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Plastikmüll:Frosch besiegt Weltkonzern

Rubbish Litters UK Beaches

Müll an der schottischen Küste.

(Foto: Christopher Furlong/Getty)
  • Ein Gericht hat entschieden, dass Procter&Gamble den Hinweis "hergestellt mit Ocean Plastic" nicht mehr auf die Flaschen seines Geschirrspülmittels drucken darf.
  • Procter hatte damit geworben, dass die Verpackung zu zehn Prozent aus Meeresplastik besteht. Doch das stimmte nicht.

Das Urteil ist ein bisschen peinlich für den Weltkonzern Procter & Gamble. Es könnte am Image des US-Konzerns kratzen, der Marken wie Lenor, Ariel, Pantene und Head & Shoulders herstellt. Denn das Landgericht Stuttgart hat entschieden, dass der Konsumgüterkonzern den Hinweis "hergestellt mit Ocean Plastic" nicht mehr auf die Flaschen seines Geschirrspülmittels Fairy drucken darf. Procter hatte damit geworben, dass die Verpackung zu zehn Prozent aus Meeresplastik besteht. Tatsächlich lag der Anteil aber nur bei zwei Prozent, wie Procter einräumen musste.

Für die Sprecherin der Deutschland-Zentrale ist das alles nur eine Frage von "Begrifflichkeiten". In Deutschland habe das Gericht eine spezifischere Bezeichnung eingefordert, deswegen stehe nun nicht mehr Ocean Plastic, also Meeresplastik, auf den Flaschen, sondern "Gewässer- und Uferplastik", sagt sie. In anderen europäischen Ländern habe sich der Begriff Ocean Plastic für Plastik in Ufernähe etabliert. Wie weit der Kunststoffmüll vom Ufer entfernt sein darf, hat Procter nicht geregelt.

Streit hat auch positive Seiten

Beim US-Konzern SC Johnson mit Marken wie Autan oder Mr. Muscle dürfe das Plastik bis zu 50 Kilometer vom Wasser entfernt sein, sagt Reinhard Schneider. Dem Mittelständler hat Procter das Verbot zu verdanken. Schneider gehört die Firma Werner & Mertz mit der Öko-Marke Frosch. Er hatte geklagt, denn ihm geht es nicht nur um Begrifflichkeiten, sondern ums Prinzip, um Ehrlichkeit und auch um das Alleinstellungsmerkmal von Frosch: nämlich die Marke zu sein, die seit Jahren konsequent umweltschonende Haushaltsprodukte fertigt. Konkurrenten wie Procter und Henkel, die auf den Öko-Zug aufspringen, stören da nur. Deswegen ist es Schneider durchaus recht, wenn man wegen des Urteils nachfragt. Er hat Interesse daran, dass die Entscheidung von Ende Januar endlich an die Öffentlichkeit gelangt, Procter ist es hingegen eher unangenehm.

Der Streit hat auch seine positiven Seiten. Er zeigt, dass das weltweit gestiegene Umweltbewusstsein, das seinen Ausdruck in Bewegungen wie "Fridays for Future" findet, bei den Unternehmen angekommen ist. Die Verschmutzung der Weltmeere durch Plastik ist für Firmen wie Procter und Werner & Mertz zu einem Thema geworden, mit dem sie sich profilieren können. Doch wie viel davon ist Marketing?

Procter nimmt den Umweltschutz nach eigener Aussage sehr ernst, aber für Schneider ist die Sache klar. Er sieht sich als "Entrepreneur for Future". Um den Müllberg zu verkleinern, lässt seine Firma immer größere Teile der Frosch-Verpackungen nicht wie andere aus geschredderten Pfandflaschen herstellen, sondern aus dem gelben Sack holen, in den Privathaushalte den Verpackungsmüll werfen sollen.

Genau das macht für den Unternehmer den Unterschied. Er verwendet nicht sogenanntes "Industrieplastik", sondern Hausmüll. Aus dem Rezyklat-Forum der Drogeriemarktkette dm, die Hersteller und Händler im Kampf gegen Plastikmüll vereinen will, ist Schneider im Februar erst einmal ausgestiegen, "weil das qualitative Anspruchsniveau für uns deutlich zu tief war", sagt er. Ocean Plastic hält er für einen PR-Gag. "Man kann höchstens Blumentöpfe daraus machen", so sehr rieche es. "Aber auch die haben oft Ausdünstungen."

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