Primark Schlechte Schlagzeilen stoppen das Wachstum von Primark nicht

Kritiker bemängeln, würde Primark mehr zahlen, könnten die Arbeiter etwa in Bangladesch üppigere Löhne erhalten. Lister widerspricht: "Wir begrüßen es, wenn Regierungen die Mindestlöhne erhöhen", sagt er. "Aber wir können nicht den Fabrikbesitzer anweisen, er solle den Arbeitern, die für Primark nähen, einen Dollar extra zahlen, denn da gibt es 20 Produktionsstraßen, die für verschiedenste Marken fertigen." Alle Abnehmer müssten also höhere Löhne fordern. Oder der Gesetzgeber.

Für eine Kleinbäuerin aus Bangladesch sei es eine große Verbesserung, den Acker zu verlassen und zum staatlichen Mindestlohn in einer Textilfabrik zu arbeiten, sagt er. "Da verdient sie nun genug, um ihre Kinder zur Schule zu schicken statt aufs Feld wie früher." Von den Lieferanten verlangt Primark, dass sie Sozialstandards einhalten, wie sie Brancheninitiativen vorgeben. Mitarbeiter des Konzerns prüfen vor Ort, ob Fabriken die Abmachungen umsetzen - insgesamt gebe es 2500 Tests im Jahr, sagt Lister: "Das ist nötig, wenn Sie in Entwicklungsländern fertigen lassen, denn dort finden sich immer Probleme." Es komme eben darauf an, die Probleme zu entdecken und Verstöße abzustellen.

In München will das Unternehmen gleich mehrere Läden aufmachen

Das ist nicht einfach: "Manchmal wünsche ich mir, dass Fabrikbesitzer genauso viel Zeit darauf verwenden würden, Missstände zu beheben, wie auf ihre Versuche, sie zu vertuschen", sagt der Manager. Verliere Primark das Vertrauen in einen Zulieferer, trenne sich der Konzern von ihm.

Trotz aller Kontrollen stürzte 2013 in Bangladesch das Gebäude mit den Textilfabriken ein. Lister sagt, bis zu dieser Katastrophe hätten die Prüfer für Sozialstandards nicht auf die Stabilität der Gebäude geachtet: "Das wurde nicht als mögliches Risiko angesehen." Seitdem werde das aber ebenfalls untersucht.

Schlagzeilen über den Kollaps des Rana-Plaza-Baus oder die Proteste von Kritikern konnten das Wachstum in Deutschland allerdings nicht stoppen. Etwas anderes bremst Primark: "Wie schnell wir expandieren, hängt davon ab, wie schnell wir passende Läden finden", sagt Finanzvorstand Bason. "Am liebsten wollen wir in die belebten Einkaufsstraßen im Zentrum, und wir haben die Erfahrung gemacht, dass sehr große Läden in Deutschland gut funktionieren." Sich solche Standorte zu sichern, kann schwierig sein. Zum Beispiel in München. Hier könnte Primark gleich mehrere Filialen betreiben, sagt Bason. Doch bislang existiert keine einzige. In zwei Jahren wird immerhin ein Laden in einem Einkaufszentrum im Stadtteil Neuperlach eröffnet. In der Innenstadt ist das freilich nicht.

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Primark bietet bislang keinen Online-Handel an

In den vergangenen Monaten brachte die Kette ihre ersten Filialen in die USA und nach Italien. Nun ist Primark in elf Staaten tätig - "und so bald wird kein größerer Markt hinzukommen", sagt Bason. Das Unternehmen habe genug damit zu tun, in diesen Ländern Läden aufzumachen. Im Vergleich zum schwedischen Rivalen Hennes & Mauritz (H&M) ist Primark allerdings weiterhin klein. Bason schreckt das nicht. Immer mehr Umsatz im Modehandel entfalle auf günstige Anbieter, sagt er: "Deshalb gibt es Platz für mehr als eine günstige Modekette."

Bei H&M können Kunden im Internet einkaufen; Onlinehandel wird bei Mode wichtiger. Primark bietet das nicht an - und Bason sagt, das werde "für die absehbare Zukunft" so bleiben: "Unsere Preise sind niedrig, wir haben eine niedrige Marge. Da sind die Logistik-Kosten des Onlinehandels zu hoch." Ein T-Shirt für drei Euro im Internet zu verkaufen, dem Kunden das zu schicken und dann noch die Rücksendungen bei Nichtgefallen zu bearbeiten, das ginge einfach nicht.

Primark konzentriert sich also ganz darauf, Filialen zu eröffnen. Beunruhigende Aussichten für manch einen Modehändler.

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