Banken sterben langsam: Die bislang letzte Hauptversammlung der "I. D. Herstatt KGaA in Liquidation"' fand noch vor einem Monat statt und dauerte eine Viertelstunde. Der Insolvenzverwalter wollte sich dort genehmigen lassen, die Herstatt-Bank endlich aus dem Handelsregister zu löschen. Doch er fand keine Mehrheit. Dabei kam das Aus für die Kölner Bank schon 1974. Das Unternehmen hatte bei Devisenspekulationen riesige Verluste angehäuft, die Bundesbank schaltete sich ein, die Kölner mussten schließen.

Hauptverantwortlicher für das Desaster war Dany Dattel, der Leiter der Herstatt-Devisenabteilung. Die Währungshändler waren die "Goldjungs" des Bankchefs Iwan David Herstatt. Sie saßen in einem für diese Zeit futuristischen Handelssaal, den viele Kölner ,"Raumstation Orion" nannten. Ihre Geschäfte bescherten dem Institut hohe Gewinne. Am Ende drehten sie allerdings ein zu großes Rad, die Wetten gingen schief. Dattel wurde wegen Untreue und Betrugs angeklagt, aber aus gesundheitlichen Gründen nie verurteilt.
Als Nick Leeson am Dienstag, den 17. Januar 1995, von dem schweren Erdbeben in der japanischen Industriestadt Kobe erfährt, schießt ihm nur ein Gedanke durch den Kopf: "Der Markt wird ins Bodenlose fallen." Der Markt, das ist der japanische Aktienmarkt. Auf diesen hat der 28-jährige Händler der britischen Barings Bank in Singapur viel zu hoch gewettet. Der Aktienindex Nikkei verzeichnet in den nächsten Tagen einen gewaltigen Absturz. Leeson verliert die Kontrolle, handelt wie ein Besessener, trickst mit Buchungen, manipuliert Abwicklungssysteme. Am Donnerstag, den 23. Februar, ist er das letzte Mal in der Terminbörse. Nach Börsenschluss flieht er mit seiner Frau Lisa nach Malaysia.

Unterm Strich verzockt er bei Termingeschäften an asiatischen Märkten 1,4 Milliarden Dollar (1 Milliarde Euro). Barings ist pleite. Im Moment seiner Niederlage erreicht der Spekulant Leeson, wovon er immer geträumt hat: Er ist weltberühmt. Nach vier Jahren Haft in Singapur kommt er wieder frei. Er, das Arbeiterkind, der eine der feinsten britischen Bankadressen ruinierte - großartiger Stoff für zahlreiche Filme.
Kupferfinger nannte man Yasuo Hamanaka, der 1996 mit heimlichem Futurehandel seinem Arbeitgeber Sumitomo Trading 2,6 Milliarden Dollar (1,8 Millarden Euro) Verluste einbrockte - bis dahin der größte solche Fall. Hamanaka war der Guru des weltweiten Kupferhandels, sein Wort zählte. Das nutzte er aus. Er investierte in Kupfer-Futures - und redete dann den Kupferpreis hoch. Das tat er tagsüber für seine Firma. Und nachts heimlich für sich. Bis er sich 1996 übernahm und auf offenen Kupfer-Positionen für 1,8 Milliarden Dollar sitzenblieb.
In der Folge liquidierte Sumitomo Trading seine Positionen in Panik - und vergrößerte den Verlust um 800 Millionen. 1998 wurde Hamanaka in Tokio wegen Fälschung und Betrugs als Einzeltäter zu acht Jahren Gefängnis verurteilt. Hamanaka war freilich nicht auf der Jagd nach Glamour und Luxus wie ähnliche Täter. Der typische japanische Angestellte hechelte zu Beginn einem vertuschten Verlust hinterher, den seine Bosse nicht entdecken sollten. Während Hamanaka im Gefängnis saß, klagte Sumitomo Trading gegen weltbekannte Geldinstitute.