Projekt #MeineMiete:"Bei der nächsten Mieterhöhung werde ich passen müssen"

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(Foto: Illustration Jessy Asmus)

Mit dem Projekt #MeineMiete will die SZ mehr über die Probleme auf dem deutschen Wohnungsmarkt herausfinden. Leser-Zuschriften zeichnen ein erschütterndes Bild. Eine Auswahl.

Von Sabrina Ebitsch

"Etwas so Elementares wie Wohnen sollte nicht so anstrengend sein", schreibt ein Leser und spricht damit offenbar vielen aus der Seele. Seit dem Start des SZ-Crowdsourcing-Projekts #MeineMiete vorige Woche haben uns Tausende Zuschriften erreicht. Sie erzählen erschütternde, schockierende, bewegende Geschichten über den Wohnungsmarkt in Deutschland - aber auch von glücklichen Zufällen.

Lesen Sie eine Auswahl der aussagekräftigsten Einträge:

Die Eingesperrten: "Ich kann mich nur noch verschlechtern"

"Wir wohnen seit mehr als 17 Jahren in unserer Wohnung und sind hier sehr eingebunden, auch durch unsere Kinder, die beide noch zur Schule gehen. Nun haben wir zum dritten Mal eine Mieterhöhung bekommen (um 15 Prozent, das sind circa 150 Euro) und wissen langsam nicht mehr, wie wir die Miete bezahlen sollen. Umziehen kommt aber auch nicht in Frage, weil in Hamburg die Mieten bei Neubezug so hoch sind, dass selbst eine viel kleinere Wohnung noch deutlich teurer wäre."

"Eigentlich müsste ich längst ausziehen, weil die Wohnung zu klein ist für inzwischen zwei Personen, aber eine kurze Suche hat posttraumatische Symptome hervorgerufen und wurde schnell wieder aufgegeben."

"Ich hänge fest in einer ungeliebten Wohnung. Weil ich mir weder den Umzug leisten kann noch es überhaupt Aussicht auf eine Wohnsituation gibt, wie ich sie mir wünsche oder brauche. Aufgrund einer Erkrankung bin ich in einer finanziell so engen Situation, dass ich eigentlich gar nichts mehr tun kann. Nur noch vor mich hin existieren. Aber es gibt keinen Handlungsspielraum mehr. Das Geld reicht nicht einmal für ein gesundes Essen bis zum Monatsende, geschweige denn mehr. Die Wohnung ist schimmelbelastet und dunkel, und sie tut mir auch nicht gut. Zu kleine Zimmer, dunkel und eng. Nur Küche und Bad sind okay. Aber ich kann mich nicht mehr von hier wegbewegen. Denn das ist unter den Umständen noch das Beste, was möglich und machbar ist. Ich kann mich mit den Mitteln, die ich habe, nur noch verschlechtern."

Die Vertriebenen: "Die leeren Wohnungen wurden saniert und die Mieten mehr als verdoppelt"

"Wir hatten immer in Hamburg gelebt. Es war schon 2012 aussichtslos, dort eine unserem Einkommen angemessene Wohnung in einem normalen Stadtteil zu finden. Auch Aufnahmestopp bei Genossenschaften. Wir sind daher nach Lübeck umgezogen. Von dort hatten wir bis zur Rente einen Arbeitsweg von 65 Kilometer."

"Die Miete beträgt 740 € kalt. Dazu kommen alle Nebenkosten. Das entspricht meiner gesetzlichen Rente. Ich bekomme noch 400 € von der Pensionskasse. Mit diesem Geld bezahle ich Strom und Gas, Telefon und Benzin (16 Jahre alter Opel). Da ich damit nicht auskam, habe ich ein Zimmer untervermietet. Der Vermieter möchte mich gerne aus der Wohnung raushaben. Er erhöht alle drei Jahre die Miete (das darf er nach dem Gesetz). Im Dezember 2018 ist die nächste Mieterhöhung fällig. Da werde ich dann passen müssen."

"2012 war unser zweites Kind gerade geboren, als unsere ehemaligen Vermieter ankündigten, die Wohnung zu verkaufen. Daraufhin mussten wir einmal pro Monat öffentliche Besichtigungen unserer Wohnung erlauben. Auf Fragen der Interessenten, warum wir mit zwei kleinen Kindern auszögen, antwortete ich, dass wir nicht ausziehen möchten. Die Maklerin neben mir und den Kindern stehend, erklärte daraufhin den Interessenten: 'Machen Sie sich keine Sorgen, Sie können als neue Eigentümer die Mieter innerhalb von drei Monaten kündigen!'"

"Ich lebe von Hartz IV, musste vor mehr als zehn Jahren wegen Mieterhöhung nach Sanierung umziehen. Ich hatte großes Glück, eine günstige Wohnung zu finden. Vor einigen Jahren wurde das Haus leider verkauft. Seitdem versucht die neue Hausverwaltung, mich rauszuekeln. Die meisten anderen sind längst weg, teilweise rausgeklagt, teilweise 'rausgekauft', teilweise mit Erpressung. Die leeren Wohnungen wurden saniert und die Mieten mehr als verdoppelt. Bei mir gab es Modernisierungsmaßnahmen, neue Fenster, Heizungen (...) größtenteils provisorisch - ich soll auch raus, ich zahle nicht genug Miete. (...) Hier soll Geld gemacht werden, da sind Sozialfälle unerwünscht!"

Die Obdachlosen: "Ich habe eine Waschmaschine als Zimmergenossin"

"Ich habe unzählige Wohnungen, WGs, 1-Zimmerwohnungen angeschrieben und so viele Absagen bekommen, dass ich irgendwann aufgehört habe zu zählen. Mir wurde sogar einmal ein umgebautes Gartenhaus als Wohnung angepriesen auf dem Grundstück eines alten Ehepaares. (...) Es war eine Katastrophe. Schließlich hat das Studium angefangen und ich habe drei Wochen bei verschiedenen Freunden auf der Couch geschlafen, dann drei Wochen im Wohnmobil gelebt, bis es einfach zu kalt wurde. Schließlich hat meine Mutter so lange einen Makler bequatscht bis er eine Wohnung für mich hatte. Für diesen Makler musste man damals aber auch noch rund 1000 € bezahlen."

"In München sucht man ja auch nicht nach einer Wohnung, man bewirbt sich... Das ist so lächerlich!"

"Ich wohne in der Waschkammer und teile mir mein Sieben-Quadratmeter-Zimmer mit der Waschmaschine. Ich bin sehr zufrieden mit der Wohnung, der Lage und dem niedrigen Mietpreis. Lieber habe ich eine Waschmaschine als Zimmergenossin und zahle ein paar Euro weniger, als für ein unwesentlich größeres WG-Zimmer die dreifache Miete zu zahlen."

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