Quecksilber:Gift im Thunfisch

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Greenpeace warnt vor den eigentlich bekannten Gefahren des Quecksilbers. Damit wollen die Umweltschützer einen alten Feind in Verruf bringen.

Von Robert Gast, Berlin

Früher füllte es Thermometer, heute verbreitet es Schrecken: Wer den Dampf von Quecksilber einatmet, wird krank. Essen sollte man das Schwermetall erst recht nicht. Aber genau das tut man immer wieder, in winzigen Mengen zumindest. Seit Beginn der Industrialisierung hat sich der Quecksilbergehalt im Meer verdreifacht. Dort reichert sich der Stoff im Körper größerer Fische an. Daher mahnt das Bundesinstitut für Risikobewertung seit Jahren, schwangere und stillende Frauen sollten nur wenig Thunfisch essen.

Ein Hinweis, der offenbar nicht alle Deutschen erreicht hat: 61 Prozent der 1184 Teilnehmer einer vom Meinungsforschungsinstitut TNS Emnid durchgeführten Umfrage wussten nicht, dass übermäßiger Konsum bestimmter Fischarten - etwa Schwertfisch, Thunfisch und Marlin - Embryos und Kleinkindern schaden kann. In Auftrag gegeben hat die Umfrage Greenpeace.

Kraftwerke stoßen neben CO2 auch Quecksilber aus

Der Umweltschutzverein präsentierte am Mittwoch in Hamburg auch gleich einen Übeltäter, der für die Quecksilber-Gefahr verantwortlich sein soll: deutsche Braunkohlekraftwerke. Gegen diese kämpft Greenpeace schon länger, allerdings stand bisher eher der große CO2-Ausstoß der Kraftwerke im Zentrum der Kritik.

Der Agenda der Umweltschützer dürfte es gelegen kommen, dass bei der Verbrennung des Energieträgers auch giftiges Quecksilber freigesetzt wird. Nach bis zu einjähriger Reise um den Globus landet das Schwermetall im Meer. Weil es in der Luft stark verdünnt ist, wird es erst auf dem Fischteller für den Menschen gefährlich. Die acht deutschen Braunkohlekraftwerke hätten 2012 mehr als drei Tonnen Quecksilber freigesetzt, knapp die Hälfte der insgesamt in Deutschland emittierten Menge, so Greenpeace in einem Bericht.

Bei den Grenzwerten sind ausnahmsweise die USA vorbildlich

Das klingt nach viel. Global betrachtet ist der deutsche Beitrag allerdings klein. Weltweit gelangen in Folge menschlicher Aktivitäten jedes Jahr mehr als 2000 Tonnen Quecksilber in die Atmosphäre. Laut einem Bericht der Vereinten Nationen stammt der Großteil aus Goldminen, in denen Schürfer Quecksilber nutzen, um das Erz zu reinigen. Ein Viertel der Emissionen geht indes auf Kohlekraftwerke zurück. Insbesondere in Asien sind die Emissionen in den vergangenen 20 Jahren stark gestiegen.

Europa hingegen hat seinen Quecksilber-Ausstoß in diesem Zeitraum deutlich reduziert. Das hält Greenpeace nicht davon ab, schärfere Grenzwerte für Emissionen zu fordern. Die aktuell gültigen Grenzwerte stammen aus einer Richtlinie der EU. Sie sind lascher als jene in den USA, die Greenpeace in dieser Sache als "Vorbild" bezeichnet. Eine Haltung, die in den vergangenen Jahren auch Experten des Umweltbundesamtes vertreten haben.

Vielleicht, weil die Industrie aktuell sagen kann, sie halte sich an die vom Gesetzgeber vorgegebenen Grenzwerte - und weiterhin Quecksilber in die Luft bläst. Zwar würden derzeit neue Technologien zur Quecksilber-Filterung geprüft, sagte ein Sprecher des Stromerzeuger-Fachverband VGB Powertech der Süddeutschen Zeitung. Sie seien aber noch nicht ganz ausgereift.

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