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Raumfahrt:In der falschen Umlaufbahn

The Boeing CST-100 Starliner spacecraft lifts off from launch complex 40 at the Cape Canaveral Air Force Station in Cape Canaveral,

Da war noch alles gut: Start der Starliner-Kapsel am Freitag in Cape Canaveral/Florida.

(Foto: Steve Nesius/Reuters)

Erstflug der Boeing-Crew-Kapsel "Starliner" zur Raumstation ISS scheitert.

Angesichts der Probleme, die der Boeing-Konzern mit seiner Unglücksmaschine 737 Max hat, hätte das Unternehmen aus Seattle gute Nachrichten brauchen können. Einen gelungenen Erststart der Starliner-Kapsel zur Raumstation ISS zum Beispiel. Der gelungene Start erfolgte, später war aber klar, dass Starliner die ISS wegen eines Triebwerksfehlers nicht erreichen wird.

Das Raumschiff, das demnächst Astronauten zur ISS transportieren soll, war um 6.36 Uhr Ortszeit in Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida mit einer Atlas-V-Rakete gestartet. Nach gut 15 Minuten jubelten die Ingenieure, weil Starliner erstmals selbständig im All unterwegs war, nachdem die Kapsel von der Rakete abgetrennt worden war. Etwa eine halbe Stunde nach dem Start versagte dann aber ein Triebwerk, das die Kapsel auf eine Bahn in Richtung ISS bringen sollte, wie Nasa-Chef Jim Bridenstine twitterte. Später sagte er, dass zuviel Treibstoff verbrannt worden sei. Deshalb sei es nicht möglich, weiter zur ISS zu fliegen. Der Nasa zufolge soll Starliner nun am Sonntag wieder auf der Erde landen, eigentlich sollte die Kapsel am Samstag an die ISS andocken.

Der Teststart der leeren Starliner war mehrfach verschoben worden, weil Boeing Vorgaben der Nasa noch nicht erfüllt hatte. Hätte der Flug reibungslos geklappt, wären wohl im ersten Halbjahr 2020 drei Astronauten mit einer Starliner zur ISS geflogen. Konkurrent Space-X ist da schon weiter mit seiner Dragon-Kapsel. Das Raumschiff dockte bereits im März ohne Astronauten an die ISS an und landete eine Woche später im Atlantik. Auch hier verzögert sich allerdings der erste bemannte Flug, er war bislang für Februar oder März geplant. Die Nasa hatte die Unternehmen im Zuge eines sieben Milliarden Dollar schweren Programms beauftragt, Crew-Kapseln zu entwickeln, um wieder unabhängig von Russland Astronauten zur ISS bringen zu können.

© SZ vom 21.12.2019
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