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Rangliste der Ölkonzerne:Die dicksten Bohrer, die größten Fracker

Glücklich ist, wer ein ganzes Land hinter sich hat: Von Saudi-Arabien bis Russland haben Staatskonzerne auf dem Öl- und Gasmarkt einen deutlichen Vorsprung. Doch private Konzerne wollen aufholen, indem sie auch die schwierigsten Gesteine anzapfen. Das Wettrennen der größten Ölmultis.

2896 Meter. So tief will der britisch-niederländische Energiekonzern Shell im Golf von Mexiko eine Ölquelle anzapfen, 2016 soll die Förderung vor der Küste des amerikanischen Bundesstaates Louisiana beginnen - es wäre ein neuer Tiefpunkt, Höhepunkt, wie immer man es nennen möchte, der Erdölförderung. Noch in den sechziger Jahren lag das Maximum bei 300 Metern Wassertiefe.

Die Ölförderung Offshore, also auf hoher See, wird trotz der recht neu entdeckten unkonventionellen Gewinnungsarten immer wichtiger. Der Internationalen Energieagentur (IEA) zufolge liegen fast die Hälfte der noch nicht ausgebeuteten konventionellen Öllagerstätten unter dem Meer, 25 Prozent davon in mehr als 400 Meter Tiefe. Auch die Gewinnung aus Ölsanden, Ölschiefer und aus Kohle, den sogenannten unkonventionellen Reserven, sind inzwischen beinahe selbstverständlich für die großen Energiekonzerne.

Doch wer bohrt, fördert, frackt und verarbeitet da eigentlich im großen Stil?

Da sind einerseits die privaten, börsennotierten Unternehmen. Andererseits die staatlich kontrollierten Ölfördergesellschaften, die in praktisch allen Erdöl exportierenden Ländern dominieren. Sie besitzen bereits den Großteil der leicht zugänglichen Ölreserven. Die privaten Unternehmen müssen deshalb für Exploration und Förderung in immer tiefere Gewässer und Erdschichten vordringen.

Der größte der staatlichen Konzerne ist Saudi Aramco. Unternehmenssitz und Förderschwerpunkt ist Saudi-Arabien. Die täglich geförderte Menge Öl liegt dem Konzern zufolge bei 9,506 Millionen Barrel. Erdgas mit eingerechnet sind es laut aktuellem Ranking des Magazins Forbes gar insgesamt pro Tag 12,7 Millionen Barrels of oil equivalent ( boe) - der Einheit, mit der Öl- und Gasmengen gleichermaßen gemessen werden.

Allein im Jahr 2012 hat Saudi Aramco nach eigenen Angaben 199 Bohr- und Förderanlagen fertiggebaut - vor allem Onshore, also auf dem Festland. Aramco begann auch, sich mit unkonventionellen Energiereserven zu befassen: Erdgas aus Schiefergestein und "tight gas", das in extrem feste Gesteinsschichten eingeschlossen ist und mit der Fracking-Methode gewonnen wird.

Aramcos Schwerpunkt liegt allerdings immer noch auf der konventionellen Förderung. 2014 soll eines der größten Projekte in der Geschichte des Unternehmens fertiggestellt sein: die Offshore-Anlage Al-Wasit. Sieben Förderbrunnen sollen Öl- und Gasvorkommen unter dem Arabischen Golf anzapfen. 100 Milliarden boe vermuten Experten dort. Das würde die Aramcos Reserven um beinahe 40 Prozent steigern.

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Auf den saudischen Ölmulti folgt in der Liste der größten Energieunternehmen Gazprom, der russische Staatskonzern. Der Anteil von Erdgas an seiner Fördermenge von 9,1 Millionen boe pro Tag ist extrem hoch: Nach eigenen Angaben hat die Gazprom Group im vergangenen Jahr 487 Milliarden Kubikmeter Gas erzeugt - und 33,3 Millionen Tonnen Öl. Laut Forbes beträgt der Gewinn von Gazprom mehr als 40 Milliarden Dollar pro Jahr.

