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Fernsehen:Tschechen steigen aus

ProSiebenSat.1 - Bilanz-Pk

Logo und Schriftzug von Pro Sieben Sat 1: Die Aktie war zuletzt deutlich gestiegen.

(Foto: Matthias Balk/dpa)

Der Investor Kretinsky verkauft Aktien von Pro Sieben Sat 1 - die Rolle des ungeliebten Aktionärs Mediaset wird dadurch stärker.

Von Caspar Busse, München

Unruhe bei Pro Sieben Sat 1: Am Donnerstag kündigte der tschechische Investor Daniel Křetínsky an, dass er sein Engagement beim Münchner Fensehunternehmen überraschend deutlich abbaut. Die Beteiligung werde auf unter fünf Prozent reduziert, gab seine Beteiligungsfirma Czech Media Invest (CMI) bekannt. Zudem habe man die Beteiligung Ende Januar an Vesa Equity Investment übertragen. Zwischenzeitlich lag die Beteiligung von CMI an Pro Sieben Sat 1 im vergangenen Jahr mal bei rund zwölf Prozent. Die Beteiligung könnte wieder erhöht werden, wenn Pro Sieben Sat 1 Beteiligungen verkauft habe, hieß es. Der Ausstieg dürfte nach dem Kursanstieg der Aktie mit einem deutlichen Gewinn erfolgen.

Zuletzt war auch der US-Finanzinvestor KKR wieder bei Pro Sieben Sat 1 ausgestiegen und hatte ebenfalls Kursgewinne erzielt. Kretinsky und KKR stützten zuletzt den Kurs von Konzernchef Rainer Beaujean und sollten eigentlich ein Gegengewicht zum dritten Großaktionär sein, dem italienischen Medienunternehmen Mediaset, das von der Familie des früheren Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi kontrolliert wird.

Mediaset kontrolliert den jüngsten Angaben zufolge derzeit etwa zwölf Prozent der Aktien, hat aber offenbar über Finanzkonstruktionen Zugriff auf weitere Anteile. Zuletzt gab es Spekulationen, die Italiener könnten einen paneuropäischen Fernsehkonzern unter Einbeziehung von Pro Sieben Sat 1 bilden. Das Interesse der Deutschen daran gilt als nicht groß, man zeigte sich bislang zurückhaltend.

Pro Sieben Sat 1 hatte im vergangenen Jahr zunächst unter der Pandemie gelitten, weil die Werbeausgaben wichtiger Kunden deutlich zurückgegangen waren. Im Jahresverlauf erholte sich das Geschäft aber wieder, insbesondere das vierte Quartal lief gut. Der operative Gewinn fiel 2020 auf rund 700 Millionen Euro und der Umsatz sank leicht auf etwa vier Milliarden Euro. Vom zweiten Quartal 2021 an gibt sich Beaujean zuversichtlich, dass es wieder aufwärts geht.

Offenbar stellt der Fernsehkonzern derzeit seine Online-Kosmetik-Tochter Flaconi zum Verkauf. Als mögliche Interessenten werden unter anderem die Unternehmen Zalando, Douglas sowie die Kosmetikkette Sephora gehandelt. Es sei aber noch keine Entscheidung dazu gefallen, hieß es aus Kreisen.

© SZ
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