Die vergangenen Jahre waren für viele Menschen nicht einfach. Die Lebenshaltungskosten stiegen weiter, während die Löhne kaum Schritt halten konnten. Gleichzeitig wurde es im Internet immer einfacher, auf Pump zu kaufen. Eine neue Schufa-Studie zeigt nun, dass die Anzahl an Ratenkrediten im vergangenen Jahr einen Rekordwert erreicht hat: Verbraucher haben 2024 laut der Auskunftei über zehn Millionen Ratenkredite neu aufgenommen. Ratenkredite sind Kredite mit festem Zinssatz und fester Laufzeit. Ursprünglich gedacht sind sie für größere Anschaffungen, beispielsweise ein Auto oder früher auch eine Waschmaschine.
Allerdings ist zuletzt vor allem die Zahl der Kleinkredite unter 1000 Euro gestiegen. War 2020 noch etwa jeder fünfte Ratenkredit ein Kleinkredit, war es 2024 schon etwa jeder zweite. Eine Studie des EHI Retail Institute aus Köln zeigte zuletzt: Im Online-Bereich, wo ein Ratenkredit nur wenige Klicks entfernt ist, stieg zuletzt auch der Umsatzanteil von Ratenkrediten am Gesamtmarkt deutlich. Zwar betrug er an allen Zahlarten im vergangenen Jahr weiterhin „nur“ 4,3 Prozent und blieb damit eher auf niedrigem Niveau, doch in den beiden Vorjahren lag er noch bei 3,9 Prozent beziehungsweise zwei Prozent.
Aus beiden Studien zusammen lässt sich ableiten: Immer häufiger finanzieren sich Menschen kleinere Konsumartikel wie Schuhe oder Kopfhörer über Ratenkredite – und das Geschäft im Internet brummt. Verbraucherschützer wie Dorothea Mohn, Leiterin des Teams Finanzmarkt der Verbraucherzentrale, warnen vor dieser Entwicklung: „Ich halte es grundsätzlich für gefährlich, wenn Ausgaben für den normalen Konsumalltag auf Kredit getätigt werden“, sagt Mohn, denn „für mich ist das ein Alarmsignal, dass eigentlich die Liquidität dafür nicht vorhanden ist“. Sie rät von Kleinkrediten bei Konsumgütern ab, weil eine Anhäufung schnell zu Unübersichtlichkeit und schließlich zur Überschuldung führen kann. Zwar werden laut Schufa etwa 98 Prozent aller Kredite bedient, doch bei knapp zwei Prozent gibt es laut Schufa Probleme.
Die Anforderungen an die Kreditwürdigkeit sollen verschärft werden
Zahlen aus der Studie „Jugend in Deutschland“ deuten zwar an, dass gerade junge Menschen sich stärker verschulden. So war zuletzt jeder Fünfte der 14- bis 29-Jährigen verschuldet, 2023 waren es noch etwa 16 Prozent. Es läge also nahe, die steigende Zahl an Kleinkrediten ihnen zuzuschreiben. Doch die Schufa-Studie zeigt auch, dass es zwar einen moderaten Anstieg der Ratenkredite bei den 18- bis 34-Jährigen gab, aber vor allem Menschen im mittleren Alter, die 35- bis 44-Jährigen, deutlich stärker auf Ratenkredite setzen. Als Grund für den generellen Anstieg sieht Dorothea Mohn vor allem starkes Marketing von „Buy Now, Pay Later“-Krediten, sie sagt: „Das wird mittlerweile fast immer auch als Zahlungsmethode angeboten, aber im Kern ist das keine Zahlungsmethode, sondern es ist eine Kreditaufnahme.“
Im Unterschied zur normalen Kreditvergabe müssen sich Verbraucher bisher keiner Kreditwürdigkeitsprüfung unterziehen, wenn sie einen Klein- und Kurzzeitkredit bis 200 Euro abschließen. Dafür ist unter anderem oftmals eine Bonitätsauskunft, beispielsweise der Schufa, notwendig. Das soll sich künftig ändern: 2023 ist eine EU-Verbraucherkreditrichtlinie in Kraft getreten, die bis zum 20. November dieses Jahres auch in deutsches Recht umgesetzt werden muss. Ein Jahr später gilt sie automatisch.
Das Bundesjustizministerium hat im Juni 2025 einen ersten Entwurf dazu vorgelegt. Ziel ist es, Verbraucher besser davor zu schützen, sich zu ver- und überschulden. So soll es unter anderem auch bei der Vergabe von Klein- und Kurzzeitkrediten eine Kreditwürdigkeitsprüfung geben.
Grundsätzlich sei es gut, dass „die Anforderungen zur sogenannten Kreditwürdigkeitsprüfung verschärft werden sollen“, sagt Verbraucherschützerin Mohn. Allerdings kritisiert sie, dass die Prüfungen für „Buy Now, Pay Later“-Kredite vereinfachter ausfallen könnten. So soll ihr zufolge möglicherweise kein Abgleich mit Verbindlichkeiten und Einkommen des Kreditnehmers stattfinden.
