Vielleicht fühlt er sich ungerecht behandelt. Vielleicht hat er es vergessen. Oder er hat einfach keinen Bock. Wer weiß. Fakt ist: Prinz Ernst August von Hannover schuldet dem Tabakkonzern British American Tobacco (BAT) Geld. Und zwar keinen Kleckerbetrag, sondern eine ganze Menge.

Es handelt sich um etwa 120.000 Euro. Dieser Meinung ist zumindest der Bundesgerichtshof (BGH). Anfang Mai wiesen die obersten Richter eine Klage des Welfen-Prinzen ab und dachten, dass sie damit einen langen Rechtsstreit beenden.
Doch der Urenkel von Kaiser Wilhelm II. hat das Urteil bisher ignoriert. Weshalb der kuriose Streit nun in die nächste Runde geht. Denn jetzt will der Hamburger BAT-Konzern dem säumigen Prinzen einen Gerichtsvollzieher ins Haus hetzen.
Begonnen hat das Ganze 1998. Damals stritt sich der Adlige mit einem Kameramann und schlug ihn mit einem Regenschirm. Weshalb ihm die Presse einen Spitznamen verpasste, der ihm nicht gefiel. Seinem Ruf wurde er erneut gerecht, als er zwei Jahre später auf einer Insel vor Kenia einen Nachtclubbesitzer attackierte.
Kurz danach erschien ein Plakat, das zu den Klassikern der Werbegeschichte zählt: Die Zigarettenmarke Lucky Strike zeigt eine zerknüllte Packung und fragt: "War das Ernst? Oder August?" Nach dem Werbegag begann der Rechtsstreit. Der Prinz verklagte den Lucky-Strike-Hersteller BAT, weil dieser eindeutig seine Vornamen verwendet hatte.
Das Landgericht Hamburg gab dem heute 57-Jährigen recht, BAT musste 60.000 Euro zahlen und ging in Revision. Der Streit durchlief alle Instanzen, dann wies der BGH die Klage 2005 ab und verdonnerte den 57-Jährigen, das Geld samt Prozesskosten zurückzuzahlen.
Der Grund: Die "mit der Namensnennung verbundene Beeinträchtigung des Persönlichkeitsrechts" sei hinzunehmen, wenn die Anzeige sich in "satirisch-spöttischer Form" mit einem öffentlichen Ereignis auseinandersetze.
Doch Ernst August verweigerte die Zahlung und verwies darauf, dass er ja - damals noch in trauter Eintracht mit Prinzessin Caroline - im Fürstentum Monaco lebe. Deutsche Gerichte seien nicht zuständig. Wieder eskalierte der Streit bis zum BGH nach Karlsruhe. Wieder verlor der Prinz. Für eine Stellungnahme war Ernst August am Donnerstag nicht zu erreichen.
BAT-Chef Ad Schenk meint, dass er lange genug auf das Geld gewartet hat. "Ob Ernst oder August ist uns egal - einer sollte zahlen."