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Probleme mit Kanal:Nicaragua bringt sich in Stellung

Sacyr musste wegen der Einbrüche in seiner Bau- und Immobiliensparte auf dem spanischen Markt dreistellige Millionenbeträge abschreiben. Noch 2007 lag der Börsenwert der Firma bei 13 Milliarden Euro. Die Konzernleitung peilte den Aufstieg zum viertgrößten Baukonzern Europas an, zu diesem Zwecke wurde die Übernahme des fast doppelt so großen französischen Konkurrenten Eiffage vorangetrieben. Doch der Vorstoß misslang wegen des Verfalls der Immobilienpreise in Spanien. Stattdessen musste Sacyr Tochterfirmen, die Autobahnen in Spanien, Portugal, Brasilien und Chile betreiben, an einen Fonds der Citigroup abstoßen.

Nicht nur wegen des Zwists in Panama beschäftigt der Konzern die spanischen Medien. 2009 erhielt er von der damaligen sozialistischen Regierung unter José Luis Rodríguez Zapatero 160 Millionen Euro an Fördergeldern. Damit sollten seine Auslandsgeschäfte abgesichert werden. Der spanische Rechnungshof monierte, dass dabei Rechtsbestimmungen verletzt worden seien. Ministerin Ana Pastor kündigte kürzlich an, dass die Vergabe der Mittel erneut überprüft werde.

In der ersten Januarwoche wurde überdies bekannt, dass der frühere Vorstandsvorsitzende José Manuel Loureda am 23. Dezember, also kurz vor Bekanntgabe der Zuspitzung des Konfliktes um das derzeitige Bauvorhaben, 2,87 Millionen Sacyr-Aktien für knapp zehn Millionen Euro abgestoßen habe. Nach der Bekanntgabe des panamaischen Ultimatums brachen die Sacyr-Aktien ein. Die spanische Wirtschaftspresse sieht starke Indizien für ein Insidergeschäft. Louredas jetzige Firmen halten den Informationen zufolge noch 8,4 Prozent an dem Konzern.

Für Panama geht es auch um Nationalstolz. 1914 wurde der Kanal nach langer Bauzeit mit vielen Toten eingeweiht - erst am 31. 12. 1999 bekam die Republik ihr Heiligtum vom Besatzer Washington zurück. Und zum 100. Jubiläum bringen Spanier und Italiener alles durcheinander? "Die glauben, dass wir noch Federschmuck auf dem Kopf haben", schimpft Kanal-Chef Quijano in Spaniens Zeitung El País. "Ich sage das mit allem Respekt für die amerikanischen Ureinwohner. Wir sind Panamaer, die in Panama und vielen Ländern ausgebildet wurden, wir haben die technischen und verwaltenden Fähigkeiten. Wir werden das Werk 2015 vollenden."

Für den Fall, dass sie es nicht schaffen, hat sich schon mal Konkurrenz in Position gebracht. Nicaraguas Präsident Daniel Ortega und der chinesische Unternehmer Wang Jing teilten am Samstag mit, dass im Dezember 2014 "wie geplant" in Nicaragua mit dem Bau eines neuen Kanals zwischen Atlantik und Pazifik begonnen werde. Das Projekt ist allerdings umstritten.

© SZ vom 13.01.2014/jab
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