Producer des Oscar-Gewinners Gewagt, gewonnen

"So etwas kann man nur einmal im Leben machen": Max Wiedemann und Quirin Berg sind die Produzenten des Erfolgsfilms "Das Leben der Anderen" - sie gingen dabei ein hohes Risiko ein.

Von Christian Mayer

Seit jenem Abend im Kodak Theatre von Los Angeles ist das Schauspiel bei den Zuschauern präsent. Die Bilder wiederholen sich, beispielsweise in dieser Woche bei einer Gala in der Münchner Residenz: Alle Scheinwerfer sind auf einen hochgewachsenen Mann gerichtet - den Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck, der sich für den Erfolg seines Films "Das Leben der Anderen" gerne feiern lässt und sich nicht scheut, seine frisch erworbene Oscar-Statue dem bayerischen Ministerpräsidenten in die Hand zu drücken.

Das Geld fließt zurück: Max Wiedemann und Quirin Berg.

(Foto: Foto: Stephan Rumpf)

Ein wenig abseits des Lichtkegels stehen zwei junge Münchner, die den deutschen Erfolg in Hollywood möglich machten: Max Wiedemann und Quirin Berg. Schon bei der Oscar-Verleihung saßen sie, von den Kameras weitgehend unbemerkt, weiter hinten im Saal, als Donnersmarck zu seinem kraftvollen Freudensprung ansetzte.

Unscheinbar sind sie keineswegs. In der Filmbranche haben sich die beiden Produzenten viel Respekt verschafft. Es ist auch ihre Leistung, dass ein ambitionierter Erstlingsfilm mit deutlicher Überlänge überhaupt realisiert werden konnte - ein deutsches Kinowunder, das weltweit Kasse macht. Das Budget von 1,6 Millionen Euro erscheint im Rückblick abenteuerlich gering, wenn man etwa bedenkt, dass der ARD-Zweiteiler "Die Flucht" mehr als zehn Millionen Euro gekostet hat.

In der Entstehungsphase 2003 aber war es abenteuerlich, mit dieser Summe zu kalkulieren - selbst für ehrgeizige Jungfilmer. "So etwas kann man nur einmal im Leben machen", erzählt Berg. "Wir hatten da einfach einen Vertrauensvorschuss."

Mehrfach stand das Projekt auf der Kippe, und es ist kein Geheimnis, dass etablierte Verleiher das Stasi-Drama ablehnten. Dafür gab es mit dem Bayerischen Rundfunk einen zuverlässigen Koproduzenten und mit dem Film-Fernseh-Fonds Bayern (FFF) einen Geldgeber, der 300 000 Euro beisteuerte. Dass Edmund Stoiber den Oscar auch für Bayern reklamiert hat, hat zwar viel mit landesüblicher Selbstherrlichkeit zu tun, ist aber in diesem Fall nicht völlig abwegig. Die weiß-blaue Filmconnection, das Netzwerk zwischen Produzenten und Geldgebern, hat gut funktioniert. Obwohl es am Ende die Buena Vista International war, die in der Stunde der größten Not als Verleihfirma zusagte - und die restlichen Kosten übernahm.

Inzwischen sind Wiedemann und Berg 29 Jahre alt und um einige Erfahrungen reicher. Sie wissen, wie man mit Banken, Schauspieleragenten und Vertriebsleuten verhandelt und zugleich einen sehr von sich überzeugten Filmemacher gelegentlich auf den Boden der Tatsachen holt. Und sie haben gelernt, wie teuer es ist, wenn man eine Ostberliner Straße so herrichten muss, dass sie aussieht wie zu DDR-Zeiten.

"Wir mussten für jeden Drehtag knallhart durchrechnen, jede Szene überprüfen, ob die notwendig ist", sagt Berg, der gemeinsam mit seinem Firmenpartner an der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) seinen Abschluss machte. Dort sammelten sie Erfahrungen als Kurzfilme-Macher, bevor HFF-Kollege Donnersmarck dann mit seinem Drehbuch auf sie zukam.

Überzeugungsarbeit

Nun haben Produzenten meist mit knappen Mitteln und verschwenderischen Regisseuren zu kämpfen. Für "Das Leben der Anderen" mussten aber überdies einige der renommiertesten deutschen Schauspieler überzeugt werden, bei einem Erstlingsfilm für eine für ihre Verhältnisse geringe Gage mitzuspielen. Sebastian Koch, Ulrich Tukur, Ulrich Mühe und Martina Gedeck ließen sich nicht lange bitten, als sie das Drehbuch lasen.

"Wir haben alles versucht, um ihnen am Set das Gefühl zu geben, dass dies keine Low-Budget-Produktion ist", sagt Wiedemann. Wie erfolgreich sie waren, zeigt ein interessanter Rechenversuch: Vor kurzem hatte ein Student aus der Produzentenklasse der Münchner Filmhochschule die Aufgabe, die Herstellungskosten des Films realistisch nachzuvollziehen - er kam auf 4,5 Millionen Euro. Tatsächlich kostete das Drama am Ende 1,9 Millionen Euro.

Nach seinem internationalen Triumph versucht Donnersmarck nun sein Glück allein in Hollywood. Die Teamarbeiter Wiedemann & Berg, die sich seit der fünften Klasse kennen, bleiben München treu. In Schwabing, der Heimat vieler Filmemacher, haben sie ihr Büro. Sie dürfen hoffen, dass sich ihr Oscar-Prestige nun auszahlt; am "Leben der Anderen" verdienten aufgrund der schwierigen Finanzierung bisher primär die Anderen, erst jetzt fließt Geld zurück an die jungen Produzenten.

Im Mai läuft ihr TV-Film "Das Inferno - Flammen über Berlin" auf Pro Sieben, ein technisch aufwändiger Actionfilm über eine Feuerkatastrophe auf dem Berliner Fernsehturm, dessen Kuppel originalgetreu nachgebaut wurde. "Inferno" war schon vor den Dreharbeiten in Litauen in 17 Länder verkauft. "Deutsche Fernsehfilme gehen momentan sehr gut", berichtet Max Wiedemann, der für das Finanzielle zuständig ist. Damit liegen die Produzenten ganz im Trend der opulenten TV-Movies, wie sie etwa Nico Hofmanns Firma Teamworx ("Die Luftbrücke", "Dresden") für einen internationalen Markt herstellt.

Im Sommer werden Wiedemann und Berg außerdem eine Bundeswehrkomödie ins Kino bringen. "Der Bund fürs Leben" wird wohl wieder eine andere Klientel ansprechen. Als Verleiher fungiert der Marktführer Constantin Film, was für Quirin Berg ein Wiedersehen bedeutet, schließlich hat er einst bei Bernd Eichinger als Regiepraktikant begonnen. Und dieses Mal ist das Budget mit drei Millionen Euro auch deutlich höher als beim "Leben der Anderen".

Auch mit dem bayerischen Regisseur Marcus H. Rosenmüller ("Wer früher stirbt, ist länger tot") ist im Auftrag des BR eine Zusammenarbeit für ein historisches Drama vereinbart, über den Räuber Kneißl, eine legendäre Figur aus dem Mythenschatz der Bayern. Das Geld dürfte künftig etwas schneller fließen, wenn Wiedemann und Berg Filmträume in die fiktionale Wirklichkeit umsetzen wollen. Dafür sind Produzenten ja da.