Raumfahrt:Satelliten sollen Waldbrände aufspüren

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Raumfahrt: Hier braucht man keinen Satelliten mehr, um zu merken, dass es brennt. Besser wäre natürlich, solche Feuer wie 2017 in Portugal möglichst schnell zu entdecken.

Hier braucht man keinen Satelliten mehr, um zu merken, dass es brennt. Besser wäre natürlich, solche Feuer wie 2017 in Portugal möglichst schnell zu entdecken.

(Foto: Miguel Riopa/AFP)

Um Waldbrände schneller zu erkennen, baut ein Start-up ein weltweites Satellitennetz auf. Das Münchner Unternehmen hat dafür gerade fast sechs Millionen Euro eingesammelt.

Von Dieter Sürig

Wenn die Hitze am größten ist, also am Nachmittag, entstehen in der Natur die meisten Brände, diese Erfahrung hat Thomas Grübler gemacht. Der Mitgründer und Chef des Münchner Start-ups Orbital Oracle Technologies, kurz Ororatech, will den Ausbruch solcher Waldbrände und Buschfeuer mittels Satellitenbildern künftig fast in Echtzeit an Waldbesitzer und Behörden melden. Die sind bei Brandmeldungen bislang vor allem auf Beobachtungstürme, Drohnen oder Flugzeuge angewiesen. Nach Angaben Grüblers wäre ein weltumspannendes Satellitennetz letztlich preiswerter als die Fülle an terrestrischer Überwachung.

Der 29-Jährige hat jedoch ein Problem: Er bezieht zwar Daten des Esa-Erdbeobachtungsnetzes Copernicus und anderer Forschungssatelliten - aus den entscheidenden Nachmittagsstunden gibt es bisher jedoch wegen der Lichtverhältnisse keine Bilder. Und da er seine Kunden nicht erst verspätet warnen will, möchte Ororatech eine eigene Satellitenkonstellation aufbauen: 2023 sollen die ersten 14 Kleinsatelliten fliegen, um auch weltweit Flächen am Nachmittag zu erfassen. Jeder Satellit ist groß wie ein Schuhkarton und mit einer speziellen Wärmebildkamera ausgestattet, die das Start-up entwickelt hat.

Ororatech hat gerade 5,8 Millionen Euro eingesammelt, um mit dem Aufbau der Satellitenkonstellation beginnen zu können. "Das war ein Riesenschritt für uns, wir können damit die ersten beiden Satelliten finanzieren, die 2023 starten sollen", sagt Grübler. Die Wagniskapitalgeber Findus, Ananda Impact, Apex, der von Bayern Kapital verwaltete Wachstumsfonds Bayern sowie mehrere private Investoren wollen das Satellitensystem mit finanzieren. "Dieses Werkzeug global eingesetzt, wird mithelfen, den Klimawandel global zu bekämpfen", sagt Findus-Chef Christian Federspiel. Auch Ananda Impact Ventures sieht bei dem Projekt von Ororatech eine "unmittelbare Auswirkung auf die Abschwächung des Klimawandels", so Partner Florian Erber. "Unsere natürlichen Kohlenstoffspeicher werden geschützt und CO₂-Emissionen in großem Maßstab reduziert".

Waldbrände haben einen enormen Einfluss auf den Klimawandel. Nach Angaben der Naturschutzorganisation WWF sind 2019 weltweit rund 41 Milliarden Tonnen Kohlendioxid freigesetzt worden, darunter 7,8 Milliarden Tonnen durch Waldbrände und Buschfeuer. Hinzu kommen Methan, Stickoxide und Schwefeldioxid. Lediglich vier Prozent der Wildfeuer haben demnach natürliche Ursachen, werden zum Beispiel von einem Blitzschlag ausgelöst. Die meisten Brände sind also von Menschen verursacht, sei es durch Abholzung, illegale Brandrodungen, Austrocknung oder auch Fahrlässigkeit. In Australien sind 2019 zum Beispiel zwölf Millionen Hektar verbrannt, im Amazonas fast sechs Millionen Hektar, am nördlichen Polarkreis 5,5 Millionen Hektar. 70 Prozent der Brände finden allerdings auf dem afrikanischen Kontinent statt - etwa 300 Millionen Hektar pro Jahr, so der WWF.

Raumfahrt: Schon wieder im Einsatz: ein spanischer Feuerwehrmann 2020.

Schon wieder im Einsatz: ein spanischer Feuerwehrmann 2020.

(Foto: MIGUEL RIOPA/AFP)

Die Organisation sieht die Klimaerwärmung als eine Ursache für die weltweite Zunahme von Wildfeuern, die wiederum den Klimawandel begünstigten. Dies oft verbunden mit Brandstiftung. Im Mittelmeerraum habe sich die durchschnittliche Waldfläche, die jährlich abbrennt, seit den Sechzigerjahren vervierfacht. "Wenn verantwortliche Behörden über präzise Wärmebilder aus dem All verfügen und so auch in weniger dicht besiedelten Gebieten rechtzeitig handeln können, werden die durch Waldbrände entstehenden Schäden an Natur und Mensch deutlich reduziert", sagt Bayern-Kapital-Chef Roman Huber. 2019 habe es weltweit mehr als 4,5 Millionen Brände gegeben, die jeweils größer als einen Quadratkilometer, also 100 Hektar, waren. Grübler zufolge entstanden so versicherte Schäden von mehr als 24 Milliarden Dollar.

Bis 2026 will Ororatech 100 Kleinsatelliten im niedrigen Erdorbit platzieren. Das System kann dann innerhalb einer halben Stunde weltweit Waldbrände und Buschfeuer ab 100 Quadratmetern Größe erkennen. Nach Angaben Grüblers nutzen bereits Behörden, Versicherungen und die kommerzielle Forstwirtschaft die Technologie, um die Schäden von Waldbränden zu minimieren. Kunden gibt es vor allem in Amerika und Australien, in Deutschland würden Gespräche mit Behörden laufen. Der erste Test der Infrarotkamera ist bereits für Ende des Jahres vorgesehen: Dann will Ororatech bei einem Start des US-Satellitenbetreibers Spire seine Kamera in die Erdumlaufbahn schicken. Eine weitere Finanzierungsrunde sei dann für Ende 2023 geplant.

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