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Rassismus-Vorwurf gegen Volkswagen:Stereotyp des sorgenfreien Paradieses

Die politische Korrektheit in den Vereinigten Staaten hat historische Gründe und ist grundsätzlich nachvollziehbar: Schwarzen Schauspielern Rollen als hirnlose Clowns zuzuweisen, hat in Hollywood unselige Tradition. Nur wegen der Kultur der Rastafaris, die Cannabis aus kultischen Zwecken rauchen, müssen es sich Jamaikaner nicht gefallen lassen, auf ewig als grinsende, kiffende Karibik-Idioten dargestellt zu werden. Allerdings ist die Figur aus dem VW-Spot weder auf Drogen noch dumm. Sie redet einfach nur in einem Dialekt, den man nicht von ihr erwartet - und der übrigens auch von Weißen gesprochen wird (unter anderem von dem Sänger Gentleman aus Osnabrück).

Der konservative Kommentator Reihan Salam sagte auf CNN: "Es ist ein bisschen rassistisch, wenn Leute annehmen, dass Jamaika nur schwarze Einwohner hat." Es gebe dort sehr viel europäisch-, chinesisch- oder libanesischstämmige Menschen.

Bei aller vermeintlich entspannten Lebensart ist Jamaika ein Land mit vielen Problemen, die den Jamaikanern "Get Happy" schwer machen: Fast jeder fünfte Einwohner ist nach Definition der Weltbank arm. Der Schmuggel von Süd- nach Nordamerika hinterlässt auf der Karibikinsel seine Spuren: Drogenboss Christopher "Dudu" Coke regierte ein ganzes Viertel der Hauptstadt Kingston, bis Spezialeinheiten es in einem bürgerkriegsähnlichen Gefecht stürmten und Coke an die USA auslieferten. Hinzu kommt eine weitverbreitete Gang-Kultur, die beispielsweise offen gelebte Homosexualität lebensgefährlich macht.

Gerade deswegen sind manchmal sogar jamaikanische Politiker froh, wenn stattdessen ein Stereotyp des sorgenfreien Paradieses verbreitet wird. Tourismusminister Wykeham McNeil zumindest will in dem VW-Spot keinen Rassismus erkennen können, nirgends: "Wir sehen es als ein Kompliment. Die Menschen sollten in ihrem innerem Jamaika ankommen und happy werden." Er verhandelt USA Today zufolge sogar mit VW über eine Zusammenarbeit beim Marketing.

Trotz der Forderungen der Kritiker hat VW nicht vor, den Super-Bowl-Spot zurückzuziehen und will ihn nach wie vor am Sonntag senden. Einen echten Rassismus-Skandal erlebt die Super-Bowl-Werbewelt also nicht in diesem Jahr, dafür kennen viele den Spot schon im Vorfeld. Die 100 Jamaikaner und der Sprachcoach, die der Konzern nach eigenen Angaben für den Dreh konsultierte, haben sich also gelohnt. Ein bisschen "Skandal" schadet selten. Für die Zukunft sollte VW in seinen Videos trotzdem lieber wieder Deutsche parodieren. Das ist einfach lustiger. Time to unpimp ze Auto!

Die Zeitung USA Today hat sich auch hinter den Kulissen des neuen VW-Drehs umgesehen.

© Süddeutsche.de/hgn/rus
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