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Quartalszahlen von Tesla:Versprechungen eines Visionärs

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Elon Musk plant Großes - zum Beispiel eine "Gigafabrik" für Batterien, die in der Wüste stehen könnte.

(Foto: Bloomberg)

Längst nicht mehr der Träumer: Geld verdient seine Firma nicht, dafür verspricht Tesla-Gründer Elon Musk ein Elektroauto, mit dem er aus der Nische raus will. Und er erzählt über seine TV-Karriere als Figur bei den Simpsons.

Vierteljahreszahlen? Aktienkurs? Die Ankündigung eines bahnbrechenden Produkts? Ach was! Es gibt einen weitaus zuverlässigeren Indikator für den Erfolg eines Unternehmens - den eindeutigen Beweis dafür, dass der Gründer und Chef nicht mehr als größenwahnsinniger Träumer gilt, sondern als verehrungswürdiger Visionär: Er muss als Figur bei den Simpsons auftauchen.

Mark Zuckerberg, Jeff Bezos und Steve Jobs (als Steve Mobs) haben das geschafft, in einer der kommenden Episoden der Fernsehserie wird nun Tesla-Chef Elon Musk zu sehen sein. Mehr noch: Die Folge trägt den Namen "The Musk Who Fell to Earth", eine Anspielung auf den Science-Fiction-Film "Der Mann, der vom Himmel fiel". Darin gründet ein Alien auf der Erde eine milliardenschwere Hightech-Firma, um ein Raumschiff für den Rückflug bauen zu können.

Der 43 Jahre alte Musk ist kein Alien, auch wenn er manchmal daherkommt, als wäre er nicht ganz von dieser Welt. Er wurde mit dem Bezahldienst Paypal zum Milliardär, bastelt an revolutionären öffentlichen Transportmöglichkeiten (in Kalifornien, aber auch zu anderen Planeten) und baut mit seiner Elektroauto-Firma Tesla Sportwagen, die zunächst belächelt wurden, mittlerweile jedoch bewundert und von etablierten Autobauern durchaus gefürchtet werden.

Tesla ist ein börsennotiertes Unternehmen, also durfte Musk am Donnerstag beim Telefonat mit Investoren nicht nur seinen Auftritt bei den Simpsons erklären, er musste auch über Vierteljahreszahlen, Aktienkurse und bahnbrechende Produkte sprechen. Das Unternehmen nahm im vergangenen Quartal 858 Millionen US-Dollar ein und übertraf damit die Erwartungen von Branchenexperten deutlich. Allerdings verdient das Unternehmen damit nichts. Der Verlust verdoppelte sich im Vergleich zum ersten Jahresquartal auf 62 Millionen Dollar. Wohl auch deshalb fiel die Aktie nach Handelsschluss um knapp drei Prozent.

Insgesamt hat Tesla 7579 Fahrzeuge ausgeliefert, eine Steigerung von 16 Prozent gegenüber dem ersten Quartal und knapp über der eigenen Prognose von 7500. Das Ziel, in diesem Jahr 35.000 Fahrzeuge auszuliefern, soll trotz des zweiwöchigen Produktionsstopps erreicht werden - die Fabrik im kalifornischen Fremont wird gerade umgerüstet, damit dort künftig auch eine SUV-Variante gebaut werden kann. Im Jahr 2015 will Tesla 100.000 Fahrzeuge produzieren und ausliefern - jeweils etwa 50.000 vom Sportflitzer und der Familienkutsche. "Die Nachfrage wird kein Problem sein", sagte Musk; ein Satz, den er seinen Antworten auffällig häufig anfügte - vor allem, wenn er über das offenbar gewaltige Interesse aus China sprach.

Mittelklasse für die Masse

Das Problem wird also die Produktion werden und die Frage, welche Art von Autos das Unternehmen künftig herstellen möchte. "Das ist eine entscheidende Zeit für Tesla", sagt Alec Gutierrez von Kelley Blue Book, das die Preise von Fahrzeugen analysiert. Der Erfolg des Sportwagens Model S habe gezeigt, dass die Firma ernst genommen werde; mit der Geländelimousine Model X würde Tesla "in einen Markt einsteigen, der rapide wächst". Gutierrez sagt jedoch: "Wenn sie wachsen und mit Autofirmen und Technikunternehmen konkurrieren wollen, dann müssen sie neue Produkte in der Pipeline haben." Das wäre dann Model 3, ein Mittelklassewagen, der etwa 35.000 Dollar kosten soll. Von 2017 an will Tesla mit ihm die Massen erreichen. Einer wie Musk will keine Nische besetzen, er will die Welt erobern und sie bestenfalls retten, während er noch mehr Geld verdient.

Dafür braucht Tesla aber viele und vor allem billige Batterien - und deshalb drehte sich das Gespräch mit den Investoren weniger um die Zahlen des vergangenen Quartals, sondern vielmehr um jene Fabrik, die Musk ganz unbescheiden "Gigafactory" nennt. Sie soll etwa fünf Milliarden Dollar kosten. Bis zum Jahr 2020 sollen dort mehr Lithium-Ionen-Akkus produziert werden als in allen heutigen Firmen zusammen. "Von diesen Kosten wird Tesla etwa 40-50 Prozent übernehmen", sagt Musk. Panasonic liefere bereits jetzt Batterien an Tesla und sei mit 30-40 Prozent beteiligt: "Von anderen Partnern kommen etwa 10-20 Prozent und von den Bundesstaaten vielleicht zehn Prozent."

Dieser Plural ist durchaus bemerkenswert, rätseln die Experten doch seit Wochen, wo diese gigantische Fabrik gebaut werden wird. "Wir haben mit den Vorbereitungen in Nevada begonnen", sagte Musk: "Wir werden etwas Ähnliches auch in einem oder zwei anderen Bundesstaaten machen. Es macht Sinn, mehrere Dinge parallel laufen zu lassen - bevor wir alles geklärt haben." Tesla verhandelt gerade mit Nevada, Arizona, New Mexico, Texas und Kalifornien über möglichst günstige Konditionen, Musk sagt dazu: "Wir wollen keinen Deal, der unfair für einen der Bundesstaaten oder unfair für Tesla ist. Über den endgültigen Standort werden wir in den kommenden Monaten entscheiden."

"Zeit spielt eine bedeutende Rolle. Je schneller wir das machen können, desto schneller können wir CO₂-Emissionen reduzieren und die Katastrophe abwenden", sagte Musk. Er weiß, dass seine Fabrik heiß begehrt ist. Verbunden mit den Schätzungen über die Beteiligungen muss der Bundesstaat, der letztlich den Zuschlag erhält, 500 Millionen Dollar investieren, um eine Fabrik mit 6500 Angestellten beheimaten zu dürfen.

Elon Musk ist aber nicht ganz konkurrenzlos, im wahren Leben wie im Zeichentrickfilm. In der Simpsons-Folge wird er sich mit Montgomery C. Burns streiten, dem bösen Besitzer des Kernkraftwerks. Es gibt das Gerücht, dass Musk am Ende von Burns überfahren wird. "Er wird mich nicht mit einem i8 töten", stellte Musk lachend klar. Er meint das elektrische Modell von BMW.

© SZ.de/jab
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