Obwohl Iran wegen internationaler Sanktionen seine Ölproduktion einschränken musste, steht die National Iranian Oil Company dritter Stelle der Liste (6,1 Millionen boe). Das Land bleibt einer der größten Öl- und Gasproduzenten und hat sein Produktionsvolumen im Vergleich zum Vorjahr sogar vergrößert. Alles hängt an der Straße von Hormus - die Meerenge, die den Persischen Golf mit dem Golf von Oman, dem Arabischen Meer und dem Indischen Ozean verbindet. Die Engstelle ist eine der wichtigsten Schifffahrtsstraßen der Welt, vor allem für den Ölhandel. Die Offshore-Förderung der Iranian Oil Company ist deutlich weniger ausgeprägt als die auf dem Festland - aus den wichtigsten Ölfeldern im Meer fördert das Unternehmen täglich zusammengenommen etwas so viel Öl wie allein im Ahwaz-Feld im Westen des Landes, etwa 700.000 Barrel pro Tag.

Privatkonzerne in der zweiten Reihe

Die größten Konzerne gehören also alle Staaten. Erst an vierter Stelle folgt das erste Privatunternehmen: ExxonMobil, laut eigenem Jahresbericht mit einem Upstream - also Exploration, Förderung und Produktion - von 5,3 Millionen boe Öl und Gas. Und hinter dem zweiten mehrheitlich staatlichen russischen Großkonzern Rosneft (4,6 Millionen boe) gehört auch der Privatkonzern Royal Dutch Shell (laut Forbes 4,0 Millionen boe) zum Kreis der Big Player.

Für die privaten, börsennotierten Unternehmen lassen sich Umsatzzahlen vergleichen: Nach diesen ist der größte private Konzern weltweit Exxon, mit einem Jahresumsatz von 482 Milliarden US-Dollar. Dahinter folgen Royal Dutch Shell, BP, Chevron, Total, ConocoPhillips und Eni. Exxon, Chevron und Eni haben ihren Sitz in den USA, die übrigen sitzen in Europa.

Exxon fördert und verarbeitet nach eigenen Angaben in 40 Ländern Öl und Gas, das Hauptaugenmerk liegt wie bei den meisten US-Unternehmen aber momentan auf den Vorkommen in heimischem Schiefergestein und dem Fracking, durch das es gewonnen wird. "Schiefer-Sturm" nennt Forbes die Begeisterung der Konzerne für das relativ neue Verfahren. Im Oktober meldete die Energieagentur IEA eine Ölproduktion von 7,7 Millionen Barrel pro Tag in den USA - der höchste Stand seit 25 Jahren und außerdem der Wendepunkt, ab dem mehr als die Hälfte des Ölhaushalts mit eigenen Quellen abgedeckt wird. Exxon hat seine Fördermenge in zehn Jahren deutlich erhöht: von 4,6 Millionen auf 5,3 boe pro Tag.

Royal Dutch Shell ist traditionell einer der Konzerne, die vor allem in die Erschließung von Ölvorkommen in der Tiefsee investieren - in diesem Jahr hat Shell weitere Plattformen im Golf von Mexiko installiert. Mit Schiefergas hat der Konzern gerade etwas Pech gehabt und einige Milliarden für Bohrungen in Feldern ausgegeben, die sich als nicht wirtschaftlich erwiesen. In den vergangenen Wochen wurden allerdings weitere Investitionen offenbar: Shell hat einen Fördervertrag mit der Ukraine unterschrieben, demzufolge im kommenden Jahr im Osten des Landes insgesamt 15 Bohrlöcher für Schiefergas eröffnet werden sollen. Gemeinsam mit dem chinesischen Energieunternehmen Sinopec wird es außerdem zwei weitere Explorations-Projekte in Zentralchina geben.

Trotz des Booms bei den Schiefervorkommen geht die eigentliche Entwicklung laut Experten zunehmend in Richtung Offshore und Tiefsee. Nachdem die globale Offshore-Produktion 1990 ein Viertel der gesamten Ölförderung ausmachte, war es 2010 schon ein Drittel. Bis 2020 soll der Anteil weiter steigen.