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Raumfahrt:Geldspritze für Ariane 6

MT Aerospace

MT Aerospace fertigt in Augsburg unter anderem Tanks für die europäische Trägerrakete Ariane.

(Foto: Michael Jungblut/MT Aerospace/oh)

Nachdem sich der Start der Rakete verzögert, zahlen Bund und Raumfahrtagentur Esa Hundert Millionen Euro, um deutsche Produktionsstandorte zu sichern.

Von Dieter Sürig, München

Als sich der Premierenflug der neuen europäischen Trägerrakete Ariane 6 um fast zwei Jahre auf 2022 verzögerte, klagten die Zulieferer über Produktionsausfälle und Umsatzeinbußen und befürchteten, Arbeitsplätze streichen zu müssen. Von der Raumfahrtagentur Esa kommt nun Entwarnung: Der Esa-Rat hat beschlossen, den Herstellern in Deutschland etwa 100 Millionen Euro zu zahlen, um die Produktionslücke überstehen zu können. So wolle die Esa sicherstellen, dass die Produktionsfähigkeit der kritischen Standorte des Ariane-Programms gewährleistet bleibe, sagte Esa-Direktor Daniel Neuenschwander bei einem Presse-Briefing.

Die Esa hat dafür die Bundesregierung davon überzeugen können, 99,95 Millionen Euro zusätzlich zu zeichnen, um damit Probleme von den wichtigsten deutschen Produktionsstandorten für die Ariane 6 abzuwenden - also vor allem Ariane-Group in Bremen und München sowie MT Aerospace in Augsburg. "Es gibt kleine Anzahlungen, darüber hinaus zahlen wir das Geld nach verschiedenen Audits, da gibt es klare Kriterien", sagte Neuenschwander der SZ. "Das zusätzliche Budget wird zur nachhaltigen Stabilisierung des Ariane-Produktionsbetriebes beitragen", sagte MT-Aerospace-Chef Hans Steininger. Damit sind bei ihm auch Jobs in der Ariane-Produktion gerettet. "Mit der Entscheidung werden rund 250 Arbeitsplätze am Standort Augsburg für die nächsten Jahre abgesichert." Trotzdem sei wegen des Produktionswechsels von Ariane 5 zu Ariane 6 noch eine "strukturelle Anpassung" nötig, Details nannte Steininger nicht.

Die erste Ariane 6 sollte im Dezember 2020 starten, doch ließ sich der Termin wegen technischer Verzögerungen und der Pandemie nicht halten. Da der Flug nun frühestens im zweiten Quartal 2022 erfolgen soll, entsteht für Hersteller und Zulieferer eine Produktionslücke.

Mögliche weitere Zahlungen könnte der nächste Esa-Rat beschließen. Dabei geht es speziell um Verzögerungen wegen der Covid-Pandemie in den 20 wichtigsten Esa-Programmen. Daraus sollen den etwa 120 beteiligten Unternehmen Mehrkosten von 110 Millionen Euro entstanden sein. Auch das Ariane-Programm könnte davon noch einmal profitieren. "Da wird von uns im Juni ein Vorschlag kommen", sagte der neue Esa-Chef Josef Aschbacher am Donnerstag.

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