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Prognose für Deutschlands Wirtschaft:Im neuen Jahr ist viel mehr drin

Niemand prognostizierte die Wirtschaftsentwicklung 2013 besser als Stefan Bielmeier. Für 2014 steht der Chefsvolkwirt der DZ Bank mit seinem Optimismus ziemlich alleine da: Die meisten Ökonomen prophezeien, dass die deutsche Wirtschaft 2014 bestenfalls verhalten wächst. Warum Top-Prognostiker Bielmeier hingegen mit "großen Überraschungen" rechnet.

Die deutsche Wirtschaft wird 2014 wachsen - allerdings bestenfalls verhalten. So oder so ähnlich lautete der Tenor in den gängigen Prognosen zum Jahreswechsel bisher. Zu Unrecht? Die Vorsicht könnte sich schon bald als viel zu zaghaft erweisen.

Davon zeigt sich jedenfalls der Top-Prognostiker des gerade ablaufenden Jahres überzeugt: Für Stefan Bielmeier, den Chefvolkswirt der DZ Bank, ist 2014 nach zwei Jahren Miniwachstums sehr viel mehr drin. Die Wirtschaft werde um knapp 2,5 Prozent expandieren - deutlich mehr, als es die alte Bundesregierung mit 1,7 Prozent noch veranschlagte.

Bielmeier hat so gut und so früh wie kein anderer geahnt, dass erst jetzt die Konjunkturerholung einsetzt, die viele schon für Anfang 2013 prophezeit hatten. Der Bankenökonom führt damit die Rangliste der Prognostiker des Jahres 2013 an, die das Internetportal WirtschaftsWunder exklusiv für die Süddeutsche Zeitung ermittelt hat . "Im neuen Jahr kann die deutsche Wirtschaft nunmehr durchstarten", prognostiziert Bielmeier.

Mit seiner Prognose für 2014 steht Bielmeier bisher noch alleine. Nur ganz wenige Experten trauen der deutschen Wirtschaft nach zwei mageren Jahren überhaupt ein Wachstum von zwei Prozent zu. Die meisten Vorhersagen liegen darunter. Die Experten des Internationalen Währungsfonds rechnen sogar nur mit einem Plus von 1,6 Prozent.

Dem Aufschwung steht nichts im Wege

Bielmeier hält dagegen: Im abgelaufenen Jahr sei die Konjunktur lange Zeit noch durch die Nachwirkungen der Euro-Krise gebremst worden; trotz der Beruhigung an den Finanzmärkten habe sich die Rezession in vielen Ländern fortgesetzt. Auch sei die Weltkonjunktur durch den Etat-Streit in den USA länger gebremst worden als vielfach erwartet.

Beide Effekte ließen nun nach, so Bielmeier. Dazu kämen relativ niedrige Energiepreise auf den Weltmärkten sowie unverändert günstige Zinsen und zunehmend ordentliche Lohnzuwächse, die den Konsum in Deutschland antreiben dürften. "Dem Aufschwung steht 2014 jetzt kein größeres Hindernis mehr im Wege", sagte der DZ-Chefökonom.

Auch andere Prognostiker räumen ein, dass es 2014 zu positiven Überraschungen kommen könnte. In Südeuropa mehren sich die Zeichen für eine Erholung, sagte Kurt Demmer, Chefökonom der IKB. Er prognostiziert für Deutschland immerhin auch ein Wachstum von 2,0 Prozent. Da die harten Sparprogramme an Wirkung nachlassen, wächst die Wirtschaft in Ländern wie Spanien, Irland und sogar Griechenland wieder - gut für Deutschlands zwischenzeitlich krisengebeutelte Exporteure, die nach wie vor einen Großteil ihres Absatzes im Euro-Raum machen.

All das dürfte auch die Investitionslust in der deutschen Wirtschaft beflügeln. Nach zwei tristen Jahren, in denen die deutschen Unternehmen ihre Ausgaben aus Angst vor einer Eskalation der Euro-Krise drastisch zurückschraubten, zeichne sich hier sogar ein regelrechter Boom ab, sagte DZ-Ökonom Bielmeier. Bislang hätten die extrem niedrigen Zinsen nur bedingt geholfen, die Investitionen zu stützen. Die Angst vor der Krise überwog, und die Kapazitäten waren kaum ausgelastet. Das ändere sich jetzt.

Bei zunehmender Auslastung dürften die Betriebe die günstigen Zinsen endlich nutzen, um in Maschinen und Anlagen zu investieren. Bielmeier erwartet nach dem Rückgang von rund zwei Prozent im abgelaufenen Jahr für 2014 jetzt ein überdurchschnittliches Investitionsplus von gut sieben Prozent. IKB-Ökonom Demmer setzt nach dem Investitionsstreik der vergangenen beiden Jahre jetzt vor allem erst einmal auf "einen hohen Nachholbedarf".