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Private Gläubiger:Hohe Beteiligung beim Schuldenschnitt in Griechenland

Etappensieg für Athen: Viele Banken und Versicherungen haben freiwillig beim Schuldenschnitt mitgemacht und ihre Anleihen getauscht. Griechenland werden damit mehr als 100 Milliarden Euro erlassen. Der Schuldenschnitt ist Voraussetzung für das Milliarden-Hilfspaket. Doch die griechische Regierung will nun Anleger zwingen, die nicht beim Umtausch mitgemacht haben.

Erfolg für Griechenland: Viele Banken und Versicherungen haben sich am freiwilligen Schuldenschnitt beteiligt. Mit großer Mehrheit haben die privaten Gläubiger Griechenlands der historischen Umschuldung zugestimmt und damit den Weg für das zweite Rettungspaket geebnet. Die Quote lag bei 85,8 Prozent, teilte das Athener Finanzministerium mit. An dem Programm hätten Besitzer von Anleihen mit einem Nennwert von 172 Milliarden Euro teilgenommen.

Die griechische Regierung hat außerdem die Zwangsklauseln aktiviert: Damit wird der Verzicht von weiteren Gläubigern per Gesetz erzwungen, die Anleihen nach griechischem Recht halten. Somit werden insgesamt 95,7 Prozent des Gesamtbetrags der Schulden umgetauscht.

Die restlichen Gläubiger halten Anleihen nach ausländischem Recht und können nicht zum Mitmachen gezwungen werden. Unter ihnen habe die Beteiligungsquote bei 69 Prozent gelegen. Wenn sie doch noch umtauschen wollen, wird für sie die Frist bis zum 23. März verlängert.

Ein Regierungssprecher sprach am Morgen im Fernsehen von einem historischen Moment: "Wir werden damit mehr als 100 Milliarden Schulden los." Finanzminister Evangelos Venizelos danke den Gläubigern, "die unser ehrgeiziges Reform- und Anpassungsprogramm unterstützt und sich an den Opfern des griechischen Volks bei diesem historischen Unterfangen beteiligt haben."

Die griechische Regierung hatte sich vor dem Schnitt mit der Bankenlobby auf eine Grundsatzvereinbarung geeinigt. Sie sieht einen Forderungsverzicht von 53,5 Prozent vor. Die Gläubiger erhalten im Tausch neue Anleihen mit langen Laufzeiten und relativ niedrigen Zinsen.

Dass nun die Zwangsklauseln aktiviert werden, war an den Finanzmärkten lange gefürchtet worden: Experten warnten, dass dies von den Händlern als fatales Signal interpretiert würde und das Vertrauen in die anderen Schuldenstaaten erschüttern könnte. Außerdem könnten die Kreditausfallversicherungen nun aktiviert werden, die in der Finanzkrise eine kritische Rolle gespielt hatten. An diesem Freitagmittag will sich der Verband ISDA treffen, der entscheidet, ob die Versicherungen jetzt greifen oder nicht.

Lob aus den USA

Nach dem erfolgreichen Schuldenschnitt hat sich IWF-Chefin Christine Lagarde optimistisch zur Eurokrise geäußert. Das Risiko einer "schweren Krise" sei vorerst abgewendet worden, sagte die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) dem US-Sender PBS. "Frühling liegt in der Luft", sagte sie. Angesichts eines geringen Wachstums und weiterhin teils hoher Schulden innerhalb der Eurozone gebe es aber noch viel zu tun, mahnte die IWF-Chefin.

Auch US-Finanzminister Timothy Geithner lobte die Anstrengungen der Euro-Staaten im Bemühen um eine Beilegung der Währungskrise. Dank der Maßnahmen der Euro-Länder sei das Risiko gesunken, dass Europa große Schäden in der Weltwirtschaft anrichten könne, sagte er demselben US-Sender.

Griechenland nimmt mit dem Schnitt eine enorme Hürde im Kampf gegen die Schulden. Das Land hat Verbindlichkeiten von 200 Milliarden bei privaten Gläubigern, sie sollen durch den Schnitt halbiert werden. Die Gläubiger bekommen im Tausch neue Anleihen.

Griechenland drücken stetig wachsende Schulden von insgesamt 350 Milliarden Euro, viel zu viel für einen kleinen Staat. Ein weiteres Ansteigen würde die Volkswirtschaft nach Ansicht von Ökonomen in den Abgrund treiben. Die Euro-Regierungen versuchen daher seit Monaten, die privaten Gläubiger zu einem Schuldenverzicht zu bewegen, damit das Land neu starten kann. Ein zweites staatliches Hilfspaket sieht unter anderem mehr als 30 Milliarden Euro für die Gläubiger vor, die im Umtausch gegen ihre alten Anleihen neue mit niedrigeren Zinsen akzeptieren.

Bad Bank HRE trägt Schnitt mit

Auch der deutsche Steuerzahler macht mit beim Schuldenschnitt: Die sogenannte Bad Bank der verstaatlichten Immobilienbank HRE, die FMS Wertmanagement, beteiligt sich mit Anleihen und Krediten im Wert von 8,2 Milliarden Euro. Die FMS-Geschäftsleitung habe in Abstimmung mit dem Verwaltungsrat die Bereitschaft zur Teilnahme an dem Umtausch griechischer Staatsanleihen beschlossen, teilte die FMS am Donnerstagabend mit. Für die der FMS entstehenden Verluste muss der staatliche Bankenrettungsfonds Soffin geradestehen - in letzter Konsequenz also der Steuerzahler.

Am Freitagmittag will die griechische Regierung Details zum Schuldenschnitt bekanntgeben. Später treffen sich dann die Finanzminister der Eurozone, um über das Ergebnis zu sprechen.

© Süddeutsche.de/reuters/okl
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