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Nachhaltigkeit:Mythos 3: Der Tetra Pak ist extrem umweltfreundlich

Diesen Mythos verbreitet zum Beispiel die Verpackungsverordnung. Der Getränkekarton, umgangssprachlich auch Tetra Pak genannt, wird dort als "ökologisch vorteilhaft" eingestuft. Und das, obwohl er nicht wiederbefüllbar ist. Die vorteilhafte Bewertung verdankt er seinem geringen Gewicht, das Transportenergie spart. Außerdem lässt sich der Karton recyceln.

(Foto: Jessy Asmus)

Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) legt noch einen drauf. Auf seiner Website heißt es: "Zwischen den bestehenden Glas-Mehrwegsystemen und Getränkekarton-Einwegsystemen lässt sich kaum ein ökologischer Vor- oder Nachteil erkennen."

Dabei gibt es durchaus Argumente gegen den Getränkekarton: Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) bemängelt, dass dieser mittlerweile häufig viel Plastik enthält, vor allem wegen der Ausgusshilfen und Verschlüsse. Auch sei der Recyclinganteil der Materialien viel geringer (36 Prozent) als von den Herstellern angegeben (71 Prozent). Hinzu komme, dass für die Herstellung kein Recyclingkarton verwendet werde, sondern vor allem Neufasern.

Von der Gesetzesgrundlage ist die Lage eigentlich ohnehin klar: Mehrwegverpackungen sind immer zu bevorzugen, heißt es dort. Damit das auch wirklich der Umwelt dient, sollte der Verbraucher jedoch beachten, dass der Inhalt, also beispielsweise die Milch, nicht vom anderen Ende der Republik herangekarrt wird. Frank Wellenreuther hat am Institut für Energie- und Umweltforschung (Ifeu) in Heidelberg die Umweltauswirkungen zahlreicher Verpackungsformen untersucht. "Vereinfacht kann man sagen, dass Mehrwegsysteme in einem regionalen Kontext, also ohne lange Liefer- und Rückfahrten meist sehr gute Ökobilanzergebnisse zeigen", sagt er. Es lasse sich sogar recht genau beziffern, wann eine Glasflasche umweltfreundlicher ist als der Getränkekarton: Sobald sie weniger als 200 Kilometer transportiert und mindestens 15 Mal benutzt wird, so der Experte.

Und noch etwas hat die Glasflasche allen anderen Verpackungen voraus: Glas ist, im Gegensatz zu allen anderen Verpackungsmaterialien, inert. Das heißt, dass es nicht mit darin aufbewahrten Lebensmitteln reagiert und folglich auch keine Chemikalien an sie abgibt.

Mythos 4: Nichts ist schlechter als Coffee-to-go-Becher

Die Zahl ist zunächst einmal erschreckend: 320 000 Kaffee-Einwegbecher werden allein in Deutschland weggeworfen - pro Stunde. Das ergibt eine Berechnung der Deutschen Umwelthilfe. Auf den Tag hochgerechnet sind das etwa 7,7 Millionen Becher, jährlich knapp drei Milliarden. Ganz zu Unrecht sind die To-go-Becher also schonmal nicht das wohl größte Feindbild umweltbewusster Menschen in deutschen Innenstädten.

Da kein Kaffee für die meisten auch keine Lösung ist (die Deutschen haben sich mit 162 Litern im Jahr mittlerweile auf Platz sieben beim Pro-Kopf-Konsum getrunken), greifen viele stattdessen zum Mehrweg-Becher. Doch der ist nicht automatisch nachhaltiger als sein Einweg-Pendant.

Von der beliebten Bambus-Variante beispielsweise rät die Deutsche Umwelthilfe ab. Die Becher enthalten demnach in der Regel einen hohen Plastikanteil. Das Veterinäramt Stuttgart hat in einer Untersuchung herausgefunden, dass Bambusgeschirr nur zu 20 bis 37 Prozent tatsächlich aus Bambusfasern besteht, der Rest sind Kunststoffe. Diese sind nicht nur umweltschädlich, sondern können bei Temperaturen ab etwa 70 Grad auch in gesundheitlich bedenklichen Mengen in die Lebensmittel übergehen, warnt das Bundesinstitut für Risikobewertung.

Doch auch wer Becher aus Porzellan, Keramik oder Glas benutzt, ist nicht automatisch nachhaltiger unterwegs. Diese sind in der Theorie zwar langlebig, da die Behälter aber schnell Sprünge bekommen oder sogar beim ersten Herunterfallen komplett zerbrechen, ist die Ökobilanz nicht automatisch besser als die der Einwegbecher. Hinzu kommt, dass ihre Herstellung viel Wasser und Energie verbraucht. Porzellan und Keramik müssen zudem im Restmüll entsorgt werden.

Praktischer und langlebiger sind da Becher aus Edelstahl: Sie sind nicht nur robust und gesundheitlich unbedenklich, sondern auch recycelbar. Der Nachteil an Edelstahl ist jedoch, dass er viel Energie in der Herstellung braucht.

Damit sich ein Mehrwegbehälter in der Ökobilanz insgesamt lohnt, darf er vor allem nicht im Schrank verstauben. Einen Edelstahlbecher mit einer Plastikummantelung beispielsweise muss der Besitzer mehr als 40 Mal benutzen, damit seine Ökobilanz beim Wasserverbrauch besser ausfällt als die des Einwegbechers aus Pappe. Das sollte gerade bei der Edelstahlvariante, die lange hält, nicht allzu schwer sein: Wer unter der Woche zwei Mal am Tag Kaffee trinkt, für den lohnt sich der Mehrwegbecher schon nach einem Monat.