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Essen privat:Zeigt her eure Einkäufe

Was und wie kaufen die Menschen in Deutschland ein? Wir haben fünf SZ-Leser besucht und in ihre Kühlschränke geschaut. Regional, günstig oder exotisch - im Gespräch verraten sie, worauf sie beim Einkaufen und Essen Wert legen.

Von Maja Beckers, Charlotte Dietz und Daniel Hofer (Fotos)

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Essen privat:Kochen international: Familie Albrecht

Kühlschränke

Quelle: Daniel Hofer

Was und wie kaufen die Menschen in Deutschland ein? Wir haben fünf SZ-Leser besucht und in ihre Kühlschränke geschaut. Regional, günstig oder exotisch - im Gespräch verraten sie, worauf sie beim Einkaufen und Essen Wert legen.

Christoph Albrecht ist stolz auf seine große Küche: "Küche ist für mich Lebensraum", sagt der 48-Jährige, der zwischen Tellern und Töpfen in der Gastwirtschaft seiner Eltern aufgewachsen ist. Heute lebt er mit seiner Frau Petra (43) und den Töchtern Rebecca (5) und Antonia (21 Monate) in München. Der Systementwickler und die Flugbegleiterin mögen exotische Speisen.

SZ.de: Worauf achten Sie beim Einkauf?

Christoph Albrecht: Auf Abwechslung! Die Kinder haben so ein paar Favoriten, wie ihre Joghurts, die müssen immer dabei sein. Aber ansonsten variieren wir viel. Thai, japanisch, indisch - wir kochen uns durch die Welt mit viel frischen Kräutern, Gewürzen und exotischen Saucen. Wir haben ein halbes Regal voller Kochbücher und keine Berührungsängste. Und Frische ist uns wichtig. Wir essen kaum Fertiggerichte und kochen selbst. Außerdem muss Essen Freude bereiten. Wenn man Lust hat, Schokolade zu essen oder Sushi zu rollen, dann sollte man das tun.

Wie oft kaufen Sie ein?

Einmal in der Woche machen wir den Großeinkauf beim Discounter und beim Gemüseladen an der Ecke, und dann noch zwei bis drei schnelle Nachkäufe in der Woche auf dem Heimweg.

Wie viel Geld geben Sie im Monat für Lebensmittel aus?

400 bis 480 Euro.

Haben Sie Ihre Ernährung mit der Zeit verändert?

Petra Albrecht: Ich esse wieder Fleisch. Als wir uns vor sechs Jahren kennenlernten, war ich seit 23 Jahren Vegetarierin. Jetzt genieße ich es, mindestens einmal pro Woche Fleisch zu essen. Während der ersten Schwangerschaft habe ich Lust darauf bekommen und nicht mehr aufgehört. Ich glaube, ich genieße einfach mehr und mache mir weniger Gedanken als früher.

Christoph Albrecht: Eine zweite Veränderung ist, dass wir mit den Kindern schneller werden mussten. Wenn ich von der Arbeit komme, muss rasch ein Essen auf den Tisch. Deshalb kochen wir manchmal vor, frieren etwas ein oder verschieben das richtig aufwändige Kochen aufs Wochenende.

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Essen privat:Regional verwurzelt: Harald Scholl

Kühlschränke

Quelle: Daniel Hofer

Gemüse vom Markt, Eier vom Bauern und Mehl aus der Mühle - Harald Scholl achtet beim Einkauf besonders auf regionale und saisonale Produkte. Der 53-Jährige lebt mit seiner Lebensgefährtin in einer Wohnung in Neuhausen. Er ist freier Journalist und begeisterter Koch. Auf seinem Foodblog Tellerschubser veröffentlicht er eigene Rezepte - zum Beispiel von seinem selbst gebackenen Brot.

SZ.de: Worauf achten Sie beim Einkauf?

Harald Scholl: Mir ist es sehr wichtig, die Kreisläufe in der Region zu unterstützen. Deshalb kaufe ich fast ausschließlich regional und saisonal ein. Möglichst direkt beim Erzeuger, ich versuche, den Handel zu umgehen. Ich mag es, wenn meine Produzenten oder auch der Käsehändler mich kennen. Viele Lebensmittel stelle ich auch selbst her - Marmelade, Gemüsebrühe und Brot zum Beispiel.

