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Recycling:Grüner Punkt entthront

Grüner Punkt

Er galt vielen fälschlicherweise jahrzehntelang als Synonym fürs gekonnte Recyceln: der Grüne Punkt.

(Foto: Marcus Brandt/dpa)

Nach fast 30 Jahren gibt es einen neuen Marktführer. Die Recycling-Branche sortiert sich neu, das Entsorgen wird teurer.

Von Michael Kläsgen

Die Gewichte bei den Recycling-Firmen verschieben sich. Nach fast 30 Jahren ist der Grüne Punkt nicht mehr das größte duale System in Deutschland. Die Firma Belland-Vision hat mit knapp 22 Prozent nunmehr die meisten Marktanteile beim Sortieren von Glas, Leichtverpackungen und Papier. Der Grüne Punkt kommt noch auf 17,7 Prozent. Insgesamt gibt es derzeit neun duale Systeme.

Die Marktanteile berechnen sich nach der Menge der Lizenzen, die Unternehmen, die den Müll in den Verkehr bringen, an die Sortierer vergeben, damit diese die Wertstoffe nach Möglichkeit recyceln. Als neuer Marktführer wird Belland-Vision nun zum größten Zahler der Zentralen Stelle Verpackungsregister in Osnabrück, die die Einhaltung ökologischer Ziele und von Recyclingquoten überwacht.

Belland-Vision in Pegnitz, eine Tochter des französischen Entsorgers Suez, wird damit auch zum größten Zahler der bundesweiten Kommunikationskampagne, die im März beginnt. Sie soll Bundesbürger dazu veranlassen, ihren Müll besser zu trennen. Das fehlerhafte Trennen macht die Entsorgung teurer. Der Preisanstieg für Papier und Leichtverpackung war zuletzt zweistellig. Beispiel gelber Sack: Dort hinein gehören Leichtverpackungen wie Plastikbecher oder Kaffeebeutel. Laut offizieller Statistik ist er aber im Durchschnitt zu 30 Prozent mit Müll gefüllt, der dort nicht hineingehört. Manche werfen ihren Restmüll absichtlich dort hinein, weil sie glauben, so kommunale Müllgebühren sparen zu können. Tatsächlich aber macht es das Sortieren und die Gebühren für die Lizenzen, die die Verbraucher zahlen, teurer.

Das treibt auch Thomas Mehl, den Geschäftsführer von Belland-Vision um. "Jetzt gilt es für uns, das Verpackungsrecycling weiter auszubauen und effizienter zu gestalten. Wir müssen dafür sorgen, Rohstoffe und CO₂ zu sparen, und dabei müssen alle mitmachen, auch Millionenstädte wie München, wo zigtausend Tonnen recycelbare Verpackungen immer noch verbrannt werden." Durch das Verbrennen verringert sich die verfügbare Menge an recycelbaren Wertstoffen, wodurch sich Kosten dafür erhöhen. Kostentreibend sei auch, so Mehl, dass Kommunen verstärkt bestimmen könnten, welche Behälter aufgestellt und wann diese geleert werden.

Um höhere Recyclingquoten zu erzielen, wäre es nötig, Herstellern vorzuschreiben, Mindestanteile von recyceltem Material zu verwenden. Mehl befürwortet auch, sogenannte gezielte Fehlwürfe in den gelben Sack zu sanktionieren, ähnlich wie mancherorts das Wegwerfen von Zigarettenkippen.

© SZ vom 19.02.2020

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