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Razzia bei Thomas Middelhoff:"Show der Staatsanwaltschaften"

Es geht um eine hohe Abfindung und teure Flugzeugreisen, um das Sponsoring einer Eliteuni und Geschäfte mit einem Immobilienunternehmer - doch der frühere Arcandor-Chef Middelhoff kritisiert die Durchsuchung seines Büros.

Thomas Middelhoff war schon weg, als etwa ein Dutzend Ermittler anrückten. Darüber informiert, kehrte er sofort um. Die Beamten warteten nicht auf ihn. Als er eintraf, durchsuchten sie bereits sein Bielefelder Haus. Der Ex-Arcandor-Chef sei höflich geblieben und habe nicht einmal einen Anwalt zur Unterstützung herbeigerufen, hieß es. Dass sich Middelhoffs Verständnis für die Razzia in engen Grenzen hält, ist etwas anderes. Sein Düsseldorfer Anwalt Sven Thomas tat die Aktion später als "Showveranstaltung der Staatsanwaltschaften" Bochum und Köln ab. Schließlich biete man ihnen seit einem Jahr an, zu allen Vorwürfen Stellung zu beziehen.

Thomas Middelhoff

Thomas Middelhoff zeigt wenig Verständnis für die Durchsuchung seiner Büroräume.

(Foto: AP)

Tatsächlich sind die Komplexe nicht neu, deretwegen Ermittler am Donnerstag neben Middelhoffs Privathaus auch das Kölner Büro durchsuchten. Es geht um Untreue zu Lasten der inzwischen untergegangenen Arcandor AG. Middelhoff war ab Sommer 2004 Aufsichtsratschef der Arcandor AG, zu der unter anderem die Warenhauskette Karstadt, das Versandhaus Quelle und der Reiseveranstalter Thomas Cook gehörten. Im Mai 2005 wechselte Middelhoff auf den Posten des Vorstandschefs, den er im März 2009, kurz vor der Insolvenz von Arcandor, aufgab.

Sein Abgang soll dem 57-jährigen Manager mit einer Abfindung von wenigstens zehn Millionen Euro versüßt worden sein. Die Ermittler hegen den Verdacht, dass die Zahlung überhöht war und es sich deshalb um eine Untreuehandlung zu Lasten von Arcandor gehandelt hat. Im Visier der Bochumer Staatsanwaltschaft sind insgesamt 20 frühere Verantwortliche des Konzerns; darunter sollen auch ehemalige Vorstände und Aufsichtsräte sein.

Was Middelhoff angeht, wurde auch nach Beweismitteln in Zusammenhang mit seinem Reisegebaren gesucht. Der ehemalige Topmanager, der heute einen Finanzdienstleister betreibt, flog gerne in privat gecharterten Jets und Hubschraubern. Ein hoher Schaden könnte Arcandor entstanden sein, weil Middelhoff weit günstiger hätte Linie fliegen oder andere Verkehrsmittel nehmen können. Allein 2006 sollen sich seine Flugspesen auf 600 000 Euro belaufen haben. Die Vorwürfe seien absurd, sagt sein Anwalt.

Dritter Komplex in den Ermittlungen ist das Sponsoring der Said Business School der Universität Oxford. Arcandor dümpelte bereits schwer angeschlagen dahin, als Middelhoff einen Sponsoringvertrag mit der englischen Eliteuni abschloss. Noch an seinem vorletzten Arbeitstag soll er etwa 800.000 Euro zur Zahlung angewiesen haben. Middelhoff rechtfertigt dies damit, man habe englischsprachige Spitzen-Nachwuchskräfte für Thomas Cook ködern wollen.

Kern der Ermittlungen und der Razzia sind jedoch Geschäfte mit dem Immobilienunternehmer Josef Esch aus Troisdorf. Zusammen mit dem Bankhaus Sal. Oppenheim legte er fünf Immobilienfonds auf, die eben so viele Standorte der Arcandor-Tochter Karstadt günstig kauften und sanierten. Die Gebäude wurden dann zu womöglich weit überhöhten Mieten rückvermietet. Als Privatmann zeichnete Middelhoff vier der fünf Fonds. Als Arcandor-Chef habe er aus den überhöhten Mieten resultierende Millionenansprüche nicht eingeklagt, so der Vorwurf. Middelhoff weist ihn zurück.

So laufen bei Esch die Stränge zweier Verfahren zusammen: Die Bochumer Arcandor-Ermittlungen und jene der Kölner Staatsanwaltschaft, die das Esch-Gebaren auch in anderem Zusammenhang durchleuchtet. Außer Büros von Middelhoff und Esch in Köln wurden auch das Haus des früheren Kölner Sparkassenchefs Gustav Adolf Schröder sowie des Oppenheim-Esch-Geschäftsführers und Ex-Oberstadtdirektors Lothar Ruschmeier durchsucht.

Die rheinischen Ermittler interessieren sich vor allem für Geschäfte mit der Kölner Messe. Der Esch-Fonds hatte einige Messehallen errichtet und an die Betreiber vermietet. Der entsprechende Vertrag wurde vom europäischen Gerichtshof kassiert, weil die Bauarbeiten nicht europaweit ausgeschrieben worden waren. Auch der Fernsehstudiobetreiber MMC spielt eine Rolle. Er gehörte der Kölner Sparkasse und soll in den Deal involviert gewesen sein.

Ex-Sparkassenchef Schröder weist Fehler von sich. Die Esch-Holding nannte die Razzia unverhältnismäßig. Man habe zuletzt "mit der Staatsanwaltschaft umfangreich kooperiert und alle erbetenen Unterlagen überlassen." Für zwei Beschuldigte hatten die Ermittlungen bereits Konsequenzen. Wegen schwerer Steuerdelikte sitzen sie in Untersuchungshaft. Über ihre Identität schweigt die Staatsanwaltschaft. Nur soviel: Beide seien "keine bekannten Namen."