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Raumfahrt:Billiger und schneller

Fotos Isar Aerospace

So wie in dieser Computergrafik soll es aussehen, wenn die Trägerrakete „Spectrum“ 2021 startet.

(Foto: Isar Aerospace)

Airbus will Satellitennetze ins All schießen und kooperiert dafür mit einer Münchner Raketenfirma, die es erst seit gut einem Jahr gibt.

Wer sich die Internetseite des Start-ups Isar Aerospace anschaut, kann sich denken, welches Vorbild die drei Gründer haben: Ähnlich wie bei der Trägerrakete Falcon 9 der US-Raumfahrtfirma Space-X, präsentiert das deutsche Unternehmen dort seine geplante Trägerrakete Spectrum. Von den technischen Daten her ist alles eine Nummer kleiner: Isar Aerospace will in die Marktlücke der Microlauncher vorstoßen, die angesichts eines boomenden Marktes immer größer wird. Diese kleinen bis mittelgroßen Trägerraketen bieten den Kunden den Vorteil, dass sie damit kleine Satelliten schneller ins All befördern können als mit großen Raketen wie Ariane 5 oder eben Falcon 9, wo sie auf eine Mitfluggelegenheit warten müssen.

Gut ein Jahr nach der Gründung können Isar-Aerospace-Chef Daniel Metzler, 27, und sein Team einen Durchbruch vermelden: Der Airbus-Konzern hat Interesse an Spectrum und mit den Münchnern eine Absichtserklärung unterzeichnet. Dabei geht es darum, eine Konstellation Erdbeobachtungssatelliten in einen niedrigen Erdorbit auf 500 Kilometer Höhe zu befördern. Ein Satellit soll etwa 100 Kilo schwer sein. Zum Vergleich: Ein Galileo-Navigationssatellit wiegt etwa 730 Kilogramm. Kleine Launcher wie Spectrum haben den Vorteil, dass sie den Satelliten genau zum gewünschten Termin in der gewünschten Umlaufbahn absetzen können.

Metzler ist mit Airbus für den Aufbau mehrerer Konstellationen im Gespräch. "Alleine für eine Konstellation haben wir mehrere Starts geplant", sagt er. Der erste Testflug ist für Ende 2021 vorgesehen. "Dabei wird voraussichtlich bereits eine Nutzlast mitfliegen." Über das mögliche Auftragsvolumen wollte er nichts sagen.

Die Chancen, dass die Absichtserklärung in einen konkreten Auftrag mündet, sind jedenfalls groß. Airbus-Manager Frederic Sotenberg sagt in Toulouse, dass der Konzern aus weltweit 100 Konzepten kleiner Trägerraketen nur Isar Aerospace und die US-Firma Firefly ausgewählt habe. "Airbus ist sehr beeindruckt von dem hochqualifizierten Team von Isar Aerospace, das trotz seines jungen Alters viel Erfahrung mitbringt", lobt Sotenberg.

Die zweistufige Rakete soll 27 Meter lang werden und eine Nutzlast von bis zu einer Tonne in den niedrigen Erdorbit transportieren können. Die Triebwerke sollen unter anderem mit flüssigem Sauerstoff betrieben werden, was Metzler zufolge umweltfreundlicher als andere Treibstoffe ist.

Der Transportpreis betrage etwa 15 000 Euro je Kilo, bis jetzt würde der Start kleiner Satelliten das Drei- bis Vierfache kosten.

Auch Airbus-Manager Sotenberg spricht von "attraktiven Konditionen". Spectrum könne einen Markt bedienen, für den es in Europa noch keinen Launcher gebe. Sie sei geeignet, Konstellationen flexibel aufzustocken und biete Airbus "eine zusätzliche europäische Startlösung".

Isar Aerospace sitzt im Esa-Gründerzentrum nahe Oberpfaffenhofen und sucht neue Räume. Das Unternehmen will in der Region bleiben und würde damit den Raumfahrtstandort, wo neben OHB auch Airbus und Ariane Group aktiv sind, weiter stärken. In Deutschland gibt es mehrere Projekte, die kleine Trägerraketen entwickeln. Isar Aerospace könnte das erste Start-up sein, das damit Geld verdient. Isar Aerospace hat mit Investoren wie dem Risikokapital-Arm Vito Ventures des Heizungsbauers Viessmann und dem früheren Space-X-Manager Bulent Altan bereits Geld im einstelligen Millionenbereich gesammelt. Bis 2022 will die Firma Kapital mit weiteren Investoren auf bis zu 100 Millionen Euro aufstocken.