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Privatpolice:Versicherung gegen Hartz IV

Ein Start-up will eine private Arbeitslosenpolice anbieten, ähnliche Geschäftsmodelle sind bislang gescheitert.

Fabriken, in denen fast ausschließlich Roboter arbeiten und nur noch wenige Menschen die Maschinen überwachen, sind bereits Realität. Beim Siemens-Elektronikwerk in Amberg sind sämtliche Prozesse IT-gesteuert, auch bei Thyssenkrupp und Maserati sieht man in mancher Produktionshalle nur wenige Menschen. Kein Wunder, dass sich immer mehr Menschen Sorgen um ihren Job machen. Das Start-up Ewa aus Essen sieht deshalb Marktchancen für eine private Arbeitslosenversicherung.

Unter dem Motto "Grundeinkommen per Versicherung" soll die Police Kunden davor schützen, in Hartz IV abzurutschen. Die Police greift nach einer betriebsbedingten Kündigung. Allerdings erhält der Versicherte in den ersten zwölf Monaten - in der er Arbeitslosengeld I (ALG I) erhält - noch kein Geld von Ewa. "In der Phase geht es um Sachleistungen im Bildungsbereich, also Weiterbildungsmöglichkeiten und Bewerbungscoachings", sagt Malte Säger, einer der drei Gründer. Mit den Kursen soll der Kunde nicht nur schneller einen Job finden, sondern sich auch neue digitale Fähigkeiten aneignen. Säger rechnet damit, dass die Auswirkungen der Digitalisierung in den kommenden Jahren deutlich spürbarer werden. "Der technische Wandel wird immer schneller", sagt er. Dinge, die vor zehn Jahren als nicht ersetzbar galten, werden heute von Computern übernommen.

"Nach dem ersten Jahr, wenn Hartz IV greifen würde, bekommt er von uns Geld", sagt Säger. Wie hoch das Ewa-Grundeinkommen ist, legt der Kunde selbst fest, jedoch maximal so hoch wie das ALG I. Es kann bis zu zwei Jahre gezahlt werden.

Ewa steht noch am Anfang. "Wir haben noch keine Investorengelder eingesammelt, suchen aber auf jeden Fall Kapital", sagt er. Mit einem strategischen Partner könnte Ewa die Police innerhalb eines Jahres auf den Markt bringen. Der Preis steht noch nicht fest. Die Idee der privaten Arbeitslosenversicherung ist nicht neu. Einer der ersten Anbieter war 1996 die Volksfürsorge, andere folgten. Allerdings hatten solche Policen kaum Erfolg. Ein Grund: Sie waren schlicht zu teuer.