Ratingagentur:S&P startet Rundumschlag gegen Europas Banken

Dem Zweifel an Europas Staaten folgen Vorbehalte gegen die Kreditinstitute: Die US-Ratingagentur Standard & Poor's droht mehreren Geldhäusern der Eurozone eine Herabstufung ihrer Kreditwürdigkeit an - auch Deutsche Bank und Commerzbank stehen unter Beobachtung.

Nach Europas Staaten attackiert die US-Ratingagentur Standard & Poor's nun Europas Banken. In einem Rundumschlag stellte S&P am späten Mittwochabend mehrere große Kreditinstitute unter verschärfte Beobachtung ("CreditWatch"), darunter auch die Deutsche Bank und die Commerzbank.

Standard & Poor's

Die US-amerikanische Ratingagentur Standard & Poor's stellt nun auch Europas Banken unter Beobachtung.

(Foto: AFP)

Am Donnerstagmorgen drohte die Agentur schließlich auch der Europäischen Investitionsbank (EIB) und der Entwicklungsbank des Europarates (CEB) mit einer Herabstufung. Der negative Ausblick für EIB und CEB spiegele die Besorgnis wider, dass sich die Probleme in der Euro-Zone auch auf diese Institutionen auswirken könnten, teilte S&P mit. Die EIB fördert die Ziele der Europäischen Union durch die langfristige Finanzierung tragfähiger Investitionen. Die CEB vergibt langfristige zweckgebundene Darlehen für soziale Zwecke.

Auch eine Reihe Banken anderer europäischer Länder wurden mit einem negativen Ausblick belegt: So müssen die britische Großbank Barclays, die französischen Institute BNP Paribas und Crédit Agricole, die französische Entwicklungsbank AFD, die österreichische Kontrollbank und die italienische Unicredit um ihr Rating bangen. Den Geldhäusern droht damit genauso wie ihren Heimatländern eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit.

Ebenso stellte die Agentur die Bonität der staatlichen deutschen Förderbank KfW unter verschärfte Beobachtung, wodurch das Top-Rating "AAA" bedroht ist. S&P begründete die Aktion mit der "kritischen Rolle" der Förderbank angesichts ihres öffentlichen Auftrags. Zudem verweist die Agentur auf ihre enge Verzahnung mit dem deutschen Staat. "Das ist keine Überraschung", sagte eine KfW-Sprecherin, weil die KfW per Gesetz direkt vom Bund garantiert werde.

S&P sprach zugleich die Warnung aus, möglicherweise auch die sehr gute Kreditwürdigkeit der Europäischen Union um eine Stufe abzusenken. Das "AAA"-Langfrist-Rating der EU werde ebenfalls auf "CreditWatch Negative" gesetzt. Die Ratingagentur begründete den Schritt damit, dass sich die politischen, finanziellen und monetären Probleme in der Eurozone verschärft hätten. Auch der Rettungsfonds EFSF könnte sein Topbonität verlieren.

S&P erhöht Druck auf EU-Gipfel

Ob dies passiert, hängt entscheidend vom Ausgang des EU-Gipfels an diesem Donnerstag und Freitag ab. S&P erhöhen mit ihrer Maßnahme den Druck auf die Politik, Lösungen für die Schuldenkrise zu finden. Danach bleiben der Agentur 90 Tage, um eine Entscheidung zu fällen. S&P will zuerst über die Staaten entscheiden und dann über die Banken.

Die Eurozone-Mitgliedsstaaten seien für rund 62 Prozent des Budgets 2011 innerhalb der EU verantwortlich, hieß es in der Mitteilung der Agentur. Im Vordergrund stünden vor allem deren finanziellen Möglichkeiten, die Schuldensituation in der EU zu bekämpfen. Ein Abschluss der Überprüfung solle so schnell wie möglich nach Abschluss des EU-Gipfels am 8. und 9. Dezember erfolgen. In Abhängigkeit vom Abschluss der Prüfung für die Eurozone könnte dann das Langfrist-Rating der gesamten EU um eine Stufe gesenkt werden.

Der neue Schritt ist die logische Folge aus der Ankündigung von S&P vom Montag, die Ratingeinstufung von 15 Euroländern wegen der schwelenden Schuldenkrise zu überprüfen. Das Vorgehen von S&P ist durchaus üblich: In der Regel verknüpft die Agentur ihre Länderratings mit Bewertungen relevanter Unternehmen. Die Aktionen liegen meist nur ein paar Tage auseinander. Ein gutes Rating ist die Voraussetzung dafür, dass sich Staaten oder auch Firmen zu günstigen Konditionen frisches Geld am Kapitalmarkt besorgen können.

© dpa/Reuters/dapd/beu/sebi
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