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Reaktion auf Swiss-Leaks-Enthüllungen:Ex-HSBC-Chef Green tritt zurück

File photograph of group chairman of HSBC Holdings Green speaking at the Institute of Directors annual convention at the Albert Hall in London

Er galt als die Stimme der Vernunft, seine Bank als Vorbild: Ex-HSBC-Chef Stephen Green. Die Swiss-Leaks-Enthüllungen rücken ihn nun in ein anderes Licht.

(Foto: REUTERS)
  • Lord Stephen Green, der ehemalige Chef der Großbank HSBC, tritt von seinem Posten im Beirat des britischen Bankenverbands zurück.
  • Damit reagiert Green auf die Swiss-Leaks-Enthüllungen zu den Machenschaften der Schweizer HSBC-Tochter, die in die Zeit seiner Führung fallen.
  • Green war auch als britischer Handelsminister tätig und wurde zum Lord geadelt - noch nachdem die britischen Steuerbehörden Dokumente bekamen, wegen denen in mehreren Ländern gegen die HSBC ermittelt wird. Die Opposition fordert daher auch von Premierminister David Cameron Erklärungen.

Ex-HSBC-Chef Green tritt von Berater-Posten zurück

Der ehemalige Vorstandsvorsitzende und spätere Aufsichtsratschef der britischen Großbank HSBC, Lord Stephen Green, tritt von seinem Posten als Beiratsvorsitzender des britischen Bankenverbandes The City UK zurück.

Sir Gerry Grimstone, Chef der einflussreichen Lobbygruppe, sagte einer Mitteilung zufolge, Green sei ein Mann großer Integrität. Er wolle den Einfluss von The City UK nicht beschädigen und tue mit seinem Rücktritt das Richtige. "Es war ganz seine eigene Entscheidung."

Mit dem Schritt zieht Green Konsequenzen aus den Swiss-Leaks-Enthüllungen zu den Machenschaften der HSBC. Green war es, der die Bank von 2003 bis 2006 als Vorstandschef leitete. Also just in den Jahren, als bei der Schweizer Tochtergesellschaft der HSBC in Genf Kriminelle ihr Konto eröffnen konnten, Tausende Steuerhinterzieher ihr Geld vorbeitrugen und Waffenschieber oder Blutdiamantenhändler als Kunden gern gesehen waren.

Zunächst hatte sich Lord Green nicht zu den Enthüllungen der vergangenen Tage geäußert. Doch offenbar ist der Druck auch intern zu groß geworden. Mitglieder des Beirats haben Greens Rücktritt gefordert, berichtet die Financial Times. Lord Peter Levine, der Vizechef des Gremiums sagte der Zeitung, er wäre überrascht, wenn Green sich auf seinem Posten halten könnte.

Lord Green - Laienprediger und Kritiker des ungezügelten Finanzkapitalismus

Green, der in seiner Freizeit als ordinierter Laienprediger der anglikanischen Kirche aktiv ist, inszenierte sich gerne als Kritiker des ungezügelten Finanzkapitalismus: "Ein besseres Risikomanagement, eine bessere Regulierung und klare Verantwortlichkeiten in den Führungsgremien", forderte der 66-Jährige von seinen Kollegen. Zwei kritische Bücher schrieb Green über den Kapitalismus: "Wahre Werte" und "Serving God? Serving Mammon?".

Vor der Finanzkrise galt er mit seinen Thesen als Exot in der Londoner Bankenwelt. Ein wenig spießig empfanden ihn viele andere Banker in der City: keine Exzesse, keine Großmannssucht, kein Master of the Universe, sondern ein tiefgläubiger Christ, der seit 1982 seiner Bank treu geblieben war.

Mit der Pleite der Investmentbank Lehman Brother's vor sechseinhalb Jahren änderte sich Greens Image. Plötzlich saß er ständig auf Podien oder hielt Vorträge. Stephen Green und seine HSBC, hieß es damals oft, das sei ein Modell für die anderen Banken in London oder New York. Diese Einordnung Greens muss nun wohl noch einmal überarbeitet werden.

Druck auf David Cameron wächst

In Großbritannien steht nicht nur Green selbst in der Kritik, auch Premierminister David Cameron wird von der Opposition angegriffen. Der Grund: Ende 2010 schied Green als Aufsichtsratschef der HSBC aus und wechselte in die Regierung. Als unbezahlter Handelsminister war er bis 2013 im Amt. Heute sitzt er noch immer als Baron Green of Hurstpierpoint im britischen Oberhaus.

"Sie haben dem HSBC-Boss einen Posten verschafft, und Sie lassen es den Steuervermeidern durchgehen", attackierte Oppositionsführer Ed Miliband am Mittwoch in einer Parlamentsdebatte Premier Cameron scharf.

Und tatsächlich gibt es in diesem Fall noch ein paar ungeklärte Fragen in Großbritannien.

Im Mai 2010 übergaben französische Steuerbehörden ihren Kollegen in London die Bankdaten Tausender Briten. 135 Millionen Pfund an Steuernachzahlungen und Strafen kamen zusammen. Obwohl die königlichen Steuerbehörden die HSBC-Daten auswerteten, wurde Green ein halbes Jahr später zum Lord geadelt und Mitglied der Regierung. Wusste Cameron nicht, was seine Steuerbehörden trieben? Oder nahm er es bewusst in Kauf? Das möchte die Opposition beantwortet haben.

© Süddeutsche.de/sks

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