Probleme im Privatkundengeschäft:Commerzbank-Mitarbeiter zittern

Bereits jetzt stehen 1300 Stellen bei der Commerzbank zur Disposition, doch das ist möglicherweise noch nicht alles: Der Vorstand plant offenbar härtere personelle Einschnitte als bislang bekannt. Vor allem das Geschäft mit Privatkunden macht Probleme.

Schlimme Botschaften kommen oft betont harmlos daher: "Wir müssen uns fragen, ob geplante Ressourcen noch passen", formuliert etwa ein Insider bei der Commerzbank, den die Financial Times Deutschland (FTD) zitiert. Der Vorstand prüfe, ob der größte Konzernbereich für das aktuell schwierige Marktumfeld richtig aufgestellt sei. Zwischen den Zeilen bedeutet das wohl: Der Commerzbank könnten tiefere personelle Einschnitte bevorstehen als bislang bekannt.

Nach Angaben der FTD erwägt die Konzernspitze einen weiteren Stellenabbau im Privatkundengeschäft, in dem derzeit etwa 18.000 Mitarbeiter tätig sind. Es sei gut möglich, dass den Überlegungen bald konkrete Stellenabbaupläne folgen würden.

Nach dem im Juni verkündeten Rückzug aus der Schiffs- und gewerblichen Immobilienfinanzierung sowie dem zuvor angekündigten Aus für das Staatsanleihegeschäft stehen bereits knapp 1300 Stellen zur Disposition. Davon entfallen etwa 1100 auf die Tochter Eurohypo, deren Name Ende August verschwindet. Eine Entscheidung, wie viele Mitarbeiter letztlich insgesamt gehen müssen, ist noch nicht gefallen.

Verunsicherte Privatanleger

Die Überlegungen zum Privatkundengeschäft sind Teil einer neuen Strategie, mit der die Commerzbank sich bis 2016 weiterentwickeln will. Sie soll im September vorgestellt werden.

Das Privatkundengeschäft ist mit Erträgen von etwa 3,8 Milliarden Euro im Jahr 2011 zwar das größte Segment im Konzern, aber auch der Bereich mit den größten Problemen. Quartal für Quartal sind die Erträge zurückgegangen, von ihrem vor drei Jahren formulierten Ziel einer Eigenkapitalrendite von 30 Prozent ist die Bank weit entfernt. Im ersten Quartal 2012 kam sie im Privatkundengeschäft nur auf magere elf Prozent. Die Firmenkunden sind deutlich profitabler: Der operative Gewinn der Sparte lag 2011 mit 1,5 Milliarden Euro viermal höher als der des Privatkundensegments.

Die Commerzbank leidet dabei wie viele andere Banken auch unter den niedrigen Zinsen, weil dadurch die Erträge aus den Spareinlagen der Kunden zurückgehen. Gleichzeitig hat die Euro-Krise die Privatanleger extrem verunsichert, sodass sie kaum noch Fonds oder andere Wertpapiere kaufen. Die Provisionen aus der Vermittlung von Anlageprodukten sind deutlich eingebrochen.

Außerdem hatte die Commerzbank lange mit Problemen infolge der Übernahme der Dresdner Bank zu kämpfen. Im Zuge des Zusammenschlusses war bereits 2009 der Abbau von 9000 Stellen sowie die Schließung von einem Viertel der insgesamt 1600 Filialen beschlossen worden. Dieser Prozess soll bis Ende dieses Jahres abgeschlossen sein. Allerdings war die Bank damals davon ausgegangen, dass sich die Finanzmärkte nach dem Einbruch 2008 bis zum Jahr 2012 wieder deutlicher erholt haben würden.

© Süddeutsche.de/olkl/hgn
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