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Razzia bei Panzerschmiede:Alle deutschen Rüstungsverkäufer sollen aussagen

Wohl noch nie sind so viele deutsche Rüstungsverkäufer im Ausland auf einen Schlag wegen Korruption angeklagt worden. Alle 13 sollen nun in Athen aussagen. Wer nicht kommt, muss mit einem internationalen Haftbefehl rechnen und könnte dann die Bundesrepublik nicht mehr verlassen, weil andere Staaten die Beschuldigten festnehmen und nach Hellas ausliefern würden.

Das käme einem Reiseverbot gleich und war schon bei Siemens so gewesen, in einem der größten Korruptionsfälle in der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Siemens hatte in Griechenland fleißig geschmiert, ebenso wie Daimler und MAN und auch die Handelsgesellschaft Ferrostaal.

In Griechenland ist eine neue Generation der Justiz zugange

Letztere stützte die Abnahme von U-Booten "Made in Germany" in Athen mit vielen Millionen Euro Bestechungsgeld, das auf den Konten korrupter Politiker und Beamter landete. Einer von ihnen war der damalige Verteidigungsminister Akis Tsochatzopoulos, der einst zu den mächtigsten Männern in Griechenland zählte, inzwischen aber im Gefängnis sitzt.

Anfangs hatten deutsche Staatsanwälte solche Schmierereien aufgedeckt und ihre Erkenntnisse nach Griechenland weitergereicht, wo die griechischen Kollegen die Spur des Geldes bis hin zu den Empfängern verfolgten.

Inzwischen geschieht das längst umgekehrt. In Hellas ist eine neue Generation in der Justiz zugange; die nicht länger zusehen will, wie Korruption den Staat zerfrisst; die aufräumen will; und die immer wieder spektakuläre Erfolge erzielt. Einer der erfolgreichsten Ermittler ist der wenig zimperliche Staatsanwalt Gavrill Mallis, der Anfang des Jahres einen korrupten Lands- und Mittelsmann anschrie.

"Das Geld gehört dem Volk". Das war der Ex-Offizier Papagiotis Efstathiou, der zugab, im Auftrag von Rheinmetall und Atlas bestochen zu haben. Auch ein Ex-Vermittler von Kraus-Maffei Wegmann gestand Schmierereien, bei der PzH 2000. Ein ehemaliger Rüstungseinkäufer aus dem Verteidigungsministeriums plauderte ebenfalls. Der Mann aus Ministerium erzählte, er habe mal Besuch von einem weiteren KMW-Emissär bekommen. Dieser habe eine Reisetasche mitgebracht und auf dem Sofa liegen gelassen. In der Tasche seien 600 000 Euro gewesen.

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Frank Haun ist seit 2006 Geschäftsführer von Krauss-Maffei Wegmann und Vizepräsident des Bundesverbands der Rüstungsindustrie.

(Foto: Martin Leissl/Bloomberg)

Die griechische Justiz schickte die Geständnisse nach Deutschland, wo die Bremer Staatsanwaltschaft wegen Rheinmetall und Atlas bereits ermittelte und sich die Münchner Strafverfolger sehr schnell sehr stark für Kraus-Maffei Wegmann interessierten. KMW erklärte Anfang 2014 prompt, man habe "weder Bestechungsgelder gezahlt noch zahlen lassen", man lasse das aber von unabhängigen Experten untersuchen.

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