Ranking China zieht vorbei

Glasfaser: Der Kampf um das Geschäft der Zukunft ist in vollem Gang.

(Foto: Jens Büttner/dpa)

Deutschland liegt jetzt auf Platz sechs der digitalen Wirtschaftsmächte. Die Unternehmen hierzulande haben noch einen ziemlich großen Nachholbedarf - vor allem die kleinen und mittleren Betriebe.

Von Korbinian Eisenberger, Berlin

Deutschlands Unternehmer haben Nachholbedarf bei der Digitalisierung ihrer Betriebe. Im jüngsten Ranking der zehn weltweit führenden digitalen Wirtschaften rutschte die Bundesrepublik im Vergleich zum Vorjahr um einen Platz ab und liegt nun an sechster Stelle. Dies verkündete Matthias Machnig, Staatssekretär für Wirtschaft und Energie, in Berlin. "Der Rest der Welt schläft nicht", so Machnig. Politik und Wirtschaft müssten "noch stärkere Anstrengungen unternehmen, um in Zukunft eine Spitzenposition bei der Digitalisierung zu erreichen."

Mit 80 von 100 möglichen Punkten bleibt die USA die mit Abstand stärkste Nation im aktuellen "Monitoring-Report Wirtschaft Digital", den das Bundesministerium zusammen mit TNS Infratest und ZEW Mannheim jedes Jahr herausgibt. Im Ranking, das die jeweilige digitale Leistungsfähigkeit eines Landes anhand von Firmen- und Expertenbefragungen erhebt, liegt die Bundesrepublik nun hinter China. Das Schwellenland verbesserte sich innerhalb eines Jahres von 45 auf 55 Punkte.

Allerdings legte auch die deutsche Digitalwirtschaft zu; sie verbesserte sich von 47 (2013) auf 53 Punkte (2014). Japan (55) steigerte sich dagegen im Vergleich zum Vorjahr lediglich um zwei Punkte, Großbritannien (57) um vier. Den größten Zuwachs schaffte der Rangzweite Südkorea: Die Ostasiaten verbesserten sich um zwölf Zähler auf nunmehr 66 Punkte.

Dass Unternehmen und deren Mitarbeiter sich zunehmend an den Umgang mit digitalen Hilfsmitteln gewöhnen, ist wichtig, weil viele Arbeiten dadurch schneller vonstattengehen - und demnach wirtschaftlich effizienter sind. Bei größeren Konzernen, wo auf Effizienz ganz besonders geachtet wird, ist die Digitalisierung deshalb in der Regel weiter fortgeschritten als in kleineren und mittelständischen Betrieben, in denen darauf meist weniger Wert gelegt wird. "Es gibt Hinweise, dass bei einigen Unternehmen die Digitalisierung noch nicht bei den Kernaufgaben steht", sagte Machnig. Das gelte es zu ändern.

Der Studie zufolge ist der Fachkräftemangel das größte Problem der deutschen Digitalwirtschaft. Gemessen an verfügbaren Wissenschaftlern und Ingenieuren im Digitalbereich liegt die Bundesrepublik im Länderranking auf dem zehnten und letzten Platz. Und auch bei den Exporten und Umsätzen, die in deutschen Firmen auf digitalem Weg erwirtschaftet werden, weist die Bundesrepublik laut Studie unterdurchschnittliche Leistungen auf. Weltmarktführer sind hier mit deutlichem Abstand die USA, gefolgt von Südkorea und China.

Besonders stark bewertet die Studie Deutschlands Digitalwirtschaft dagegen, wenn es um die Fähigkeit von Unternehmen geht, Innovationen einzuleiten. Hier ist Deutschland Weltmarktführer, bei der Vernetzung der Digitalbranche mit anderen Wirtschaftsbereichen und bei der Investitionssicherheit für den Netzausbau liegt die Bundesrepublik jeweils auf Rang drei. Zudem bescheinigte die Studie der deutschen Digitalwirtschaft einen überdurchschnittlich guten Marktzugang für Unternehmen.