Prozess um Thomas Middelhoff Diskrete Einigung im Luxusyacht-Streit

Es geht eigentlich um eine Luxusyacht vor St. Tropez. Doch im Hintergrund stehen Millionengeschäfte. Kurz vor Prozessbeginn finden Ex-Arcandor Chef Middelhoff und sein Kontrahent Josef Esch eine außergerichtliche Einigung. Niemand will die Aufarbeitung einer allzu bunten Vergangenheit.

Von Hans-Jürgen Jakobs, München, und Uwe Ritzer, Bielefeld

Das Landgericht Bielefeld hatte persönliches Erscheinen angeordnet. Doch niemand glaubte daran, dass Thomas Middelhoff, 59, tatsächlich kommen würde. Er hätte sich wohl von Anwälten vertreten lassen. Aber auch dazu kam es nicht mehr - der Prozess vor dem Landgericht in Middelhoffs Wohnort Bielefeld an diesem Mittwoch wurde kurzfristig abgeblasen. Es wäre dort vordergründig um eine Yacht, um die Erstattung von Flugkosten, tatsächlich aber um sehr viel Geld und in Wahrheit um weitaus größere Geschäfte des Managers gegangen, der Vorstandschef der Konzerne Bertelsmann und Arcandor war. Man habe sich außergerichtlich verglichen, teilten beide Seiten wenige Stunden vor Prozessbeginn dem Gericht mit. Noch offene Streitpunkte wolle man ebenfalls gütlich regeln.

Einst war er einer der bestbezahlten Manager der Republik, er machte auch viel Geld bei Investcorp in London, doch das Leben zwischen Bielefeld, St. Tropez und New York kostet.

(Foto: dapd)

Das Boot mit dem Renaissance-Namen "Medici" ist ein 33 Meter langes, maritimes Prachtstück mit 5500-PS-Motoren; es ankert an der südfranzösischen Küste bei St. Tropez. Middelhoff hat das Schiff 2006 angeblich für 72 000 Euro monatlich von einer Firma namens UKEM GbR gemietet, die hauptsächlich einigen ehemaligen Verantwortlichen der Kölner Bank Sal. Oppenheim und dem Troisdorfer Immobilienunternehmer Josef Esch gehört. Beide Seiten stritten sich um etwa drei Millionen Euro an ausstehenden Chartergebühren und um den Unterhalt - das alles forderten Esch und das Konsortium von Middelhoff. Der wiederum stänkerte gegen Esch, er lasse die "Medici" im Hafen herumgammeln. Es geht also es um die Aufarbeitung einer allzu bunten Vergangenheit.

Esch kümmerte sich um vieles

Dazu muss man wissen, dass Josef Esch, ein gelernter Maurerpolier, jahrelang der Vermögensverwalter deutscher Superreicher war. Er legte jedoch nicht nur das Geld der Milliardäre an, sondern kümmerte sich auch um deren private und halbprivate Anliegen; wenn es sein musste, um die Flights am Golfplatz oder den Zahnarzttermin. Zur Kundschaft gehörten Schuhkönig Heinz-Horst Deichmann, Maxdata-Gründer Holger Lampatz, Versandhaus-Erbin Madeleine Schickedanz und eben Thomas Middelhoff. Mit seiner Ehefrau Cornelie beteiligte sich der fünffache Familienvater an sieben Fonds, als Einzelperson war er bei einem achten Fonds dabei - alle legte Esch mit Sal. Oppenheim für die solvente Klientel auf. Die Middelhoffs zeichneten etwa 155 Millionen Euro.

Inzwischen sind sie überzeugt, dass Esch ihr Vermögen schlecht verwaltet und überzogene Verwaltungskosten berechnet habe. Esch bestreitet dies massiv. Spektakuläre Prozesse kündigten sich an - schließlich hat Middelhoff seit Wochen seinem Ex-Schatzkanzler Esch mit einer Schadenersatzklage über 30 Millionen gedroht. Rechnet man etwaige Forderungen Middelhoffs an das Geldhaus Sal. Oppenheim und andere Banken hinzu, sollen mehr als 100 Millionen Euro im Feuer stehen. Eine Menge Geld, auch für die vielen Eitelkeiten in dieser Geschichte.

Nun allerdings kam die Wende. Der Bielefelder Schiffsstreit soll im Zuge einer großen Lösung beigelegt werden, heißt es aus dem Umfeld der Prozessparteien. Middelhoff erkannte dabei wohl einige Esch-Forderungen an - und der Troisdorfer ist umgekehrt offenbar bereit, über Gegenforderungen seines einstigen Schützlings zu reden, was bislang kein Thema war. Mit anderen Worten: Thomas Middelhoff und Josef Esch wollen ihren Zoff diskret bereinigen.

Das dürfte auch im Interesse der Deutschen Bank sein, die Sal. Oppenheim 2010 übernommen hat, nachdem das Geldhaus Europas in eine bedrohliche Schieflage geraten war. Wie viel das mit Esch und seinen Fondsgeschäften zu tun hat, darüber wird trefflich gestritten. Zeitweise steuerten die Fonds mehr als die Hälfte des Sal. Oppenheim-Gewinns bei. Die Kölner Staatsanwaltschaft ermittelt. Untreue, Steuerhinterziehung und Bestechungsvorwürfe gegen frühere Verantwortliche der Bank stehen im Raum.

"Verschuldung bis weit über die Grenze des Erträglichen hinaus"

Über Middelhoff wird kolportiert, ein Vergleich mit Esch löse auch ureigene private Probleme. Einst war er einer der bestbezahlten Manager der Republik, er machte auch viel Geld bei Investcorp in London, doch das Leben zwischen Bielefeld, St. Tropez und New York - wo Middelhoff mit anderen einen Hedgefonds hat - kostet.

Der Spiegel zitierte aus einem Schreiben von Middelhoff-Anwälten, in dem von einer "Verschuldung bis weit über die Grenze des Erträglichen hinaus" die Rede ist. Alles Blödsinn, widerspricht sein Anwalt Winfried Holtermüller: "Es gibt weder eine mangelnde Liquidität, noch eine Überschuldung des Ehepaars Middelhoff."

Fakt ist: Alle Seiten - Esch, Banken, Middelhoff - haben ein Interesse daran, ihre Deals nicht in Gerichtssälen auszubreiten.

Für Middelhoff allerdings bleibt es noch etwas unruhig. Nach wie vor beschäftigt sich die Justiz mit seiner Rolle im Zuge der Arcandor-Pleite. Im April erklärte das Landgericht Essen ihn für grundsätzlich schadenersatzpflichtig. Er habe sich eine "schuldhafte Pflichtverletzung" in Zusammenhang mit einem Verkauf eines Karstadt-Hauses in Wiesbaden an einen Oppenheim-Esch-Fonds geleistet. Middelhoff legte Berufung ein. Zudem streitet er weiter mit Arcandor-Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg, der von ihm 16 Millionen Euro Schadenersatz fordert. Middelhoff droht umgekehrt mit einer 120-Millionen-Euro-Klage wegen Rufmord. Es würde nicht verwundern, fänden sich auch hier diskrete Lösungen.