Konjunktur:Wenn am Ende des Monats immer weniger bleibt

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Konjunktur: Euro-Scheine in einer Geldbörse: Die Inflation ist hoch, das Geld wird weniger wert.

Euro-Scheine in einer Geldbörse: Die Inflation ist hoch, das Geld wird weniger wert.

(Foto: Monika Skolimowska/dpa)

Die Reallöhne in Deutschland sinken im Rekordtempo: Von Juli bis September hatten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer 5,7 Prozent weniger Geld.

Von Caspar Busse

Es ist nicht das erste Mal, aber es wird immer heftiger. Die Reallöhne in Deutschland sinken deutlich. Das heißt: Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben am Ende immer weniger Geld, die anhaltend hohe Inflation frisst dabei Lohnsteigerungen mehr als auf. Das belegen die neuen Zahlen des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden.

Danach wuchsen von Juli bis September dieses Jahres die Bruttomonatsverdienste der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer einschließlich Sonderzahlungen zwar um durchschnittlich 2,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal. "Allerdings stiegen die Verbraucherpreise im selben Zeitraum um 8,4 Prozent", teilte die Behörde am Dienstag mit. Daraus errechnet sich ein realer Verdienstrückgang von 5,7 Prozent. "Damit mussten die Beschäftigten in Deutschland bereits im vierten Quartal in Folge einen Reallohnverlust hinnehmen", hieß es.

Es handele sich um den stärksten sowie den am längsten anhaltenden Reallohnrückgang seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 2008, so die Statistiker. Im zweiten Quartal waren die Reallöhne um 4,4 Prozent, im ersten Quartal um 1,8 Prozent und im letzten Quartal 2021 um 1,4 Prozent gesunken.

Angst vor einer Lohn-Preis-Spirale

Schnelle Entspannung ist nicht in Sicht, zumal die Inflationsrate laut Experten zunächst hoch bleiben wird. Auch im Gesamtjahr 2022 droht damit vielen Beschäftigten ein Kaufkraftverlust. Im kommenden Jahr stehen die Chancen aber nicht schlecht, dass der Rückgang zumindest deutlich geringer ausfällt. So rechnen die Wirtschaftsweisen damit, dass sich die Inflationsrate leicht abschwächt - und zwar von durchschnittlich 8,0 Prozent im zu Ende gehenden Jahr auf 7,4 Prozent. Dazu kommt: Die Gewerkschaften haben in vielen Branchen angesichts der starken Teuerung bereits kräftige Lohnabschlüsse durchsetzen können. Die rund 3,9 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie etwa bekommen in zwei Schritten 8,5 Prozent mehr Geld sowie 3000 Euro Einmalzahlung netto.

Damit könnte sich eine gefährliche Lohn-Preis-Spirale entwickeln: Wegen der hohen Inflation steigen die Löhne deutlich, damit aber wird wiederum die Teuerung befeuert, was wieder zu hohen Lohnforderungen führt. Kommt eine solche Spirale in Gang, ist sie laut Wirtschaftsexperten nur schwer zu stoppen. Die Europäische Zentralbank (EZB) will jedenfalls verhindern, dass sich Preise und Löhne gegenseitig nach oben schaukeln und sich die Inflation damit verfestigt. Für etwa elf Millionen Beschäftigte mit Tarifverträgen der DGB-Gewerkschaften stehen im kommenden Jahr Lohnverhandlungen an. Den Auftakt macht im Frühjahr 2023 der öffentliche Dienst von Bund und Gemeinden mit etwa 2,8 Millionen Beschäftigten. Gefordert werden 10,5 Prozent mehr Lohn. Die zweitgrößte Tarifrunde nach dem öffentlichen Dienst bilden die Tarifverhandlungen im Einzelhandel mit etwa 2,6 Millionen Beschäftigten sowie der Groß- und Außenhandel (knapp 1,2 Millionen Beschäftigte).

Die Inflation wird überall das große Thema sein. Die Teuerungsrate in Deutschland liegt aktuell mit 10,4 Prozent so hoch wie seit 1951 nicht mehr, auch weil Energie infolge des russischen Kriegs gegen die Ukraine deutlich teurer geworden ist. Auch Lebensmittel kosten inzwischen erheblich mehr.

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