Wie oft kaufen Sie ein?

Einmal pro Woche gehe ich hier im Viertel zum Wochenmarkt, um frisches Obst, Gemüse und Fisch zu kaufen. Eier, Fleisch und Milchprodukte beziehe ich über eine Einkaufsgemeinschaft. Einer von uns fährt dafür jeden Monat zu einem Bauern im bayerischen Oberland. Mehl kaufe ich direkt bei der Mühle, Käse beim Händler um die Ecke.

Wie viel geben Sie im Monat für Lebensmittel aus?

Wenn man den Wein weglässt - ich bin Sammler - sind es nicht mehr als 300 Euro für zwei Personen. Bier ist aber da schon dabei.

Haben Sie Ihre Ernährung mit der Zeit verändert?

So wie jetzt ernähre ich mich schon seit 25 Jahren. Ich bin Anhänger der Slow-Food-Bewegung. Essen ist für mich ein politisches Statement. Mit nichts kann man mehr bewirken als mit Messer und Gabel!

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Essen privat:Kombination aus Discounter und Garten: Familie Dziura

Kühlschränke

Quelle: Daniel Hofer

Veronika (34) und Marcel Dziura (33) leben mit Lara (10), Linus (6) und Levi (2) im Münchner Stadtteil Obermenzing; sie erwarten ihr viertes Kind. Die Krankenschwester und der Angestellte kaufen meist beim Discounter, für Bio-Lebensmittel reicht das Geld nicht. Sie kochen jeden Tag frisch, im Sommer auch aus dem eigenen Garten, und legen Wert darauf, die Kinder einzubeziehen - die haben ihr eigenes Beet und kreieren Gerichte wie Obstsalat mit Schnittlauch.

SZ.de: Worauf achten Sie beim Einkauf?

Veronika Dziura: Dass es frisch ist. Wir kochen jeden Tag selbst, ohne Fertiggerichte. So können wir auch die Kinder einbeziehen. Die schneiden und rühren oft mit, das ist uns wichtig. Das dauert halt länger und dann sind die Karottenstücke eben größer. Ein paar Sachen pflanzen wir auch im Garten an: Tomaten, Gurken, Kohlrabi und Karotten, und da haben die Kinder auch ihr eigenes Beet. Essen ist für uns Genuss und keine Religion, also gibt es auch mal eine Tiefkühlpizza.

Lara: Aber selbstgemachte Pizza schmeckt besser.

Wie oft kaufen Sie ein?

Ich bin eigentlich ständig am Einkaufen. Einmal in der Woche mache ich einen großen Wocheneinkauf - da reicht ein Einkaufswagen oft nicht aus. Und dann immer wieder zwischendurch, wenn wir etwas brauchen. Aber ich lagere auch große Vorräte in Keller und Tiefkühltruhe. Ich komme vom Land und konnte mir das auch nach 14 Jahren in der Stadt noch nicht abgewöhnen.

Wie viel Geld geben Sie im Monat für Lebensmittel aus?

Wir gehen hauptsächlich bei Discountern einkaufen, Bio können wir uns leider nicht leisten. Da kommen etwa 700 bis 800 Euro zusammen, das ist allerdings der gesamte Einkauf, also mit Waschmittel und so weiter.

Haben Sie Ihre Ernährung mit der Zeit verändert?

Früher, ohne Familie, habe ich mich katastrophal ernährt. Ich habe oft bei der Arbeit im Krankenhaus gegessen, eher Nudeln mit Ketchup und Kaffee und Zigaretten. Mit dem ersten Kind fing ich an, mir mehr Gedanken darum zu machen.

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Essen privat:Alles bio im Kühlschrank: Claudia Domke

Kühlschränke

Quelle: Daniel Hofer

Für Claudia Domke ist das Essen Teil einer ganzheitlichen Erfahrung: Sie möchte im Einklang von Körper, Geist und Seele leben, und dazu gehört für sie bewusste Ernährung. Ihr kommt nur Bio in die Einkaufstüte. Die 50-Jährige arbeitet als Coach für wertschätzende Kommunikation und lebt mit ihrem Mann in der Münchner Innenstadt. Gemeinsam bereiten sie am liebsten leckere Salate zu. Für Gäste gibt es aber auch Chips und Cola - "ich möchte niemanden missionieren", sagt Domke.

