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Raumfahrt:Startrampe für Deutschland

So stellt sich die Raumfahrtagentur Esa eine kleine Mondbasis vor. Der Bundesverband der Deutschen Industrie könnte sich aber auch vorstellen, dass 2024 bereits eine deutsche Astronautin zum Erdtrabanten fliegt - gemeinsam mit amerikanischen Astronauten. Illustration: Esa

Ein eigener Raketen-Startplatz und eine öffentlich geförderte Kleinrakete sollen den Raumfahrtstandort Deutschland stärken - zumindest wenn es nach dem Industrieverband BDI geht.

Die deutsche Industrie hat die Raumfahrt für sich entdeckt. Dem Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) reicht es nun nicht mehr, die deutschen Raumfahrtfirmen aufzumotzen. Sie möchte in Deutschland einen eigenen Zugang zum Weltraum, wie BDI-Präsident Dieter Kempf beim ersten Weltraumkongress des Verbandes in Berlin forderte. "Die Bundesregierung sollte die Voraussetzung für den Bau eines privaten Weltraumhafens in Deutschland für kleine Trägerraketen schaffen." Darüber hinaus sollte Berlin eine deutsche Trägerrakete für kleine Nutzlasten unterstützen. "Wenn Deutschland keine Möglichkeit schafft, werden neue Systeme von anderen europäischen Staaten starten", sagte der BDI-Präsident.

Um zu zeigen, wie ernst es ihm ist, hatte er zuvor den Science-Fiction-Klassiker "Per Anhalter durch die Galaxis" vor die Kameras gehalten. Kempf möchte eben nicht, dass kleinere deutsche Missionen mitunter auch per Anhalter mit der amerikanischen Space-X-Rakete ins All starten, sondern mit einer deutschen Kleinrakete. Und der angedachte deutsche Startplatz solle keine Konkurrenz zur europäischen Trägerrakete Ariane werden, betonte er.

Um die deutsche Präsenz im All zu stärken, forderte Kempf eine gemeinsame Mondmission mit den USA mit einer deutschen Astronautin. "Raumfahrt ist für Deutschland und seine Industrie im digitalen Zeitalter von zentraler Bedeutung", sagte er. "Wir brauchen wieder mehr Begeisterung und Mut für die Raumfahrt."

"Ohne Raumfahrt wären wir als Wirtschaft weniger erfolgreich."

Kempf kritisierte, dass Deutschland international nur auf Platz acht bei Raumfahrtinvestitionen liege. "Die Bundesrepublik sollte das nationale Programm für Raumfahrt und Innovation von nur 285 Millionen Euro auf das Niveau des französischen Weltraumbudgets von mehr als 700 Millionen Euro erhöhen", forderte er. Weitere Punkte in der "Berliner Weltraumerklärung" des BDI sind ein schlankes nationales Weltraumgesetz, Weltraumschrott zu vermeiden und den internationalen Weltraumbergbau zu regeln. Wichtig sei es auch, den eigenständigen europäischen Zugang zum Weltraum mit der Ariane-Rakete zu erhalten und dabei die europäische Präferenz der Ariane bei institutionellen Missionen festzuschreiben.

"Wir haben eine Weltraumindustrie, auf die wir stolz sind", sagte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier. Raumfahrt sei relevant für die Zukunft des Wirtschaftsstandortes. "Ohne Raumfahrt und Dienstleistungen wären wir als Wirtschaft weniger erfolgreich." Weltraumfahrt werde zu einer alltäglichen Technologie, sagte er und nannte unter anderem die Bereiche Verteidigung, Kommunikation, Sicherheit, aber auch Klimaschutz.

Altmaier sagte zwar nationale Unterstützung für die Raumfahrt zu, "ich kann aber nicht viele weitere Milliarden mobilisieren". Das einzig Konkrete, das er zusicherte, war ein Entwurf für das lange angekündigte deutsche Weltraumgesetz. Das Papier soll nun Anfang nächsten Jahres kommen.