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Zwischen den Zahlen:Zu den Sternen

Der "Elevator Pitch" schlechthin: Wer genug Kleingeld hat, kann am 20. Juli in diese Kapsel steigen und hat dann zehn Minuten Zeit, um Jeff Bezos von seiner Geschäftsidee zu überzeugen. Illustration: Blue Origin/AP

Ein Zehn-Minuten-Flug soll Millionen kosten? Klar - wenn die Begleitung stimmt.

Von Stephan Radomsky

Der Weltraum, unendliche Weiten. Man kennt das. Klingt prima in Film und Buch, aber in der Realität ist der Weg dorthin mühselig und teuer. Es ist da oben halt auch nicht anders als hier unten: Wer (den) Raum für sich haben will, der muss ihn sich auch leisten können. Eine dreiminütige Befreiung von aller irdischen Last zum Beispiel kostet aktuell mindestens 4,8 Millionen Dollar - und bis Samstagabend werden noch Gebote angenommen.

Dafür gibt es einen Raketenflug auf 105 Kilometer Höhe, per Definition schon Weltraum. Wichtiger als das Ziel dürfte für viele Bieter aber die Begleitung sein: Jeff Bezos, der reichste Mensch der Welt. Jedenfalls sprang, nachdem bekannt wurde, dass er mitfliegt, das Spitzengebot gleich mal um eine Million Dollar in die Höhe. Mit Jeff Bezos (und seinem Bruder) ins All aufzusteigen, wäre ja auch der "Elevator Pitch" schlechthin. Sonst hat man im besten Fall ein paar Dutzend Stockwerke im Aufzug, um den Chef oder Geldgeber von einer Idee zu überzeugen. Aber hier? Zehn Minuten soll der Flug dauern. Und wer weiß, vielleicht benebelt die Schwerelosigkeit ja sogar Bezos' Sinne ein wenig.

Allerdings hat das Ganze, mit Verlaub, auch etwas Anrüchiges: Ein Mensch verlangt eine möglichst hohe Summe von einem anderen, anschließend verbringen sie eine gewisse Zeit ungestört gemeinsam in einem Raum. Und nicht nur Jeff Bezos macht so was. Warren Buffett zum Beispiel, auch so ein Milliardär, tat das jahrelang. 2019 zahlte ein junger Mann aus China, der mit einer eigenen Krypto-Währung reich geworden war, 4,57 Millionen Euro für ein gemeinsames Dinner. Und was tat er dann? Genau: Er versuchte, Buffett Investments in Krypto-Währungen schmackhaft zu machen.

Fragt sich also, ob Bezos sich die Sache gut überlegt hat. Ein Raumflug ist doch deutlich nervenaufreibender als ein Dinner mit Steak und Rotwein. Und dann noch eingesperrt mit irgendeinem Quälgeist? Aber auch für den Reichsten gilt eben: per aspera ad astra. Auf dem Weg zu den Sternen kriegt keiner was geschenkt.

© SZ
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