Reden wir über Geld mit Felix Neureuther "Es geht um persönliche Bereicherung, Macht, Politik und das eigene Ego"

Findet das Verteilungsprinzip im Sport problematisch und scheut nicht vor deutlicher Kritik zurück: Skifahrer Felix Neureuther.

(Foto: dpa)

Felix Neureuther ist Deutschlands bekanntester Skifahrer. Er übt heftige Kritik am IOC und den Werten, die heute im Sport gelten - und würde den alpinen Skisport auf drei Disziplinen stutzen.

Von Caspar Busse und Johannes Knuth

Gerade war er beim Laufen, den Berg rauf und wieder runter. Jetzt sitzt Felix Neureuther, 34, Deutschlands bekanntester Skifahrer, ganz entspannt im Garten. Fast kann man von hier aus die berühmte Kandahar-Abfahrt von Garmisch sehen. Er freut sich schon auf seine Rückkehr auf die Piste. Seit ein paar Tagen trainiert er wieder auf Skiern, nachdem ein Kreuzbandriss im vergangenen November ihn für Monate lahm gelegt hatte. "Wir Skirennfahrer ticken eigentlich alle gleich und denken nicht an Verletzungen, Risiken oder Prämien", sagt Neureuther im Interview. "Uns treibt die Freude und Begeisterung für Ski, Berge und Natur."

Momentan ist er jedoch sehr unzufrieden damit, wie es im internationalen Skisport läuft. Vor allem das Internationale Olympische Komitee (IOC) würde den Sport auf mittlere Sicht kaputt machen. "Das IOC streicht die viele Kohle selber ein, anstatt nachhaltig auch die davon profitieren zu lassen, die die Spiele veranstalten oder die Show bieten", kritisiert Neureuther. Pyeongchang sei für die letzten olympischen Winterspiele der völlig falsche Ort gewesen. So erreiche man die Leute nicht mehr, "sondern killt die grandiose Sportbegeisterung der Menschen." Man müsse die Spiele wieder kleiner und überschaubarer machen, "dann wären viele zufrieden, und wir würden wieder gute Austragungsorte finden", sagt Neureuther.

Abfahrt, Riesenslalom, Slalom - fertig

Das Grundproblem sei, dass im Sport unglaubliche Summen bewegt würden. Zudem stimme das Verteilungsprinzip nicht, weil wenige alles für sich haben wollten und dabei Mittel und Wege einschlügen, die absolut nichts mehr mit den ideellen Werten des Sportes zu tun hätten. "Es geht um persönliche Bereicherung, Macht, Politik und das eigene Ego und nicht mehr um das, wofür Sport steht, nämlich Fair Play", so Neureuther.

Der Skifahrer schlägt vor, die Zahl der Disziplinen im Alpinbereich deutlich zu reduzieren, um die Attraktivität wieder zu erhöhen. "Ich würde einen radikalen und extrem mutigen Schnitt gut finden - im alpinen Skisport zurück zu drei Disziplinen", sagt er. Abfahrt, Riesenslalom und Slalom - "bumm, fertig, das wär's". Warum? "Weniger ist oft mehr", sagt Neureuther.

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