer Boldin nur lachen. Seines Wissens werden pro Jahr etwa 1,2 Millionen Geräte an- und wieder verkauft, bei 28 Millionen neuen Handys pro Jahr.

Vertrauen ist dabei die Grundlage des Geschäfts. Gründer Kaminski verweist auf eine repräsentative Umfrage des Vergleichsportals Verivox. Demnach können sich zwar gut zwei Drittel der Befragten "grundsätzlich" vorstellen, ein erneuertes Smartphone zu kaufen, um die Umwelt zu schonen. Aber 40 Prozent befürchten, dass die Qualität nicht so gut sein könnte wie bei einem neuen Gerät.

Damit die Verbraucher Vertrauen fassen können, müsste der Gesetzgeber klar die Mindeststandards für das Wiederaufbereiten elektronischer Geräte definieren, sagt Kaminski. "Doch die Bundesregierung tut einfach nichts", kritisiert Philipp Sommer, zuständig für Kreislaufwirtschaft bei der Deutschen Umwelthilfe . Unternehmen wie Asgoodasnew, Backmarket oder Futurephones-Shop versuchen, das Problem zu lösen, indem sie Garantien von mitunter zwei Jahren bieten. Seriöse Umweltlabel wie der "Blaue Engel" in Deutschland oder das EPEAT-Zeichen können Konsumenten die Suche erleichtern. Diese Siegel erhalten nicht nur Öko-Anbieter wie Fairphone aus den Niederlanden oder Shiftphones aus Deutschland, sondern auch Geräte etablierter Konzerne.

In Deutschland bietet etwa die Deutsche Telekom mit Congstar gebrauchte Mobiltelefone online an, der US-Konzern Apple vertreibt gebrauchte iPhones über den Dienstleister Brightstar; oftmals ist der Preisvorteil für die Kunden dabei aber gering. Die Konzerne fürchten, sie könnten ihren eigenen Markt ruinieren und steuern deswegen gegen das Aufarbeiten der kleineren Konkurrenten an, sagt Sommer: "Wir erleben einen Negativtrend. Die Hersteller verkleben die Akkus und Displays so in die Geräte, dass sie sich kaum ersetzen lassen. Und auch die Software treibt die Verbraucher zum Kauf neuer Geräte."

Die Updates beanspruchten oft mehr Akkuleistung. "Smartphones, die eigentlich noch wunderbar funktionieren könnten", beklagt Sommer, "stürzen dadurch immer wieder ab." Es ist eine Art Katz-und-Maus-Spiel. Die Hersteller von Konsumprodukten erschweren die Aufarbeitung, die Refurbisher suchen nach neuen Auswegen, die Hürden zu umgehen. Beim Fraunhofer-Institut sieht man diese Herausforderungen: Die Geräte würden immer komplexer, so dass immer professionellere Aufbereiter daran arbeiten. Dabei helfe die Digitalisierung auch, die das physische Instandsetzen schwierig macht: Über die Chips lasse sich immer öfter auslesen, wie sehr etwas in Benutzung war - und wo sich ein wertvolles Gebrauchtgerät gerade befindet.

"Das Geschäftsmodell des Sharings hilft bei der langen Verwendung von Geräten sehr", sagt Fraunhofer-Forscher Schötz. Was beim Handy noch schwer umzusetzen ist, beginne etwa bei der Weißware: Bald sollen Waschmaschinen per Waschgang bezahlt werden, nach einer gewissen Zeit werden sie eingesammelt und völlig neu aufbereitet.

Und auch bei Elektroautos wird geforscht. Die Batterien seien viel zu wertvoll, um sie nach einem Fahrzeugleben zu zerlegen und zu recyclen, sagt Peter Kössler, Audi-Vorstand für Produktion. "Wir testen darum schon jetzt Re-Use-Konzepte für Batterien", was heißt: Daraus sollen Stromspeicher werden, um etwa Solar- und Windstrom zu puffern. Und bei Audi und im Fraunhofer-Institut geht man noch weiter: Das Ziel ist die komplette Aufarbeitung des Tausende Euro teuren Akkus. Damit der dann wieder eingebaut werden kann und so für ungestörte Fahrt sorgen, wie neu eben.

© SZ vom 13.04.2019
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02 12 2017 Berlin Deutschland GER Alte Batterien liegen auf einem Atapel *** 02 12 2017 Berl

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