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Produktionsbeginn in Eisenach:Adam soll Opel retten

Ein neuer Kleinwagen gilt als große Chance, den Autohersteller in die schwarzen Zahlen zu führen. Die Konzernmutter General Motors hofft das auch - und will vorerst keine weiteren Werke schließen.

Von Thomas Fromm, Eisenach

General-Motors-Vizechef Steve Girsky mag kein langes Gerede. Neulich wollte ihm einer eine 150-Seiten-Präsentation zur Konzerntochter Opel vorlegen, das fand er gar nicht gut. "Das hält meine Aufmerksamkeit nicht durch", sagt er. Und er empfahl dem Referenten, es "mal mit fünf Seiten" zu versuchen.

Fünf Seiten reichen eben. Vorausgesetzt, es steht das drauf, was Girsky hören will. Zum Beispiel Antworten auf die Frage, wie Opel mit einer Million verkauften Autos im Jahr und 15 Milliarden Dollar Verlusten in den vergangenen zehn Jahren endlich mal wieder Gewinne macht. "Das sollten wir doch schaffen. Speed, speed, speed" , sagt Girsky. Und dass er aus Opel "die erfolgreichste Comeback-Geschichte der Automobilgeschichte machen" werde. Das klingt nach einem verwegenen, großen Geheim-Plan. Oder nach großer Rhetorik, je nachdem, wie man es sieht.

Girsky, der Mann aus Amerika, ist ein Mysterium. Seit über einem Jahr ist der Mann mit dem breiten Slang Aufsichtsratschef bei Opel. Und hier wissen sie bis heute nicht, wer dieser Girsky eigentlich genau ist. Ob er am Ende die Rolle des erfolgreichen Opel-Sanierers oder die des Abwicklers spielen wird. Ob er den Laden rettet. Oder liquidiert.

Jetzt steht Girsky, der Mann mit Ruf des harten, unnachgiebigen Managers, im Eisenacher Opel-Werk. Nicht sehr groß, robust, hemdsärmelig. Brauner Fleece-Pulli mit Opel-Blitz drauf. Lächelnd, augenzwinkernd. Die Opelaner klatschen, als er die Bühne betritt. Es passiert nicht oft, dass der New Yorker in deutschen Opel-Werken auftaucht. Männer wie Girsky arbeiten weit weg im Hintergrund und brüten Strategien aus. Power-Point-Präsentationen und endlose Zahlenkolonnen. Aber nicht heute. Heute ist der Tag der Nähe. Nähe zu den Menschen, Nähe zu den Autos.

Der Tag, an dem Opel sein neues Modell Adam vom Band lässt. Einen neuen Kleinwagen, mit dem Opel endlich alles hinter sich lassen will, was zuletzt auf die Stimmung gedrückt hat. Ein Moderator vom lokalen Radiosender Antenne Thüringen sagt: "Welcome to the Adam-Show." "Dieser Tag wird in die Geschichte eingehen", sagt er. "Die Hoffnungen einer ganzen Region liegen auf diesem kleinen Auto." Einer ganzen Region? Eines ganzen Konzerns. Mit dem kleinen bunten Auto will Opel endlich dahin zurück, wo man mal war. Will all die Negativschlagzeilen hinter sich lassen. Die Meldungen von den schlecht ausgelasteten Fabriken, vom Marktanteil der seit Monaten im Sinkflug ist.

Opel, der eingeklemmte Autokonzern: Von oben drückt der große Rivale Volkswagen aufs Geschäft, unten knabbern die Koreaner von Hyundai und Kia den Rest weg. Mit aggressiven Preisen und Autos, die längst nicht mehr schlecht sind. Es ist schwer, sich da zu behaupten. Vor allem, wenn man zwar ganz gute Autos hat, aber das Image nach vielen Jahren lädiert ist.

Jetzt soll es der Kleine richten. "Mutig und innovativ" sei der Adam, sagen sie bei Opel. 16 000 Vorbestellungen gibt es schon, dabei ist er noch gar nicht auf dem Markt. Mutig, innovativ, sympathisch. Adam, der Kleine, ist so, wie Opel, der große Konzern, gerne sein möchte. Auch Girsky möchte gerne sympathisch sein an diesem Tag, deshalb fährt er mit der Sportlerin Ariane Friedrich in einem bunten Adam auf die Bühne. Friedrich hat heute Geburtstag, und Girsky drückt ihr einen Blumenstrauß in den Arm und sagt, auf Deutsch: "Alles Gute zum Geburtstag." Und Hochspringerin Ariane Friedrich antwortet, auf Englisch: "Thank you, I share something with Adam." Und dass der kleine Adam so sei wie ein iPhone. Aber das geht schon im Applaus der Opel-Arbeiter unter.

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