Protektionismus:Was kann Europa noch tun?

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Wie reagieren die Firmen?

Um sich mit dem neuen Präsidenten gut zu stellen, haben zuletzt zahlreichen US-Unternehmen angekündigt, auf geplante Arbeitsplatzverlagerungen etwa nach Mexiko zu verzichten. Stattdessen wollen sie im Inland neue Jobs schaffen. In manchen Fällen kam den Firmen der Kurswechsel aus betriebswirtschaftlichen Gründen gar nicht so ungelegen, in anderen wird der Gang ins Ausland nun einfach mit ein paar Inlandsinvestitionen übertüncht. Trump war das egal, solange er sich als Arbeitsplatzretter und -schaffer feiern lassen konnte. Auch Chefs ausländischer Konzerne wie Werner Baumann (Bayer) und Jack Ma (Alibaba) pilgerten nach New York, um Trump ihre Aufwartung zu machen.

Wie sollten Politiker reagieren?

Der Globalisierungsforscher Gabriel Felbermayr vom Ifo-Institut rät, zu differenzieren - zwischen Worten, in Trumps Fall Twitter-Tweets, und Taten. "Auf Getöse, das substanzlos ist, sollten die Politiker gar nicht reagieren." Ganz anders bei echten Beschlüssen: Da sei Härte gefragt.

Wie begegnet Europa Strafzöllen?

Es zeichnet sich ab, dass Trump exzessiv die Waffen der Welthandelsorganisation WTO einsetzen will, die Strafzölle gegen Staatssubventionen für Exporte und gegen Dumping-Angebote unter tatsächlichen Produktionskosten erlauben. Solche Tricks stellen nur einen kleinen Teil des Welthandels dar. Europa sollte genau prüfen, ob Trump die Werkzeuge missbräuchlich einsetzt und dann vor der WTO klagen und US-Exporte mit Zöllen bestrafen.

Trumps Ankündigung eines 35-Prozent-Zolls etwa auf BMWs aus Mexiko ist in keinem Fall durch die WTO gedeckt. Er würde die US-Verpflichtung aus dem globalen Handelsabkommen brechen, Autos vieler Staaten fast zollfrei ins Land zu lassen. "Europa müsste hart reagieren", sagt Felbermayr. "Dann gäbe es einen voll ausgebauten Handelskrieg. Das wäre das Ende der Welthandelsorganisation" - mit all ihren Vorteilen für US-Firmen. Möglich ist daher, dass Trump ausländische Produkte und Vorprodukte steuerlich diskriminiert, weil das womöglich nicht die WTO-Regeln verletzt. Europa dürfte dann allerdings ebenso zurückschlagen.

Was kann Europa noch tun?

Sich unabhängiger von den USA machen. Etwa durch mehr Abkommen mit Asien. Mit Japan wird gerade über Exporte, mit China über Investitionen verhandelt. Der Austausch mit anderen Weltregionen lässt sich ebenfalls intensivieren. Und wenn die EU ihren gemeinsamen Markt stark um Dienstleistungen erweitert, können die Staaten mehr Geschäft miteinander machen. Egal ob Architekten, Juristen oder Firmen, die sich um öffentliche Aufträge mühen: Überall gibt es Hürden für Schritte ins Nachbarland. Ja, zehn Prozent der deutschen Exporte gehen in die USA. Doch 60 Prozent deutscher Exporte gehen jetzt schon nach Europa.

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