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Protest gegen Online-Einkauf:Manchmal kommen Leute in den Laden und rufen: "Super Aktion!"

Jimmy Blum hat damit schlechte Erfahrungen gemacht. Seit 2000 betreibt der studierte Textilbetriebswirt sein Second-Hand-Geschäft in der Hartungstraße. Neben Klamotten verkauft er auch Weine und Schuhe. Deshalb ärgert Blum eines besonders: "Wenn die Leute bei uns aus dem Haus ihre Schuhe bei Zalando bestellen, dann macht uns das traurig", sagt er. Blum hat es selbst mal mit einem Online-Shop für Schuhe versucht - nach zwei Monaten musste er schließen. Die Leute haben die bestellte Ware zu oft zurückgeschickt, es hat sich nicht gelohnt.

Die Aktion im Grindelviertel läuft unter dem Motto "Support your local dealer". Die Idee ist nicht neu, bisher gab es solche Proteste aber vor allem in den Fußgängerzonen kleinerer Orte. Dabei lehnen die Einzelhändler den Online-Verkauf nicht immer ab. "Das ist der Lauf der Zeit", sagt Elisabeth Stein-Salomon, damit habe sie kein Problem. Sie will nur die Leute darauf hinweisen, dass sie auch bei den kleinen Geschäften in ihrer Stadt online bestellen könnten.

Deshalb hat Stein-Salomon gemeinsam mit drei anderen Buchhändlern in Würzburg die Initiative "Lass' den Klick in deiner Stadt!" gegründet. Was die Buchhändler bieten, was Amazon nicht kann? Kompetente Beratung, sagt Stein-Salomon. Ihr Online-Shop hat das Gütesiegel von "Buy Local", einem bundesweiten Zusammenschluss von Inhabergeführten Läden und Handwerksbetrieben, der gegen die Verödung der Innenstädte kämpft.

Das richte sich nicht gegen den Online-Handel, erklärt eine Sprecherin. Im Gegenteil: Sogar in der Region funktioniere online. Voraussetzung für die Mitgliedschaft bei "Buy Local" ist eine eigene Website; in manchen Branchen, wie dem Buchhandel, kann man ohne eigenen Online-Shop gar nicht beitreten. Die Initiative wirbt für den Einkauf beim lokalen Händler statt bei Amazon. Ihr Argument: So bleiben die Steuern in der jeweiligen Region und können dort auch wieder investiert werden.

Seit einem Jahr werben die vier Würzburger Buchhändler für ihre Online-Shops - und langsam tut sich etwas: "Die Bestellungen werden mehr", sagt Stein-Salomon. Auch Jimmy Blum bekommt viel positive Resonanz. Bis Sonntag läuft die Protestaktion im Grindelviertel noch. Es kommen Mails aus ganz Deutschland, erzählt er, von Kunden und anderen Händlern. Manchmal kommen Leute in den Laden und rufen: "Super Aktion!" Lieber wäre es ihm wohl, sie würden auch etwas kaufen.

© Süddeutsche.de/rus
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