Protest gegen Werksschließung Französische Gewerkschafter nehmen Manager als Geiseln

Um ihre Jobs zu retten, haben die Goodyear-Angestellten im französischen Amiens zu radikalen Mitteln gegriffen: Zwei Manager des Reifenherstellers wurden in der Fabrik festgehalten. Die Beschäftigten in dem Werk fallen nicht zum ersten Mal durch ungewöhnliche Aktionen auf.

Französische Angestellte genießen im Ausland nicht den besten Ruf. "Sie machen eine Stunde Mittag, quatschen drei Stunden und arbeiten nur drei", schrieb Maurice "Morry" Taylor, Chef des US-Reifenherstellers Titan, Anfang vergangenen Jahres in einem Brief. Mit Verweis auf die mangelnde Arbeitsmoral schmetterte er den Vorschlag der französischen Regierung ab, seine Firma könne doch die Fabrik des Konkurrenten Goodyear im nordfranzösischen Amiens übernehmen.

Die Arbeiter des von der Schließung bedrohten Reifenwerks haben nun allerdings durchaus Einsatz gezeigt: Die Angestellten nahmen zwei Manager des Unternehmens als Geiseln, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet. Goodyear will das Werk in Amiens schließen, etwa 1200 Jobs sind gefährdet. Die Arbeiter fordern hohe Abfindungen für den Fall, dass ihre Arbeitsplätze nicht gerettet werden können.

Die Manager hatten die Gewerkschaftsvertreter am Montag zu Verhandlungen getroffen. Etwa 200 Arbeiter sollen sie aber daran gehindert haben, den Raum wieder zu verlassen, indem sie die Tür mit einem Traktorreifen blockierten. Der Werksleiter Michel Dheilly und der Leiter der Personalabteilung, Bernard Glesser, dürften die Fabrik erst verlassen, wenn die Forderungen der Gewerkschaft erfüllt werden, erklärten die Aktivisten zunächst.

Nach knapp 30 Stunden wurden die beiden am Dienstagnachmittag dann allerdings wieder freigelassen. Von Polizisten begleitet verließen sie die Fabrik, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet.

Im Frühjahr 2013 hatten die Beschäftigten aus Protest gegen die Schließung bereits versucht, die Unternehmenszentrale zu stürmen. Die Aktion führte zu Straßenschlachten mit der Polizei, bei denen 19 Beamte verletzt wurden. Bei drohenden Werksschließungen kommt es in Frankreich häufiger zu radikalen Aktionen der Gewerkschaften. In den vergangenen Jahren gab es mehrere Geiselnahmen, eines der prominentesten Beispiele war bei Sony 2010.