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Südostasien:Die Welt handelt

Vietnam war der virtuelle Gastgeber des Gipfels, auf dem die RCEP beschlossen wurde.

(Foto: NHAC NGUYEN/AFP)

In Asien entsteht mit dem soeben unterzeichneten Abkommen RCEP der größte Freihandelspakt der Welt - ohne Europa und die USA.

Von David Pfeifer

Während man in Deutschland und Europa weiter in die USA blickt, und sich fragt, wie der Mieterwechsel im Weißen Haus ohne Rollkommando funktionieren könnte, entsteht im entgegengesetzten Teil der Welt ein Handelsabkommen, das Europa als Wirtschaftsgemeinschaft marginalisieren und die USA und ihre jüngste Handelspolitik aushebeln könnte. Mit der "Regional Comprehensive Economic Partnership" (RCEP) haben China und 14 asiatisch-pazifischen Staaten das größte Freihandelsabkommen der Welt abgeschlossen. Nach achtjährigen Verhandlungen wurde das Abkommen am Sonntag zum Abschluss des virtuellen Gipfels der südostasiatischen Staatengemeinschaft Asean in Vietnams Hauptstadt Hanoi unterzeichnet.

Die zehn Mitglieder der ASEAN, Indonesien, Vietnam, Thailand, die Philippinen, Singapur, Brunei, Malaysia, Laos, Myanmar und Kambodscha, verabreden in RCEP eine Freihandelszone mit Japan, Süd-Korea, Australien, Neuseeland - und China. Die RCEP macht knapp 30 Prozent des gesamten Welthandels aus und ist damit größer als alle Wirtschaftshandelszonen, also umfassender als die EU oder der Verbund von Kanada, USA und Mexiko.

Ein Drittel der Bevölkerung dieser Erde lebt in dieser Region. Sogar Indien war Teil des neuen Handelspaktes, zog sich aber ein Jahr vor Abschluss zurück, oder wurde vielleicht auch dazu aufgefordert, nachdem es zum Schutz des eigenen Marktes die Verhandlungen verschleppte.

Es gilt in dem Zusammenhang allerdings nicht nur eine neue Abkürzung zu lernen, die in Zukunft für einige Veränderungen auf dem Weltmarkt sorgen könnte, sondern auch an eine alte zu erinnern: TPP. Die "Trans-Pacific-Partnership" sollte unter Umgehung von China den Handel zwischen den USA und vielen asiatischen Staaten erleichtern, unter anderem denen der ASEAN. Donald Trump allerdings zog die USA 2017 aus dem fast fertiggestellten Abkommen zurück, woraufhin China die Initiative ergriff, um die RCEP voran zu treiben.

Es könnte also kommen wie bei einem Schachspiel, bei dem ein Kontrahent (die USA) nur an den nächsten Zug denkt, der andere (China) aber etwa vier bis sechs Züge voraus plant. Im Bemühen, den Einfluss Chinas zu beschränken, hat Donald Trump einen übermächtigen Konkurrenten im Welthandel entstehen lassen, der den USA und Europa bald einen Perspektivwechsel in Richtung Asien aufzwingen wird.

© SZ/sana, mxm

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