Ranking Weltbank strafte Chile für linke Regierung ab

Die Sozialistin Michelle Bachelet während des Wahlkampfs im Jahr 2013

(Foto: AFP)
  • Nachdem die linke Politikerin Bachelet in Chile Präsidentin wurde, lief es für ihr Land in einem wichtigen Ranking der Weltbank deutlich schlechter.
  • Weltbank-Chefökonom Romer entschuldigt sich und bemüht sich um eine Erklärung.

Eine Sozialistin als Regierungschefin in Chile? Das hat einigen Mitarbeitern der Weltbank offenbar nicht gepasst. Seit dem Amtsantritt von Präsidentin Michelle Bachelet im Jahr 2014 soll die Institution das südamerikanische Land in einem Ranking für Unternehmerfreundlichkeit absichtlich schlecht eingestuft haben. Das berichtet das Wall Street Journal. Der Chefökonom der Weltbank, Paul Romer, sagte dem Blatt: "Ich möchte mich persönlich bei Chile und bei jedem anderen Land, von dem wir einen falschen Eindruck erweckt haben, entschuldigen." Die Einstufungen der vergangenen vier Jahre würden erneut überprüft und korrigiert.

Das sogenannte "Doing Business"-Ranking gilt als eine der wichtigsten Veröffentlichung der Weltbank. Es beschreibt, wie attraktiv ein Land für Investitionen von Unternehmern ist. Dabei geht es zum Beispiel darum, wie teuer und zeitintensiv es ist, ein Gewerbe anzumelden. Zuletzt lagen Neuseeland und Singapur dabei in Führung, Chile belegte Platz 55. Im Jahr 2014, also kurz vor dem Amtsantritt der Sozialistin Bachelet, stand das Land noch 21 Plätze weiter vorne.

Bachelet reagiert auf Twitter

Romer gab laut Wall Street Journal zu, dass sich die wirtschaftliche Lage Chiles tatsächlich nicht verschlechtert hat. Nur habe sich die Methodik zur Berechnung des Rankings verändert - kurz nachdem der Konservative Sebastián Piñera als Präsident abgewählt war. Romer bedauerte, dass die Entscheidung politisch motiviert wirkt.

Noch-Präsidentin Michelle Bachelet reagierte auf Twitter: Die Glaubwürdigkeit der Weltbank sei gefährdet, schrieb sie auf dem Kurznachrichtendienst. Rankings wie das zur Unternehmerfreundlichkeit müssten glaubwürdig sein. Bachelets Amtszeit endet im März - ihr Nachfolger wird ihr Vorgänger, der Konservative Sebastián Piñera.

Politik Chile Konservativer Kandidat Piñera gewinnt Präsidentschaftswahl in Chile

Südamerika

Konservativer Kandidat Piñera gewinnt Präsidentschaftswahl in Chile

Der Geschäftsmann setzt sich in einer Stichwahl gegen den Mitte-links-Kandidat Guillier durch und wird damit Nachfolger der Sozialistin Bachelet.