SZ.de: Worauf achten Sie beim Einkauf?

Ich kaufe zu 99 Prozent Bioprodukte. Im Bioladen, in Reformhäusern oder im Supermarkt, dort gibt es ja mittlerweile auch viele Bio-Lebensmittel. Eine wichtige Adresse ist für mich der Viktualienmarkt, dort gehe ich wöchentlich einkaufen. Ausnahmen mache ich, wenn ich weiß, woher das Produkt kommt. Nicht alle Bauern in der Umgebung können sich Bio-Siegel leisten, wirtschaften aber trotzdem nachhaltig und im Einklang mit der Natur.

Wie oft kaufen Sie ein?

Ein- bis zweimal pro Woche. Das hängt davon ab, wie viele Tage wir in München sind, ich reise regelmäßig beruflich. Deshalb kaufe ich in der Regel frische Lebensmittel, die nur wenige Tage haltbar sind.

Wie viel geben Sie im Monat für Lebensmittel aus?

Im Monat kommen wir zu zweit auf etwa 700 Euro.

Haben Sie Ihre Ernährung mit der Zeit verändert?

Im Oktober 2004 gab es eine tolle Ausstellung im Völkerkundemuseum in München: "Was essen wir wirklich?" Die hat mich sehr beeindruckt. Ich hatte mich vorher schon mit den Themen Ernährung, Gesundheit und Fitness auseinandergesetzt, aber von diesem Zeitpunkt an haben wir unsere Ernährung langfristig umgestellt. Ich habe auch vorher nie beim Discounter eingekauft, aber seit 2004 haben wir intensiv darauf geachtet, was und wann wir essen und woher die Produkte stammen.

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Essen privat:Ab und zu mal Luxusausrutscher: Familie Bals

Kühlschränke

Quelle: Daniel Hofer

Familie Bals kauft vor allem Bio- und regionale Produkte - eine Mango aus Übersee ist für sie ein "Luxusausrutscher". Johanna Bals (41), Versicherungsangestellte, und Ronald Bals (38), Berater für Telekommunikation, leben mit Leonhard (7) und Magdalena (4) in Vaterstetten bei München und kaufen Fleisch, Brot und Milchprodukte möglichst saisonal und aus dem bayerischen Umland.

SZ.de: Worauf achten Sie beim Einkauf?

Johanna Bals: Dass die Dinge gut schmecken. Außerdem kaufen wir vor allem regionale und Bio-Produkte. Das Fleisch hier ist vom Metzger, das Brot von einem Bäcker, der hier backt, und im Supermarkt kann man vor allem Milchprodukte gut aus der Gegend bekommen. Da muss ich in Bayern nicht die Milch aus Niedersachsen nehmen. Manchmal leisten wir uns aber auch Luxusausrutscher, wie zum Beispiel eine Mango von weit her. Wir finden, das muss auch mal sein.

Wie oft kaufen Sie ein?

Zwei Mal die Woche mache ich die Runde: Bioladen, Obst- und Gemüsehändler, Supermarkt. Und einmal die Woche gönnen wir uns was vom Feinkost-Laden.

Wie viel Geld geben Sie im Monat für Lebensmittel aus?

Etwa 700 Euro.

Haben Sie Ihre Ernährung mit der Zeit verändert?

Mit den Kindern hat es sich sehr verändert. Da fragt man sich, was man eigentlich isst und möchte plötzlich unbehandeltes Obst für die Kinder kaufen. Gleichzeitig stand viel in der Zeitung über die Folgen, die es für die Umwelt hat, wenn das Essen immer von so weit angekarrt wird und was für ein Dreck drin ist. Ich möchte kein Antibiotika-Hähnchen essen und ich möchte auch mit gutem Gewissen konsumieren. Das Essen ist der Bereich, wo man das am besten umsetzen kann. Ich würde auch Klamotten gerne bio und fair gehandelt kaufen, aber da stößt man schnell an Grenzen.

© Süddeutsche.de/sebi/rus

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