Trotz Zöllen und einer schwachen Konjunktur zeigt sich die Schifffahrtsindustrie widerstandsfähig: 58 Prozent der Reedereien gehen für das kommende Jahr von Wachstum aus. Das geht aus der diesjährigen Umfrage der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC hervor, für die Führungskräfte von 113 Hochseereedereien befragt wurden. Seit 2021 geben neun von zehn Reedereien an, voll ausgelastet zu sein. Nur vier Prozent rechnen mit einem wirtschaftlichen Abschwung im kommenden Jahr. Das sind drei Prozent weniger als im Jahr davor.
Die schwache Konjunktur in Deutschland scheint sich nicht negativ auf den Seetransport auszuwirken. Eine mögliche Erklärung liefert die Umfrage: sieben von zehn Führungskräften geben an, kaum bis gar nicht von der Industrieproduktion in Deutschland abhängig zu sein. Nahezu zwei Drittel der Befragten glauben darüber hinaus, dass Transporte trotz Handelsbarrieren und Zöllen nicht abnehmen werden.
Gänzlich unbesorgt blicken die befragten Reedereien jedoch nicht in die Zukunft. Eine Zunahme geopolitischer Auseinandersetzungen, insbesondere zwischen China und den USA, wird kritisch gesehen: 81 Prozent der Befragten erwarten Beeinträchtigungen der Schifffahrt durch Handelskriege und Embargos.
Bisher hätte die westliche Welt vom regelbasierten Handel und dem Vertrauen in internationale Institutionen profitiert, heißt es ferner in dem Bericht. Heute könne man darauf jedoch kaum noch bauen. So haben 51 Prozent der Befragten den Eindruck, es gebe global keinen rechtssicheren Rahmen für wirtschaftliches Handeln. Neben geopolitischen Spannungen wird im Bericht auch die Politik von Donald Trump als Grund dafür aufgeführt. 73 Prozent der Befragten geben an, die unberechenbare politische Lage wirke sich bereits jetzt negativ auf das eigene Geschäft aus.
Reedereien nehmen zudem eine anwachsende Bedrohung auf den Weltmeeren wahr. 92 Prozent der Befragten meinen etwa, das Thema Seeraumüberwachung braucht einen höheren Stellenwert. Von 62 Reedereien, die eigentlich im Roten Meer tätig sind, fahren dieses Jahr 61 Alternativrouten. Grund ist die Huthi-Miliz, die dort Frachter angreift. Im Juli 2025 hat die Miliz zuletzt zwei Schiffe beschossen und diese zum Kentern gebracht.
