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Prognose der Internationalen Energieagentur:Gas-Boom in USA bedroht Europas Industrie

Energie ist in Europa teuer - sehr viel teurer als in den USA. Der Schiefergas-Boom kommt der US-Industrie zugute. Leiden werden deutsche und europäische Unternehmen, befürchtet die Internationale Energieagentur IEA.

Der globale Energiemarkt befindet sich im Umbruch und wird die Industrie in Europa und Japan hart treffen, heißt es in der neuen Prognose der Internationalen Energieagentur (IEA). Ihr weltweiter Exportanteil an Gütern, die mit hohem Energieaufwand hergestellt werden, könnte um ein Drittel zurückgehen, sagte die IEA am Dienstag in Paris in ihrem Jahresausblick 2013 voraus.

In den USA hingegen lägen die Preise für Naturgas bei gerade mal einem Drittel der EU-Importpreise und einem Fünftel der Preise in Japan. Die großen Unterschiede zwischen Amerika und Europa gehen nur zum Teil auf die Energiewende in Deutschland und der EU zurück. Grund ist vor allem die wachsende Förderung in den USA von sogenanntem unkonventionellem Öl und Gas, das aus tiefen Gesteinsschichten gelöst wird.

Eine Auswirkung des Schiefergas-Booms in den USA sind sinkende Energiepreise für US-Firmen. Unterschiede bei den Energiepreisen würden auch die Entscheidungen von Investoren und Firmenstrategien beeinflussen, hebt die IEA hervor. Die Energiekosten sind vor allem für die Produktion von Chemikalien, Aluminium, Zement, Eisen und Stahl, Papier, Glas und Raffinerieprodukten von Bedeutung. Diese energieintensiven Branchen würden künftig wahrscheinlich aus Europa flüchten, so die Prognose.

"Viele langjährige Grundsätze müssen neu geschrieben werden"

Außerdem werde der Gas-Abbau in den USA neben der zunehmenden Energienachfrage in China, Indien oder dem Nahen Osten den Energiemarkt in den nächsten Jahren grundlegend verändern, heißt es in dem Bericht.

Die USA werden bereits 2015 - und damit ein Jahr früher als zunächst erwartet - die Rolle des global führenden Erdölproduzenten übernehmen, sagte IEA-Chefökonom Fatih Birol. Jedoch werde diese Entwicklung nicht über die 2020er Jahre hinaus anhalten. "Der Nahe Osten wird entscheidend sein - heute und morgen", sagte Birol. Indien werde als größtes Nachfrageland nach 2020 China ablösen.

In dem Bericht stellt die Energieagentur fest, dass die Schwellen- und Entwicklungsländer in den kommenden drei Jahrzehnten die höchste Nachfrage nach Energie haben werden. Brasilien werde als Produzent konventioneller und erneuerbarer Energien immer wichtiger. "Viele der langjährigen Grundsätze des Energiesektors müssen neu geschrieben werden", stellt die IEA fest.

Für 2035 sagt die IEA einen Ölpreis von 128 Dollar pro Barrel voraus, nachdem sie im vergangenen Jahr noch von 125 Dollar inflationsbereinigt ausgegangen war. In diesem Jahr liegt der Preis durchschnittlich bei etwa hundert Dollar.

© Süddeutsche.de/AFP/sana
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