Raumfahrt:Satellitenfirma Oneweb insolvent

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Satelliten-Firma OneWeb stellt US-Insolvenzantrag

Zwei Internet-Satelliten der britisch-indischen Firma Oneweb, die von Airbus gebaut werden. Die Europäische Kommission plant gerade ein eigenes Satellitennetz für die Breitbandversorgung.

(Foto: dpa)

Dem Konsortium für eine weltweite Internet-Konstellation ist das Geld ausgegangen. Die Insolvenz ist auch für Airbus und Arianespace ein Rückschlag.

Von Dieter Sürig

Herber Rückschlag für den Airbus-Konzern und den europäischen Start-Dienstleister Arianespace: Der Londoner Satellitenfirma Oneweb, die eine weltumspannende Konstellation mit Internet-Satelliten aufbauen will, ist das Geld ausgegangen. Sie hat an einem Insolvenzgericht in New York Gläubigerschutz nach "Chapter 11" beantragt. Ziel ist es nun, einen neuen Investor zu finden und das Unternehmen weiterführen zu können.

Dem Insolvenzantrag zufolge ist Arianespace mit etwa 238 Millionen Euro der Hauptgläubiger. Hintergrund sind Startverträge mit Oneweb. Unter anderem sollte der Premierenflug der neuen Trägerrakete Ariane 6 Ende des Jahres weitere Oneweb-Einheiten in die Erdumlaufbahn befördern. Erst vor einer Woche hatte Arianespace mit einer Sojus-Rakete 34 Satelliten gestartet, derzeit umkreisen bereits 74 Stück die Erde - geplant waren weitere monatliche Starts, um die Konstellation auf bis zu 2000 Einheiten aufzustocken. In einer kurzen Stellungnahme von Arianespace hieß es am Samstag lediglich, man werde das Verfahren überwachen. Von Airbus gibt es bislang keinen Kommentar dazu. Der Konzern ist zu 8,5 Prozent an Oneweb beteiligt und hatte Mitte vergangenen Jahres eigens eine Fabrik mit 100 Mitarbeitern in Florida eröffnet, wo täglich zwei Satelliten vom Band laufen.

Haupteigner von Oneweb ist aber der japanische Technologiekonzern Softbank mit 37,4 Prozent. Dem Fachblatt Space News zufolge hatte sich Softbank zuletzt geweigert, weiteres Geld in das Vorhaben zu investieren. Vor wenigen Tagen dann kündigte Softbank an, Beteiligungen im Wert von 41 Milliarden Dollar abzustoßen.

Oneweb konnte bisher etwa 3,3 Milliarden Dollar einsammeln und neben den bereits gestarteten 74 Satelliten die Hälfte der 44 geplanten Bodenstationen fertigstellen. Für das Internet-Hochgeschwindigkeitsnetz wären aber noch mindestens 575 Satelliten nötig. Dies würde weitere Milliarden kosten. Eigenen Angaben zufolge hat das Unternehmen seit Jahresbeginn Investorengespräche geführt, die jedoch infolge der Marktturbulenzen wegen des Coronavirus nicht voran kamen. "Unsere derzeitige Situation ist eine Folge der wirtschaftlichen Auswirkungen der Covid-19-Krise", sagte Oneweb-Chef Adrian Steckel. "Schweren Herzens mussten wir unsere Belegschaft reduzieren und in den Chapter 11-Prozess eintreten". Oneweb konkurriert mit Elon Musks Firma Space-X, die ebenfalls gerade eine Internet-Satellitenkonstellation aufbaut - mit bis zu 42 000 Satelliten.

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