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Raumfahrt:"Wir brauchen keine Ariane 7"

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) eröffnete am Montag die Produktionshallen von Isar Aerospace in Ottobrunn.

(Foto: Florian Fechter/oh)

Das Münchner Start-up Isar Aerospace startet die Produktion seiner Kleinraketen.

Von Dieter Sürig

Vor zwei Jahren haben mehrere ehemalige Studenten der Luft- und Raumfahrt das Start-up Isar Aerospace gegründet, nun wollen sie bereits die Serienproduktion ihrer Kleinrakete namens Spectrum aufnehmen. Firmenchef und Mitgründer Daniel Metzler sagte bei der Eröffnung der Raketenfabrik in Ottobrunn bei München, dass ihre Rakete Spectrum "Europa einen kosteneffizienten und flexiblen Zugang zum Weltraum bieten" werde. Die 27 Meter lange Rakete soll künftig Satelliten mit bis zu 1200 Kilogramm Gewicht in den niedrigen Orbit auf eine Höhe von 400 bis 1200 Kilometern befördern. Der erste Testflug ist für Ende nächsten Jahres geplant. Für 2022 ist der erste kommerzielle Flug vorgesehen, wie Metzler ankündigte. Mit der Rakete habe Isar Aerospace die leistungsfähigste privat finanzierte Rakete Europas, sagte er. Neben den Münchnern arbeiten auch die Start-ups Hyimpulse in Baden-Württemberg und die zu OHB gehörende Rocket Factory Augsburg an so genannten Microlaunchern für kleine Nutzlasten und wollen 2021/2022 starten.

Wie wichtig die Politik die Entwicklung von deutschen Kleinraketen einstuft, zeigt ein Wettbewerb des Deutschen Zentrums für Luft und Raumfahrt, der Jury sitzt Thomas Jarzombek vor, Raumfahrt-Koordinator der Bundesregierung. Ausgelobt sind insgesamt 25 Millionen Euro, die vor allem zwei Start-ups für Entwicklung und Qualifikation ihrer Raketen bekommen. Jarzombek machte bei der Eröffnung der 4500 Quadratmeter großen Produktionshalle dann auch kräftig Werbung für Firmen wie Isar Aerospace. "Wir brauchen Aufträge für junge Start-ups", sagte er, nicht nur im Raumfahrtbereich. Für die Wettbewerbsfähigkeit sei es wichtig, eine flexible Kleinrakete zu haben, die innerhalb von 24 Stunden einen Satelliten ins All bringen kann.

Jarzombek forderte sogar, bei den Budgetverhandlungen der Esa-Ministerratskonferenz 2022 lieber mehr Geld an Start-ups zu vergeben, als weitere Millionen Euro in die Weiterentwicklung der großen europäischen Trägerrakete Ariane zu investieren. "Wir brauchen keine Ariane 7 ". Dass eine Ariane 7 entwickelt werde, die dann auf dem kommerziellen Markt erfolgreich sei, "dies wird nicht passieren", so Jarzombek. Mit den jetzigen Strukturen werde Ariane nicht mit dem amerikanischen Wettbewerber Space-X konkurrieren können. "Die neue Ariane 6 wird eine gute Rakete für institutionelle Starts und kann 20 Jahre fliegen", sagte er. Womöglich könnten Firmen wie Isar Aerospace bis dahin ebenfalls größere Raketen bauen.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hatte zuvor gesagt, dass die Luft- und Raumfahrt eine der wichtigsten Technologien des Landes seien. Bereiche wie Klimaschutz, Landwirtschaft und Telekommunikation könnten so souveräner, präziser und schneller organisiert werden.

Isar Aerospace hat 100 Mitarbeiter, die 2021 auf 160 aufgestockt werden sollen. Zu den Investoren gehört Bulent Altan, früherer Vice President von Space-X und Chef der Laserkommunikationsfirma Mynaric. Der Industrieverband BDI hat unterdessen ein Konzept für einen deutschen Startplatz für Kleinraketen vorgelegt. "Eine mobile Startplattform in der Nordsee ist technisch machbar und strategisch wie wirtschaftlich sinnvoll", so der BDI.

© SZ vom 08.09.2020

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