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"Reden wir über Geld" mit Fred Wesley:"Leute, macht, was ihr liebt!"

July 9 2016 Perugia Italy Fred Wesley after his concert in Umbria Jazz 2016 signing autograph

Posaunist Fred Wesley: "Auf Festivals oder in großen Hallen sind die Leute so weit weg. Klar verdient man mehr Geld, aber ich spiele trotzdem lieber in Clubs."

(Foto: imago/ZUMA Press)

Fred Wesley war der Bandleader des Soulmusikers James Brown. Auch mit 74 Jahren steht er noch als Posaunist auf der Bühne. Auf seinen ehemaligen Chef ist er überhaupt nicht gut zu sprechen.

Auch wenn es nur ein Soundcheck für das Konzert im Nightclub vom Bayerischen Hof in München ist: Fred Wesley, 73, bläst immer noch so funky in die Posaune wie in den Siebzigern, als ihn James Brown mit dem Ruf "Hit 'em, Fred!" zum Solo aufforderte. Als er sich zum Interview setzt, verwandelt sich Funky Fred in einen netten Soul-Opa, der von seinem Leben als Sideman, vom miesesten Gig seiner Karriere und der seltsamen Geldgier des Soulbrother Number One erzählt.

Einst wollte seine Mutter, dass er der erste schwarze Milchmann von Mobile im US-Bundestaat Alabama wird. Doch Wesley wollte nur eines: Musik machen. Das ist bis heute so, noch immer tingelt er durch die Jazzclubs dieser Welt.

"Leute macht, was Ihr liebt! Geld ist nicht so wichtig", sagt er im Gespräch mit der SZ. Als junger Musiker sei ihm finanzielle Sicherheit nicht wichtig gewesen, die Musik war das Ziel. Wesley verschwendete wenig Gedanken an ein regelmäßiges Einkommen. "Ich war jung, hatte keine Verpflichtungen und wollte einfach nur eines werden: ein möglichst guter Musiker. Ich dachte, die Welt wird sich dann irgendwie schon um mich kümmern."

James Brown zahlte "immer nur, was er zahlen wollte", sagt Wesley

Ganz so einfach lief es nicht: Auch Musiker brauchen Geld, wenn sie nicht - wie Fred Wesley eine Zeit lang - Schweinsohren essen wollen. Weil es dafür mehr Geld gab, spielte er, statt des geliebten Jazz, die meiste Zeit R&B und Funk: Von Ike und Tina Turner bis zu James Brown, dessen Band er leitete.

Auf seinen ehemaligen Chef ist er allerdings nicht besonders gut zu sprechen: James Brown zahlte "immer nur, was er zahlen wollte" und habe Geld eingesetzt, um "die Band zu kontrollieren und zu manipulieren - besonders mich. Er wusste, dass ich eine Familie ernähren musste." Außerdem habe es unter Brown Geldstrafen gegeben, wenn jemand falsch gespielt hat oder nicht anständig gekleidet war.

Heute verdient Wesley nur wenig mit CDs oder Tonträgern: "Das nächste Album, ein Blues-Album, werde ich erst aufnehmen, wenn ich das Geld dafür per Crowdfunding gesammelt habe."

Lesen Sie jetzt das ganze Interview - mit SZ Plus:
Soulmusik "Wenn James Brown etwas im Leben wollte, dann Geld"

Reden wir über Geld mit Fred Wesley

"Wenn James Brown etwas im Leben wollte, dann Geld"

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