Notbetrieb bei MAN:Zeitarbeiter vor den Trümmern

Der Lkw-Hersteller MAN läuft auf Notbetrieb, Tausende Zeitarbeiter werden sofort ihren Job verlieren. Man kann dem Unternehmen seine falsche Unternehmenspolitik durchaus vorwerfen - doch MAN überbringt auch eine schlechte Nachricht für die gesamte Wirtschaft.

Andrea Rexer

Man kann dem Management von MAN einiges vorwerfen. Zum Beispiel, dass die Chefs des Nutzfahrzeugeherstellers nach der großen Krise der Automobilindustrie in den Jahren 2009 und 2010 viel zu schnell wieder an den Aufschwung geglaubt, viel zu hastig die Belegschaft wieder aufgestockt, viel zu euphorisch neue Großprojekte angepackt haben.

Jetzt steht der Konzern vor den Trümmern einer falschen Unternehmenspolitik. Die Produktion muss drastisch gedrosselt werden, die Verwaltung läuft in manchen Bereichen zeitweise nur noch auf Notbetrieb.

Doch so sehr man das Management für seine falsche Einschätzung der konjunkturellen Entwicklung geißeln mag, man darf dabei nicht aus den Augen verlieren, dass MAN in erster Linie der Überbringer einer schlechten Nachricht für die gesamte Wirtschaft ist. Denn einen konjunkturellen Abschwung spüren die Nutzfahrzeughersteller am schnellsten, weil es weniger zu transportieren gibt. Das schlägt sich rasch in den Verkaufszahlen der Lastwagen nieder.

Bei MAN könnte man nun erleben, was auch anderen deutschen Unternehmen in Bälde droht. Auch wenn es zunächst keine Kündigungen gibt, werden dennoch Tausende Menschen sofort ihren Job verlieren: Das sind all die Zeitarbeiter, die eigentlich auf einen Wiedereinstieg in eine feste Anstellung gehofft haben. Sie haben keine Lobby.

© SZ vom 27.10.2012/fran
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