bedeckt München 22°
vgwortpixel

Quartalsverlust:Deutsche Bank ächzt unter Rechtsstreitigkeiten

Deutsche Bank - 3. Quartal

Die Vorstandsetage der Deutschen Bank in Frankfurt wird umgebaut.

(Foto: dpa)
  • Wegen Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten ist die Deutsche Bank im abgelaufenen Quartal mit 92 Millionen Euro in die Verlustzone gerutscht. Das Tagesgeschäft floriert dagegen.
  • Zugleich baut der heimische Branchenprimus seinen Vorstand um und holt mit Marcus Schenck einen Manager der Investmentbank Goldman Sachs als neuen Finanzvorstand.
  • Bei Goldman Sachs reiht sich die Personalie ein in einen größeren Management-Umbau: Deutschland-Chef Alexander Dibelius gibt seinen Posten ab und wird durch eine Doppelspitze ersetzt.

92 Millionen Euro Verlust

Die Deutsche Bank rüstet sich für weitere Strafzahlungen und opfert dafür abermals einen Quartalsgewinn. Unter dem Strich stand in den Sommermonaten ein Verlust von 92 Millionen Euro, wie Deutschlands größtes Geldhaus am Mittwoch mitteilte. Vor einem Jahr hatte das Institut noch einen Gewinn von 51 Millionen geschafft. Doch die Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten summieren sich inzwischen auf rund drei Milliarden Euro und überschatten ein ansonsten florierendes Tagesgeschäft. Und das dürfte sich in naher Zukunft kaum ändern, wie die beiden Vorstandschefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen einräumten: Denn zu den Unsicherheiten vor Gericht kämen die Lasten des Konzernumbaus. "Wir bleiben fest entschlossen, diese Agenda abzuarbeiten", hieß es.

Vorbereitung auf weitere Strafen

Bereits in der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass die Bank allein in den Sommermonaten für Strafen und Bußgelder noch einmal knapp 900 Millionen Euro zur Seite gelegt hat. Da ein Großteil der Rückstellungen nicht steuerlich abzugsfähig ist, gab es nun den Verlust. Dagegen legte das Vorsteuerergebnis von 18 Millionen Euro vor einem Jahr auf 266 Millionen Euro zu. Dabei profitierte die Bank vor allem von einem wieder stärkeren Geschäft im Investmentbanking.

Finanzkreisen zufolge wird auf Hochtouren an einem Vergleich mit den angelsächsischen Regulierern im Zinsskandal gearbeitet. Diese Affäre könnte die Deutsche Bank noch einmal eine Strafe von fast einer Milliarde Euro kosten, nachdem die EU bereits vor einem Jahr ein Bußgeld von 725 Millionen Euro verhängt hatte. Außerdem will das Institut weitere US-Hypothekenklagen vom Tisch räumen und einen Streit mit den US-Behörden über mutmaßliche Sanktionsverstöße beilegen. Letzteres dürfte sich aber wohl bis ins nächste Jahr ziehen, wie Insider berichten.

Schenck übernimmt als Finanzvorstand

Zugleich verkündete die Deutsche Bank einen Umbau ihres Vorstands: Marcus Schenck, zuletzt bei der Deutschland-Tochter der US-Bank Goldman Sachs und zuvor Finanzvorstand des Energiekonzerns Eon, wird zum Mai 2015 neuer Finanzchef. Der bisherige Finanzchef Stefan Krause übernimmt demnach das neu geschaffene Ressort für Strategie und Organisationsentwicklung. Er soll sich künftig um die langfristige Weiterentwicklung des Instituts kümmern. In den Vorstand aufrücken soll zum 1. Januar zudem Christian Sewing, der bislang für die interne Revision zuständig ist. Der 44-Jährige wird für Recht verantwortlich sein.

Dibelius tritt ab

Der Wechsel Schencks von Goldman Sachs zur Deutshen Bank fällt in eine Phase eines weitreichenden Führungsumbaus Bei der Investmantbank: Goldman-Sachs-Deutschlandschef Alexander Dibelius tritt nach 13 Jahren ab. Seinen Posten sollen künftig Wolfgang Fink und Jörg Kukies gemeinsam ausfüllen. Der 55 Jahre Dibelius soll dann als einer von drei Co-Chairmen der Investmentbanking-Sparte von London und Frankfurt aus auch weiter große Kunden des Geldhauses bei Fusionen und Übernahmen beraten.

Dibelius gilt als einer der am besten verdrahteten Investmentbanker in Deutschland. Er hatte sowohl die Übernahme von Chrysler durch Daimler wie auch die Trennung der beiden Autobauer begleitet, die Rekord-Übernahme von Mannesmann durch Vodafone und die Rettung des Autozulieferers Schaeffler nach dem milliardenschweren Kauf von Conti. Der Münchener ist einer von wenigen Goldman-Bankern in Europa, die vor dem Börsengang 1999 zum Partner aufgestiegen waren und noch an Bord sind - eine ungewöhnlich lange Karriere für einen Investmentbanker. Dibelius hatte 1993 bei Goldman Sachs begonnen. Seit 2002 steht er als Nachfolger von Paul Achleitner an der Spitze des Deutschland-Geschäfts, seit 2005 führt er es allein.

© Süddeutsche.de/Reuters/dpa/sry/luk
Zur SZ-Startseite